«Beten und hoffen»: Datenschützer fordert mehr Schutz wegen Metas KI-Brillen
Ein helles, blinkendes Licht auf einem Brillenrahmen: Das ist das einzige Anzeichen dafür, ob mit einer KI-Brille gerade gefilmt wird. Es lässt sich so leicht abstellen, dass sich seit Einführung der Brillen ein ganzes Geschäftsmodell etabliert hat. Die Warnlichter an den Brillen werden deaktiviert, sodass sie durchgehend und unbemerkt filmen können.
Die manipulierten Geräte verkaufen sich so gut, dass die Big-Tech-Firma Meta nun einschreiten musste. Der Konzern gab bekannt, Kameras mit Anzeichen auf externe Eingriffe automatisch deaktivieren zu wollen – bisher mit begrenztem Erfolg. Werden wir nun alle permanent überwacht?
Grundsätzlich sei das schon länger der Fall, sagt Martin Steiger. Er ist als Anwalt auf den digitalen Raum spezialisiert. Allerdings seien Aufnahmen mit Handy, GoPro und Co. immer noch punktueller Natur, zeitlich begrenzt und mindestens teilweise als solche erkennbar. «Mit der Brille wird aber quasi das gesamte Leben live gestreamed», so Steiger, «und an eine Cloud gesendet, die nichts vergisst.»
Britische Gerichte wollen KI-Brille verbieten
Damit überwachten die Brillenträger sozusagen durchgehend ihr eigenes Umfeld. «Insbesondere, wer die Geräte als Brillenersatz nutzt, filmt damit schnell auch sehr intime Gespräche und Situationen», so Steiger. So können die Brillen etwa am Arbeitsplatz vertrauliche und besonders schützenswerte Personendaten mit erfassen und auswerten. An britischen Gerichten wurde das Tragen der Brillen deshalb kürzlich verboten.
Gerade in Kombination mit weiteren KI-Tools bieten die Brillen auch neue Möglichkeiten im Bereich geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt. Frei verfügbare Gesichtserkennungs-Tools, wie sie Meta teilweise bereits eingeführt und wieder zurückgezogen hat, könnten etwa Stalking-Versuche drastisch erleichtern. Mit verschiedenen Apps lassen sich auch Nackt-Filter in die Kamerafunktionen integrieren, Deepfakes in Echtzeit sozusagen.
KI-Brille macht alles viel einfacher
Vieles davon sei auch ohne diese Brillen möglich und problematisch, so Steiger:
Umgekehrt ist es schwer, als Betroffene dagegen vorzugehen. Wer sein Recht am eigenen Bild geltend machen will, muss beweisen können, dass überhaupt etwas aufgenommen und missbraucht wurde – und dann in einem mühseligen Verfahren allein gegen anonyme User und riesige Konzerne ankämpfen. «Man lässt Einzelne etwas juristisch ausbaden, was angesichts der schieren Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Daten unmöglich allein zu bewältigen ist», sagt Steiger.
Zumal die eigentliche Kontrolle darüber, was mit diesen Geräten und Daten geschehe, bei den Tech-Konzernen liege. Wer kein allgemeines Verbot wolle, müsse zumindest klare Regeln schaffen. Zum Beispiel, wenn es um die Verwendung und Speicherung der Daten gehe, oder um die Erkennbarkeit von Personen, die grundsätzlich auch verpixelt werden könnten.
«Dafür müsste man diese Konzerne regulieren wollen», so Steiger. Die politische Bereitschaft dazu sei derzeit aber gering. Wer seine Privatsphäre schätze, könne derzeit vor allem nach einem Motto leben: «Beten und hoffen.»
