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Ceuta in Spanien wird von Migranten aus Marokko überrannt

Video: watson/lucas zollinger

60'000 Migranten: Die wichtigsten Punkte zur Lage in Ceuta

31.07.2026, 10:2731.07.2026, 19:14

Was ist passiert?

In Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, herrscht Ausnahmezustand. In den letzten Tagen sind gemäss den lokalen Behörden rund 60'000 Migranten aus Nordafrika angekommen. Unter den Ankömmlingen seien viele Minderjährige und Kinder, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE.

epa13141875 Migrants reach Spanish territory after swimming from Morocco to Ceuta, a Spanish enclave in North Africa, 30 July 2026. Hundreds of migrants swam to cross the border to Ceuta over the last ...
Zahlreiche Migranten haben in den letzten Tagen Ceuta erreicht – die genauen Umstände sind unklar.Bild: keystone

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Guardia Civil, Rachid Sbihi, sprach von «reinstem Chaos». Die Grenze sei so gut wie zusammengebrochen.

Über diese beiden Routen erreichen die Migranten Ceuta.

Videos und Fotos zeigten überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangten, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll. Man sieht auch, wie die Menschen jubelnd über die Strassen laufen und unter anderem «Viva España!» rufen. «An den Stränden liegen viele Gegenstände, die die Migranten bei der Überquerung genutzt haben, darunter Schwimmringe und -flossen sowie Neoprenanzüge», berichtete RTVE.

Die Lage ist angespannt: Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Strassen übernachten. Zudem sind in den letzten Tagen die Leichen von insgesamt 26 Menschen gefunden worden, die vermutlich versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen.

Migrants cross from Morocco into the Spanish enclave of Ceuta, Thursday, July 30, 2026. (AP Photo/Antonio Sempere)
Spain Ceuta
Der Weg durchs Meer birgt für Migranten grosse Gefahren.Bild: keystone

Die Regionalregierung forderte von der Zentralregierung die Ausrufung des nationalen Notstands und den Einsatz des spanischen Militärs an der Grenze zu Marokko.

Wie ist die Lage in Melilla?

Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave haben mittlerweile Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.

Hier liegen Ceuta und Melilla.

Wie reagieren Gegner?

Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer «verzweifelten Situation». Auf X kritisierte er den sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez mit scharfen Worten: Die Regierung dürfe «nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit».

Auch im Ausland schlägt die Lage in Ceuta derzeit hohe Wellen. Italiens Ministerpräsidentin fordert nun den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum. Man sei dabei, «die zuständigen Stellen zusammenzubringen», erklärte Meloni am Donnerstag im Onlinedienst X. Und weiter: «Sobald diese Treffen abgeschlossen sind, sind wir bereit zu handeln, auch durch aussergewöhnliche Massnahmen wie etwa das Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien.»

Die Bilder aus Ceuta nannte Meloni «schockierend». «Italien wird nicht tatenlos zusehen», kündigte sie an. Ähnlich wie seine Regierungschefin hatte sich zuvor bereits Italiens Aussenminister Antonio Tajani geäussert. «Ich bin dafür, den Schengen-Raum für Spanien zu schliessen», erklärte er bei X. Er begründete die Forderung mit der «irregulären und unkontrollierten Einwanderung». Diese stelle «eine Gefahr für die nationale Sicherheit» dar.

epa13112582 Italian Prime Minister Giorgia Meloni reacts as she attends the Master of the Art of Italian Cuisine Award Ceremony at Palazzo Chigi in Rome, Italy, 15 July 2026. EPA/MAURIZIO BRAMBATTI
Giorgia Meloni fordert Massnahmen gegen Spanien.Bild: keystone

Auch in weiteren Ländern Europas wurden kritische Stimmen laut. Wie Meloni forderte auch die finnische Regierung einen Schengen-Ausschluss. Schwedens Premierminister Ulf Kristersson forderte Spanien auf, umgehend zu handeln. «Sollte die Entwicklung Schwedens Sicherheit oder Migrationslage gefährden, ist die Regierung bereit, die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen», schreibt er.

Wie reagiert die EU?

Die EU bot Spanien Unterstützung an. Migrationskommissar Magnus Brunner habe «die Bereitschaft der EU zum Ausdruck gebracht, Spanien – unter anderem über Frontex – verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen», teilte er am Abend auf der Plattform X mit. Der Schutz der EU-Aussengrenzen sei «ein wesentlicher Bestandteil unserer Bemühungen zur Bekämpfung der illegalen Migration».

EU-Kommissionspräsidentin sprach von «inakzeptablen» Szenen in Ceuta. «Wir können niemanden zulassen, der in unsere Union kommt, ohne sich an unsere Regeln zu halten», schreibt sie auf X. Sie fordert einerseits schnelle Rückführungen, aber auch das Zerschlagen von Schmuggelnetzwerken, um gefährliche Überfahrten zu stoppen. Sie habe zwei Kommissare beauftragt, sich der Sache anzunehmen – Magnus Brunner stehe in Kontakt mit Spanien, Dubravka Suica mit Marokko.

Warum ausgerechnet Ceuta?

Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen.

epa13142974 People gather at the Bab Sebta border crossing between Morocco and the Spanish enclave of Ceuta, near Fnideq, Morocco, 30 July 2026. Spain and Morocco agreed to the urgent return of migran ...
Menschenmengen nahe der Grenze zwischen Marokko und Spanien.Bild: keystone

Oft versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen. Um einen Ansturm zu verhindern, gibt es einen meterhohen Grenzzaun zwischen dem marokkanischen Staatsgebiet und Ceuta. Aus diesem Grund versuchen zahlreiche Migranten, schwimmend über das Meer nach Ceuta zu gelangen. Der Weg birgt allerdings grosse Risiken: Immer wieder ertrinken Menschen auf dem Weg in Richtung EU-Gebiet.

Wie ist die Lage auf marokkanischem Boden?

Auch in der marokkanischen Grenzstadt Fnideq kommt es Medienberichten zufolge zu Ausschreitungen. Aufnahmen zeigen mehrere verbrannte Fahrzeuge. Die marokkanischen Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer gegen Randalierer sein. Auf Tränengas soll zum Einsatz gekommen sein.

epa13143319 Young Moroccans walk past a burned-out bus following unrest on the road leading to the Castillejos border crossing with Ceuta in Castillejos, Morocco, 31 July 2026. Spain and Morocco agree ...
Ein verbrannter Bus in der Nähe der Grenze.Bild: keystone

Warum spitzte sich die Lage ausgerechnet jetzt zu?

Dies ist nicht ganz klar, es gibt verschiedene Theorien. Einige Medien spekulieren über einen Zusammenhang mit einer Algerien-Reise von Regierungschef Sánchez vergangene Woche. Marokko und Algerien stehen sich im Westsahara-Streit seit Jahren unversöhnlich gegenüber. Einige halten es für möglich, dass Rabat die Kontrollen der eigenen Polizei an der Grenze zu Ceuta gelockert haben könnte, um ein politisches Signal an Madrid zu senden. Auch Achraf Maimouni von der marokkanischen Menschenrechtsvereinigung sagte gegenüber ARD, die Grenze bei Tarajal sei «unter ungewöhnlichen Umständen geöffnet» worden.

epa13122838 A handout photo made available by the Press service of the Algerian presidency shows Algerian President Abdelmadjid Tebboune (R) meeting with Spanish Prime Minister Pedro Sanchez at the pr ...
Pedro Sánchez bei seinem Besuch in Algerien.Bild: keystone

Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht. Die marokkanischen Behörden haben sich nicht zu den Vorwürfen geäussert.

Andere spekulieren, die aktuelle Lage könne mit einem Gerichtsurteil des Obersten Gerichts am 16. Juni zusammenhängen: Dieses besagt, dass Menschen, welche schwimmend nach Ceuta gelangen, nicht direkt abgeschoben werden können. So könne man diesen nicht vorwerfen, gewaltsam in spanisches Staatsgebiet eingedrungen zu sein. Möglicherweise könne sich dies unter Migranten herumgesprochen haben, so Stefan Ehler, ARD-Korrespondent in Marokko, gegenüber SRF.

Gab es schon ähnliche Vorfälle?

Die Bilder wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt. Madrid warf Rabat damals «Erpressung» vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert oder gar ausgesetzt wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen.

Hintergrund des damaligen Konflikts war der Streit um die frühere spanische Kolonie, die grösstenteils von Marokko kontrolliert wird und von der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für einen eigenen Staat beansprucht wird. Spanien hatte den Anführer der Polisario 2021 aus humanitären Gründen zur Behandlung aufgenommen, was in Rabat heftige Verstimmung auslöste.

Die Beziehungen entspannten sich erst 2022, nachdem Sánchez den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara als «die ernsthafteste» Grundlage für eine Lösung bezeichnet hatte. Seither arbeiten Madrid und Rabat in Migrations- und Sicherheitsfragen wieder enger zusammen. (dab, mit Material von Keystone-SDA)

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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta
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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta

In Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, herrscht Ausnahmezustand.

quelle: keystone / antonio sempere
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