Drohnen aus der Ukraine: Putin räumt öffentlich Rückschläge ein
Russlands Präsident Wladimir Putin hat anlässlich des Russland-Tags öffentlich einige Rückschläge des russischen Militärs eingeräumt. Er ging allerdings nicht auf das volle Ausmass der militärischen Herausforderungen Russlands ein, erklärt das «Institute for the Study of War» (ISW). Insbesondere die Herausforderungen durch ukrainische Drohnen soll der Kremlchef bei einem Gespräch mit russischen Soldaten betont haben.
«Wir sind uns der Probleme, die Drohnen für uns verursachen, vollkommen bewusst», zitiert die «Kyiv Post» Putin. «Ich weiss, was es in manchen Fällen bedeutet, den Kopf zu heben, wenn diese Drohnen wie Fliegen da hängen.» Demnach betonte er, dass Kommandeure ihm jeden Tag davon berichten. Er behauptete laut «ISW», die ukrainischen Drohnenangriffe seien ein Versuch, Zwietracht in der russischen Gesellschaft zu säen und wirtschaftlichen Schaden anzurichten.
Bereits eine Woche zuvor räumte Putin während eines Treffens mit Journalisten am Rande des Wirtschaftsforums in St.Petersburg Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe ein. «Leider gelingt es einigen von ihnen, durchzubrechen», sagte er laut der Nachrichtenagentur AP. Und fügte hinzu, Russland verfüge über ein Luftverteidigungssystem. «Wir müssen es verbessern und stärken und das werden wir auch tun.»
Putins plötzliche Bereitschaft, öffentlich über die Drohnenangriffe zu sprechen, ist kein Zufall. Die ukrainischen Drohnen sind kein geheimes Problem mehr, das der russischen Öffentlichkeit verborgen bleibt. Sie treffen Ziele weit im Inneren Russlands, setzen regelmässig Ölraffinerien in Brand und greifen weitere industrielle Ziele an. In sozialen Netzwerken finden sich nach ukrainischen Angriffen Videos von Russen, die neben Wut, Angst und Zweifeln auch Unverständnis ausdrücken.
Putin geht nicht auf Gebietsverluste ein
Russlands Beteuerungen folgen laut «Kyiv Post» einem Muster: Nach den Eingeständnissen, dass die ukrainischen Drohnen ein Problem darstellen und die Ukraine sich schnell an den Kriegsverlauf anpasst, folge immer direkt, dass Russland über neue Technologien und genügend Waffen verfüge. Die einzige Frage sei, die effektivsten auszuwählen und sie schneller an die Front zu bringen. Bei Putins öffentlichen Eingeständnissen geht es also hauptsächlich darum, die russische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass eine Lösung existiert. Und so geht Putin auch nicht auf den russischen Netto-Gebietsverlust der vergangenen zwei Monate ein.
Seit dem Frühjahr 2026 überzieht die Ukraine Russland regelmässig mit Drohnenangriffen, die gegen Energieinfrastruktur und militärische Aufrüstung gerichtet sind. Selbst in Orten hunderte Kilometer hinter der ukrainischen Grenze kann sie Treffer vermelden. Die russische Luftverteidigung scheint darauf aktuell nicht ausgerichtet zu sein.

