International
Homosexualität

Papst weist Kritik an Segnungen homosexueller Paare zurück

Pope Francis delivers his blessing as he recites the Angelus noon prayer from the window of his studio overlooking St.Peter's Square, at the Vatican, Monday, Jan. 1, 2024. (AP Photo/Andrew Medich ...
Der Papst bei einem Segen am 1. Januar.Bild: keystone

Papst weist Kritik an Segnungen homosexueller Paare zurück

04.01.2024, 14:2804.01.2024, 14:28

Papst Franziskus hat teils harsche Kritik an seinen neuen Leitlinien zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zurückweisen lassen.

Das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlichte dazu am Donnerstag in Rom eine weitere Erklärung. Darin wird abermals betont, dass solche Segnungen keinesfalls mit einem kirchlichen Segen bei einer Hochzeit zwischen Frau und Mann gleichzustellen seien.

Der Vatikan will den katholischen Kirchen in den verschiedenen Weltregionen zudem einigen Spielraum lassen, wie und wann die Leitlinien angewendet werden.

Als Oberhaupt von mehr als 1,4 Milliarden Katholiken hatte Franziskus kurz vor Weihnachten überraschend erlaubt, dass katholische Priester im Grundsatz «Paaren in irregulären Situationen und gleichgeschlechtlichen Paaren» ihren Segen geben dürfen – allerdings nur unter strikten Bedingungen.

Aus Deutschland gab es für die Erklärung «Fiducia supplicans» (in etwa: «Flehendes Vertrauen») überwiegend Lob, auch wenn vielen eher liberalen Katholiken die Erklärung nicht weit genug geht.

Aus anderen Staaten – insbesondere aus Afrika, wo Homosexualität vielerorts noch unter Strafe steht – kam jedoch massive Kritik. Der kenianische Bischof Paul Kariuki zürnte, Franziskus habe «eine gefährliche Tür geöffnet».

Auch in Uganda, Malawi, Nigeria, Südafrika und Sambia lehnten die örtlichen Bischofskonferenzen das Papier ab. Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller sprach sogar von «Blasphemie», von Gotteslästerung.

Das Dikasterium für die Glaubenslehre wehrte sich nun gegen solche Kritik. Die Erklärung biete «keinen Rahmen, um ihr gegenüber lehrmässig auf Distanz zu gehen oder sie als häretisch, der kirchlichen Tradition zuwiderlaufend oder blasphemisch zu betrachten».

FILE - Monsignor Victor Manuel Fernandez, archbishop of La Plata, smiles after a Mass at the Cathedral in La Plata, Argentina, Sunday, July 9, 2023. When Pope Francis made the first foreign trip of hi ...
Kardinal Fernández, Leiter des Dikasteriums für die Glaubenslehre.Bild: keystone

Zugleich betonte der Vatikan aber auch, dass mit solchen Segnungen Verbindungen ausserhalb der Ehe weder gebilligt noch gerechtfertigt würden. Dies betrifft neben gleichgeschlechtlichen Paaren auch Beziehungen, in denen ein oder beide Partner eine Scheidung hinter sich haben.

Ebenso wie die Erklärung an sich wurden auch die Erläuterungen von Kardinalpräfekt Victor Manuel Fernández verfasst. Der Leiter des Dikasteriums für die Glaubenslehre, der wie der Papst aus Argentinien kommt, verwies ausdrücklich auf regionale Besonderheiten.

Wörtlich heisst es: «An einigen Orten steht einer sofortigen Anwendung nichts entgegen, während es an anderen notwendig erscheint, nichts zu erneuern und sich so viel Zeit wie nötig für die Lektüre und Auslegung der Erklärung zu nehmen.» Die Entscheidung liege beim Bischof vor Ort.

Abermals betonte der Vatikan den Unterschied zu Hochzeiten zwischen Frau und Mann und anderen Formen des rituellen Segens. Dazu gehöre insbesondere, dass solche Segnungen nur ausserhalb von Kirchen stattfinden und wenige Sekunden lang sein dürfen. Als angemessener Zeitraum werden «10 bis 15 Sekunden» genannt.

Als Beispiel für einen Segenstext wird angeführt: «Herr, schau auf diese deine Kinder. Gib ihnen Gesundheit, Arbeit, Frieden und gegenseitige Hilfe. Befreie sie von allem, was deinem Evangelium widerspricht, und gib ihnen, dass sie nach deinem Willen leben. Amen.» (rbu/sda/dpa)

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