Hybridkrieg per Messenger: 17-Jährige soll Soldaten im Auftrag Russlands vergiftet haben
Eine 17-Jährige hat nach Angaben der ukrainischen Polizei einen Soldaten der ukrainischen Streitkräfte im Auftrag russischer Geheimdienste vergiftet. Die Jugendliche sei festgenommen worden, teilte die Nationalpolizei am Freitag mit. Der 27 Jahre alte Soldat war zuvor am Donnerstag tot in einer Mietwohnung in der westukrainischen Stadt Schytomyr gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen starb er an einer Vergiftung.
Nach Angaben der Ermittler stand die Jugendliche über einen Telegram-Kanal mit einem mutmasslichen Vertreter russischer Geheimdienste in Kontakt. Ende Mai habe sie ein Paket mit einer kristallinen Substanz erhalten, bei der es sich vermutlich um Methadon handelte. Methadon ist ein synthetisches Opioid, das auch in Substitutionsprogrammen für Heroinabhängige verwendet wird.
Auf Anweisung ihres Kontaktmannes habe sich die 17-Jährige mit dem Soldaten getroffen und ihm die Droge in Alkohol gemischt. Als der Mann das Bewusstsein verlor, soll sie die Wohnung verlassen haben. Die Minderjährige ist bereits wegen Drogendelikten und eines Verbrechens gegen die öffentliche Sicherheit vorbestraft. Die Ermittlungen in dem Fall dauern weiter an.
Russland rekrutiert Minderjährige für Sabotage und Spionage
Der Fall fügt sich in eine Entwicklung ein, vor der ukrainische Sicherheitsbehörden seit Monaten warnen. Russland rekrutiert demnach zunehmend Minderjährige für Sabotage, Spionage und andere verdeckte Operationen. Nach Angaben des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU waren 21 Prozent der 2025 festgenommenen mutmasslichen Kollaborateure Jugendliche.
Eine Recherche der «Financial Times» zeigt, wie systematisch die Anwerbung inzwischen erfolgt. Demnach werden junge Menschen über Telegram, Tiktok, Discord oder Online-Spiele kontaktiert. Die Rekrutierer versprechen Geld, häufig in Kryptowährungen, und tarnen ihre Aufträge als Spiel, Herausforderung oder einfache Botengänge. Dabei sind demnach nicht nur russische Agenten aktiv, sondern auch solche aus dem Iran.
Jugendliche als «Einweg-Agenten»
Besonders häufig werden solche Fälle jedoch in der Ukraine registriert. Dort sollen Jugendliche russischen Auftraggebern Informationen über Militärstandorte geliefert, Fahrzeuge angezündet oder Sprengsätze gebaut haben. Laut SBU wurden sogar Kinder im Alter von elf Jahren angeworben. Ermittler berichten zudem von Fällen, in denen Minderjährige bei Anschlägen selbst ums Leben kamen. Russische Auftraggeber bezeichneten solche Helfer demnach als «Einweg-Agenten».
Nach Einschätzung ukrainischer Behörden nutzt Russland gezielt die Anfälligkeit junger Menschen für Manipulation. Viele der Jugendlichen würden die Folgen ihres Handelns nicht vollständig überblicken. Gleichzeitig erschwert die Kommunikation über Messenger-Dienste und Gaming-Plattformen die Aufklärung solcher Fälle.
Inzwischen beobachten Sicherheitsbehörden ähnliche Entwicklungen auch ausserhalb der Ukraine. In Polen, Litauen, Lettland, den Niederlanden und Grossbritannien wurden Jugendliche wegen mutmasslicher Sabotage-, Spionage- oder Brandstiftungsdelikte festgenommen. Europäische Ermittler befürchten, dass sich eine in der Ukraine entwickelte Methode hybrider Kriegsführung zunehmend auf andere Länder ausbreitet.

