«The Social Reckoning»: Ist Mark Zuckerberg schuld am Sturm auf das Kapitol?
Die Geschichte hat alles, was es für einen Wirtschaftsthriller braucht: Ein mächtiges Unternehmen, einen Whistleblower und einen handfesten Skandal. Grund genug für Regisseur Aaron Sorkin, sich in «The Social Reckoning» ein zweites Mal mit Facebook, heute Meta, anzulegen.
Der Nachfolgefilm von «The Social Network» aus dem Jahr 2010 stellt das Unternehmen als eine von geldgeilen jungen Männern betriebene Grossmacht ohne Moralansprüche vor und basiert auf Ereignissen aus dem Jahr 2021.
«Wall Street» Investigativjournalist Jeff Horwitz (Jeremy Allen White) möchte öffentlichkeitswirksam aufdecken, was den Geschäftsführern längst klar ist: Ein Grossteil der Nutzenden, die extremistischen Gruppen beitreten, folgt lediglich den Empfehlungen des Algorithmus.
Statt die längst bekannten Probleme zu lösen, arbeitet Geschäftsführer Mark Zuckerberg am öffentlichen Auftritt. Im Hintergrund «optimiert» er sein Produkt auf seine Weise. Er macht es lukrativer. Und gefährlicher.
Als Whistleblowerin und stille Rächerin der ahnungslosen Nutzer liefert die Mitarbeiterin Frances Haugen (Mikey Madison) trotz Verboten vernichtendes Material an Horwitz. «Facebook spielt mit Kerosin und Streichhölzern», sagt sie. Über ihn gelangen die Geheimnisse an die Öffentlichkeit und machen schnell Furore.
Mark Zuckerberg wird zum Inbegriff des Bösen
Die sogenannten «Facebook Files» wurden mit dem Pulitzerpreis gewürdigt und gehören zum Umfangreichsten, was die zahlreichen Vorwürfe gegen das Unternehmen zu bieten haben. In Realität wie auch im Film reagiert Zuckerberg nur mit einem Achselzucken.
Der wird im Film vom interessantesten Darsteller verkörpert: Jeremy Strong. Sein Vorläufer Jesse Eisenberg soll keine Lust mehr auf die Rolle gehabt haben, weil er ständig mit Zuckerberg assoziert worden sei. Mit Strong wird Zuckerberg dafür zum kaltherzigen, fast roboterhaften Technokraten.
Das ist meisterhaft gespielt, aber ist es fair? Alle Kunstfreiheit in Ehren, aber der Film behandelt die verheerenden Auswirkungen medialer Falschdarstellung. Ein Glück zeigt er auch auf, wie sehr sich Zuckerberg über die Folgen seines Tuns im Klaren war. Unrecht tut man ihm, folgt man der immanenten Logik, keins. Wenn am Schluss der Handlung dann noch eingeblendet wird, Facebook verzichte inzwischen gänzlich auf Faktenprüfung ist man der Hoffnung vollends beraubt.
Nur einmal bleibt auch dem «Radikalisten der Redefreiheit» fassungsloses Schweigen: Als Chaoten die Fenster des Kapitols in Washington einschlagen – und Präsident Trump damit sein Online-Publikum amüsiert. (schweizheute.ch)
