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Australien: Wegen Dürre müssen 10'000 Kamele geschossen werden

epa05886917 A camel stands next to a flooded paddock near Rockhampton, Queensland, Australia, 04 April 2017. Flood waters resulting from ex-cyclone Debbie are expected inundate parts of Rockhampton wi ...
Dieses Kamel in Queensland hatte noch genügend Wasser. Sind die vom Menschen eingeführten Tiere Sündenböcke? Bild: EPA/AAP

Abschussbefehl: Australier töten in den kommenden Tagen 10'000 Kamele

07.01.2020, 19:5409.01.2020, 17:22

Australien brennt. Das ist mittlerweile bekannt. Auch dass Flora und Fauna extrem darunter leiden, ist bekannt. Bilder von verbrannten Kängurus und brennenden Koalas gehen um die Welt. Doch die Dürre in Australien fordert auch andere tierische Opfer: Kamele.

Wie The Australian berichtet, werden ab Mittwoch während fünf Tagen 10'000 Kamele geschossen. Passieren wird dies im lokalen Verwaltungsgebiet Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY), einer Aboriginal Community im Bundesstaat South Australia. Das Gebiet ist zweieinhalbmal so gross wie die Schweiz, jedoch leben nur rund 2500 Personen in der Gegend.

Der Abschussbefehl erfolgte, weil die Kamele während der anhaltenden Dürre, auf der Suche nach Wasser, immer rücksichtsloser in Wohngebiete vordringen.

«Die Kamele kommen in unser Dorf, reissen Zäune nieder und suchen nach Wasser bei den Klimaanlagen der Häuser», sagte Marita Baker, eine Bewohnerin des APY, gegenüber «The Australian».

Deswegen müssen die Kamele nun sterben. Das Ministerium für Umwelt und Wasser wird mit Hubschraubern auf Kameljagd gehen. Die Kadaver werden verbrannt oder begraben, in abgelegenen Gebieten werden sie zurückgelassen.

Kamele als Sündenböcke

Das aggressive Verhalten der Tiere ist jedoch nicht der einzige Grund, ihre Anzahl zu minimieren. Ein weiterer Faktor sei der enorme CO2-Ausstoss der Wüstentiere. Eine Tonne Kohlenstoffdioxid soll ein einzelnes Kamel in einem Jahr produzieren und ausstossen.

Wird der Tierbestand nicht reguliert, verdoppelt er sich zudem alle neun Jahre. Rund eine Million Kamele sollen bereits in Australien leben. Tim Moore, CEO einer Carbon-Farming-Firma, sagte gegenüber der Zeitung:

«Eine Million Kamele sind das Äquivalent von 400'000 zusätzlichen Autos auf der Strasse.»

Aber stimmt das?

Kamele sollen im Jahr rund 45 Kilogramm Methan ausstossen, schreibt das Nachrichtenmagazin Spiegel. Das entspreche etwa einer Tonne Kohlendioxid, da Methan 21-mal klimawirksamer sei als CO2. «Alle Tiere in Australien zu töten, würde im Jahr so viel Treibhausgase sparen wie die Stilllegung von 300'000 Autos, erklärte der Oppositionssprecher für Agrarfragen, John Cobb.» Die US-Umweltbehörde EPA gehe davon aus, dass ein Kamel etwa auf ein Sechstel des CO2-Ausstosses eines Autos komme. Damit entspräche die Gesamtemission der Höckertiere immer noch rund 200'000 Fahrzeugen, da in Australien geschätzte 1,2 Millionen wilde Kamele leben.

Die Tiere seien vor mehr als 150 Jahren von Siedlern als Transportmittel ins Land gebracht worden – und hätten sich inzwischen zu einer veritablen Plage entwickelt. Sie würden auch die wenigen Wasserstellen leer saufen.

Nur Kasachstan und Saudi-Arabien tun noch weniger ...

Ein zusätzlicher Anreiz für den Feldzug gegen die Paarhufer dürfte laut «Spiegel»-Bericht die Tatsache sein, dass Australien Emissionszertifikate dringend braucht. Das Land habe wegen seiner grossen Bergbauindustrie einen der weltweit höchsten Luftverschmutzungswerte pro Kopf. Im Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch belege das Land aktuell den drittletzten Platz. «Nur Kasachstan und Saudi-Arabien tun noch weniger gegen die globale Erwärmung.»

Seit Anfang November wüten riesige Buschbrände im Süden und Osten des Kontinents. Mehr als ein Dutzend Personen sind bereits ums Leben gekommen. Laut einer Studie der University of Sydney sollen zudem 480 Millionen Tiere der Flammenhölle zum Opfer gefallen sein.

(dfr)

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Bilder der Buschbrände in Australien
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Bilder der Buschbrände in Australien
Im Südwesten Australiens sieht es momentan aus als ginge die Welt unter.
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Australiens Buschbrände sind weiterhin ausser Kontrolle
Video: srf
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