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Streit eskaliert: Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

ARCHIV - 15.12.2025, Berlin: Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Pr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.Bild: DPA

Streit eskaliert: Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

21.06.2026, 15:4521.06.2026, 15:45

Zwischen Warschau und Kiew ist ein Streit über die Geschichte ukrainischer Nationalisten eskaliert – nun hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die ihm 2023 verliehene höchste polnische Staatsauszeichnung per Post zurückgeschickt. Er verstehe, dass der «Orden des Weissen Adlers» eine besondere Ehrung darstelle, schrieb Selenskyj dazu auf X. «Es ist ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen.» Eine Reihe früherer Präsidenten verzichtete aus Protest ebenfalls auf den Orden.

Hintergrund ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, Selenskyj in einem Streit um Geschichte beider Länder im Zweiten Weltkrieg den Orden abzuerkennen. «Wir hatten damals geglaubt, dass der 2023 verliehene »Orden des Weissen Adlers« dem ukrainischen Volk und der Armee galt», schrieb Selenskyj. Nun eskalierte ein alter Geschichtsstreit.

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Der polnische Präsident Karol Nawrocki.Bild: keystone

Selenskyj hatte den Konflikt Ende Mai ausgelöst, als er einer Armee-Einheit den Beinamen «Helden der UPA» verlieh. Die Entscheidung führte zu Protest in der Ukraine. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten aber Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt.

Kiew weiter offen für Zusammenarbeit mit Warschau

«Heute habe ich den Orden dem polnischen Präsidenten zurückgeschickt», sagte Selenskyj. Er und ukrainische Medien posteten Fotos aus der Poststelle des Präsidialamts in Kiew, die den verpackten und an Nawrocki adressierten Orden zeigen. «Wenn daher die Ansicht besteht, dass dieses besondere Symbol bei (Zarin) Katharina II., bei (Italiens Diktator) Benito Mussolini und (Ex-Bundeskanzler) Gerhard Schröder verbleiben darf, dann haben wir dem in der Ukraine nichts entgegenzusetzen», schrieb Selenskyj weiter.

Er zeigte sich zugleich versöhnlich. Die Ukraine werde weiterhin offen sein «für alle sinnvollen Formate der Zusammenarbeit», um widersprüchliche Auslegungen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden.

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Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda.Bild: keystone

Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kiew zu unterstreichen. Der polnische Präsident hatte in einer Erklärung beteuert, die Aberkennung sei «nicht gegen die ukrainische Nation gerichtet» und ändere nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik.

Streit spielt Moskau in die Hände

Führende Politiker der Ukraine und ehemalige Präsidenten erklärten aus Solidarität mit Selenskyj ebenfalls ihren Verzicht auf die ihnen verliehenen staatlichen Auszeichnungen. Er gebe das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen zurück, mit dem er im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden sei, schrieb der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow bei Telegram. Er sprach von einer unfreundlichen Geste Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk.

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Ukraines Aussenminister Andrij Sybiha.Bild: keystone

«Das ist zweifellos ein Geschenk für den Moskauer Aggressor, der das bestimmt gegen unsere beiden Länder benutzen wird», meint Budanow. Tatsächlich schaut die russische Führung mit Genugtuung auf den Streit, weil sie sich in ihrer Kritik an ukrainischen Nationalisten nun auch von polnischer Seite bestätigt sieht.

Auch der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha kündigte die Rückgabe seiner Auszeichnung an. «Die Entscheidung, dem ukrainischen Präsidenten den »Orden des Weissen Adlers« zu entziehen, ist ein strategischer Fehler des Präsidenten Polens, von dem nur Moskau einen Gewinn hat», meinte der Minister bei Facebook.

Weitere Ukrainer verzichten auf polnische Auszeichnung

Aus Protest gegen die Entscheidung Nawrockis verzichteten frühere ukrainische Staatschefs auf die Ehrung. Ex-Präsident Leonid Kutschma (1994-2005) erklärte nach Medienberichten seinen Verzicht auf den Orden des Weissen Adlers, den er 1997 erhalten hatte. Er gab sich überzeugt, dass dieser «unfreundliche Schritt» von Präsident Nawrocki die Freundschaft der beiden Länder nicht zunichtemachen könne.

Auch Ex-Staatschef Viktor Juschtschenko (2005-2010) kündigte an, er wolle auf die Auszeichnung verzichten. Der Reihe schloss sich auch Petro Poroschenko (2014-2019) an, der die Entscheidung Nawrockis als «falsch und gegenüber dem ukrainischen Volk für ungerecht» bezeichnete.

Streit überschattet Wiederaufbaukonferenz in Danzig

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte Nawrocki und Selenskyj am Freitag zur Mässigung aufgerufen. «Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freut (Kremlchef Wladimir) Putin und schockiert unsere Verbündeten», schrieb er bei X. Der Streit eskaliert wenige Tage vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in Polen.

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Zu der Konferenz wird auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet.Bild: keystone

Das Nachrichtenportal Onet.pl warf die Frage auf, ob Selenskyj seine persönliche Teilnahme an der Ukraine-Wiederaufbau-Konferenz in Danzig am 25. und 26. Juni absagen könnte. Dem Aussenministerium in Warschau liege bisher noch eine Teilnahmebestätigung Selenskyjs vor, berichtete das Portal. Zu der Konferenz wird auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet.

Geschichte belastet Verhältnis zwischen Warschau und Kiew

Die Massaker an polnischen Zivilisten in der einst polnischen und heute ukrainischen Region Wolhynien im Zweiten Weltkrieg belasten das Verhältnis beider Staaten seit langem. Die nationalistische Ukrainische Aufstandsarmee UPA ermordete den Jahren 1943 bis 1945 bis zu 100'000 polnische Männer, Frauen und Kinder.

Sie hofften, durch einen Aufstand gegen die deutschen Besatzer und die Beseitigung der polnischen Zivilbevölkerung den ukrainischen Anspruch auf das Gebiet zu untermauern. Die Ukraine hatte zwar Grabungen zugelassen, um nach diesen polnischen Opfern zu suchen. Der Prozess kommt aber nur stockend voran. (sda/dpa)

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