International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A sign reading

Paris am Samstag: Seit Donnerstag gehen zahlreiche Menschen gegen die von der Regierung geplante Rentenreform auf die Strasse. Bild: AP

Proteste und Streiks – Frankreich droht ein chaotischer Wochenstart



Angesichts der andauernden Proteste und Streiks gegen die Rentenpläne der französischen Regierung müssen Reisende in Frankreich weiter mit chaotischen Zuständen im Nah- und Fernverkehr rechnen. Die drei grössten Eisenbahngewerkschaften riefen am Wochenende in einer gemeinsamen Erklärung zu einer Ausweitung der Streiks ab Montag auf.

Derweil war für Sonntagabend ein Treffen von Präsident Emmanuel Macron mit mehreren Ministern geplant. Es handle sich um ein «Arbeitstreffen mit dem Premierminister» Edouard Philippe und den von der Rentenreform betroffenen Ministern aus den Bereichen Gesundheit, Renten und Verkehr, verlautete aus Regierungskreisen.

Dabei werde über die umstrittene Rentenreform beraten, die Philippe am Mittwoch erstmals im Detail vorstellen wolle, hiess es. Während des Wochenendes seien Vertreter von Regierung und Gewerkschaften zu Gesprächen zusammengekommen.

epa08023913 French Prime Minister Edouard Philippe delivers a speech on domestic violence, during the International Day for the Elimination of Violence against Women in Paris, France, 25 November 2019.  EPA/STEPHANE DE SAKUTIN / POOL  MAXPPP OUT

Premierminister Philippe. Bild: EPA

«Wir empfehlen, die öffentlichen Verkehrsmittel in den kommenden Tagen zu vermeiden», schrieb die Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP auf ihrer Internetseite. Pendler sollten stattdessen auf andere Verkehrsmittel wie Fahrgemeinschaften umsteigen.

Demnach sollen zehn der 16 Metro-Linien geschlossen bleiben und vier nur eingeschränkt verkehren. Die zwei autonom fahrenden Linien würden betrieben, jedoch sei mit überfüllten Waggons zu rechnen. Rund zehn Millionen Menschen sind täglich im Grossraum Paris auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Fronten verhärtet

Premierminister Philippe sagte der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche», er sei «entschlossen», die Pläne über seine Rentenreform weiterzuführen. «Wenn wir heute keine tiefgreifende, ernsthafte und progressive Reform vornehmen, wird morgen jemand anders eine noch viel härtere durchsetzen», sagte der Regierungschef.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, kündigte gegenüber der Zeitung an, nicht klein beizugeben, bis der Reformplan zurückgezogen werde. Für Dienstag riefen die Gewerkschaften zu einem erneuten landesweiten Massenstreik auf.

FILE - In this Nov.26, 2019 file photo, French President Emmanuel Macron attends the ceremony marking the 80th anniversary of the French National Centre for Scientific Research (CNRS) in Paris. Massive strikes against a planned overhaul of the pension system are sending a powerful warning to French President Emmanuel Macron. Half-way through his term, the 41-year-old pro-business centrist is yet determined to push it through and keep remodeling the French economy. (Benoit Tessier/Pool Photo via AP, File)

Präsident Macron stösst mit seinen Reformplänen auf erbitterten Widerstand. Bild: AP

In Frankreich gehen seit Donnerstag zahlreiche Menschen gegen die von der Regierung geplante Rentenreform auf die Strasse. Am Donnerstag protestierten nach Behördenangaben mehr als 800'000 Demonstranten, die Gewerkschaft CGT zählte 1,5 Millionen Teilnehmer.

Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. Die Proteste waren deutlich grösser als jene gegen den Reformkurs von Präsident Macron auf dem Höhepunkt der «Gelbwesten»-Krise vor rund einem Jahr.

Am Wochenende hatten andauernde Streiks zu Verkehrsbeeinträchtigungen geführt. Nur zehn bis 15 Prozent der Pariser Vorortzüge und jeder sechste TGV-Schnellzug fuhren, neun Metro-Linien blieben geschlossen. Zudem legten Lastwagen-Chauffeure den Verkehr auf mehreren Autobahnen des Landes lahm, um gegen Pläne einer höheren Besteuerung von Treibstoff zu protestieren.

Im Louvre-Museum blieben einige Räume und im Grand Palais eine gesamte Ausstellung geschlossen. Auch die Pariser Oper, die Comédie Française sowie weitere Kultureinrichtungen sagten Vorstellungen ab.

Proteste zusammengelegt

Landesweit gingen am Samstag laut Innenministerium insgesamt rund 23'500 Menschen auf die Strasse. In Paris fand eine jährliche Demonstration gegen Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse statt, die die Kritik an der geplanten Rentenreform aufgriff, ausserdem demonstrierten rund tausend Anhänger der «Gelbwesten»-Bewegung. Es kam zu vereinzelten Ausschreitungen zwischen Demonstranten und den Einsatzkräften.

Auch in anderen Städten gingen Menschen auf die Strasse. Aus Nantes, wo sich rund 2800 Menschen an der Demonstration beteiligen, sowie aus Lyon wurden Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei gemeldet. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Massenproteste in Frankreich eskalieren

Nationalstreik gegen Macrons Rentenreform

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2

«Charlie Hebdo» veröffentlicht neues Titelbild mit Erdogan-Karikatur

Die französische Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» hebt eine Karikatur des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan auf die Titelseite ihrer neuen Ausgabe. Die Zeichnung hat laut einer Twittermitteilung vom Dienstag den Titel «Erdogan – privat ist er sehr lustig» und zeigt den Präsidenten in einem Sessel sitzend, während er einer Frau den Schleier lüftet.

Die Stimmung zwischen Frankreich und der Türkei ist sehr aufgeheizt, denn der Streit um Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed ist …

Artikel lesen
Link zum Artikel