International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08122611 Iranian hardliners burn British and Israeli flags during a protest in front of the British embassy, in Tehran, Iran, 12 January 2020. According to reports, hundreds of Iranian hardliners gathered for a protest against Britain, a day after the UK ambassador to Iran Robert Macaire was detained after attending a a vigil for the victims of Ukraine passenger jet.  EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Die Demonstranten in Teheran empörten sich über das Eingeständnis der iranischen Staatsführung, doch für den Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs verantwortlich zu sein Bild: EPA

Hunderte protestieren im Iran gegen die Führung des Landes



Nach dem irrtümlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs im Iran haben Hunderte Menschen gegen die Führung der Islamischen Republik protestiert. Unterstützung bekamen die Demonstranten von US-Präsident Donald Trump, der ihren Mut lobte und den Beistand Amerikas zusicherte.

Am Rande der regierungskritischen Proteste am Samstagabend in Teheran wurde der britische Botschafter kurzzeitig festgesetzt. Die Regierung in London rügte dies als «ungeheuerliche Verletzung internationalen Rechts». Auch die EU äusserte sich deswegen besorgt und rief zur Deeskalation auf. Botschafter geniessen im Gastland Immunität - damit sind sie vor straf- und zivilrechtlicher Verfolgung geschützt.

epa08122788 Iranian hardliners gather in front of the British embassy during an anti-Britain protest, in Tehran, Iran, 12 January 2020. According to reports, hundreds of Iranian hardliners gathered for a protest against Britain, a day after the UK ambassador to Iran Robert Macaire was detained after attending a a vigil for the victims of Ukraine passenger jet.  EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Bild: EPA

Die Demonstranten in Teheran empörten sich über das Eingeständnis der iranischen Staatsführung, doch für den Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs verantwortlich zu sein. Zuvor hatten die Behörden das tagelang abgestritten und von einem technischen Defekt als Ursache gesprochen. Bei dem Abschuss starben 176 Menschen, darunter nach Angaben Teherans 147, die auch die iranische Staatsbürgerschaft hatten.

«Unverzeihlicher Vorfall»

Die Revolutionsgarden erklärten, die Maschine sei versehentlich als feindlicher Marschflugkörper eingestuft und dann abgeschossen worden. Präsident Hassan Ruhani versprach eine gründliche Untersuchung und sagte, der «unverzeihliche Vorfall» werde juristisch konsequent verfolgt. Zudem sollten die Familien der Opfer entschädigt werden.

Ähnlich äusserte sich der oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, der sein tiefstes Mitgefühl ausdrückte und eine lückenlose Aufklärung forderte. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj nahm eine offizielle Entschuldigung Ruhanis an und kündigte an, Entschädigungsforderungen zu übersenden.

Die Lage war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Ghassem Soleimani Anfang Januar in Bagdad gezielt getötet hatten. Nach dem Vergeltungsangriff des Irans auf von den USA genutzte Militärstützpunkte im Irak hatten Trump und Ruhani angekündigt, den Konflikt auf die politische Ebene zurückführen zu wollen.

Halbe Stunde lang festgesetzt

Der britische Botschafter Rob Macaire wurde am Samstagabend eine halbe Stunde lang festgesetzt, wie er auf Twitter schrieb. Zuvor habe er an einer Trauerkundgebung für die Absturzopfer teilgenommen, unter denen auch Briten waren. Die Veranstaltung verliess er aber nach eigenen Angaben nach fünf Minuten, als Parolen gerufen wurden. Er habe nicht an einer Demonstration teilgenommen, betonte er.

Die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete dagegen, Macaire habe vor der Universität Amir Kabir Demonstranten animiert, «radikale Aktionen» durchzuführen. Er wurde deshalb am Sonntag ins Aussenministerium einbestellt.

Rob Macaire wurde dabei mitgeteilt, dass seine Teilnahme an einer «illegalen Kundgebung» gegen die diplomatischen Vorschriften verstossen habe. Die Teilnahme habe nichts mit seinen Verpflichtungen als Vertreter seines Landes zu tun gehabt, erklärte das Aussenministerium dem Diplomaten laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Der britische Aussenminister Dominic Raab schrieb dagegen von einer grundlosen und unbegründeten Festnahme. Auch die deutsche Regierung rügte die Festsetzung des Botschafters als «völlig inakzeptablen Verstoss gegen internationales Recht». Frankreich sprach seine uneingeschränkte Solidarität aus.

Trump: «Die Welt sieht zu»

US-Präsident Trump schickte inhaltsgleiche Twitter-Nachrichten auf Englisch und auf Persisch an das «tapfere, leidgeprüfte» iranische Volk. «Ich stehe seit Beginn meiner Präsidentschaft an Ihrer Seite, und meine Regierung wird Ihnen auch weiterhin zur Seite stehen», schrieb er an die Demonstranten. «Wir verfolgen Ihre Proteste aufmerksam und lassen uns von Ihrem Mut inspirieren.»

In einem weiteren Tweet forderte Trump, die iranische Regierung müsse Menschenrechtsorganisationen erlauben, die anhaltenden Proteste zu beobachten und darüber zu berichten. «Es kann weder ein weiteres Massaker an friedlichen Demonstranten noch eine Abschaltung des Internets geben. Die Welt sieht zu.»

Keine Atomwaffen

Im Atomkonflikt des Irans mit den USA wollen Deutschland und Russland trotz der jüngsten Rückschläge an dem Abkommen von 2015 festhalten. Beide Länder seien dafür, diese Vereinbarung weiter umzusetzen, sagte Kremlchef Wladimir Putin nach einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel in Moskau. Merkel betonte, alle diplomatischen Kanäle müssten genutzt werden. Ziel sei, dass der Iran keine Atomwaffen bekomme.

Putin erinnerte daran, dass es der Ausstieg der USA war, der dazu geführt habe, dass der Iran seine freiwilligen Verpflichtungen aus dem Abkommen ausgesetzt habe. Der Iran hatte vor wenigen Tagen angekündigt, keine Beschränkungen für die Anzahl und Modelle seiner Zentrifugen mehr zu beachten. Damit kann das Land sein Atomprogramm nun unbegrenzt weiterführen und auch Uran unlimitiert anreichern.

In dem Atomabkommen mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland hatte sich der Iran verpflichtet, sein Nuklearprogramm so zu gestalten, dass das Land keine Atombomben bauen kann. Im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. Die USA verhängten nach ihrem Ausstieg aus dem Abkommen massive Sanktionen gegen Teheran. (sda/dpa)

Absturz einer ukrainischen Boeing 737 in Teheran

Iraner trauern um ihren General

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Royeti 12.01.2020 21:47
    Highlight Highlight Ob ich irgendwann mal ein freies, demokratisches, friedvolles und prosperierendes IRAN erleben werde? Ich weiss es nicht, hoffe es aber!
    Dafür muss aber erst mal das Mullah Regime weg.....
    • Ueli der Knecht 13.01.2020 21:03
      Highlight Highlight Ich hoffe mit dir, Royeti! ;/

      Ich bin nicht so sicher, dass das Mullah-Regime weg muss. Eher die kriminellen Revolutionsgardisten, welche die Mullahs in ihrer Hand haben.

      Mir scheint, dass zZ. viele in Qom ausgebildete Nachwuchs-Kräfte den regierenden Mullahs eine Abkehr vom Glauben vorwerfen. Solche "Rechtsgelehrte" schaden dem Land nicht, sondern bringen es weiter.

      Daher dürfen m.E. die Mullahs bleiben. Auch die von Khomeini jnstallierte Verfassung. Sie sollen aber Parlament und Regierung die Macht überlassen, eher nur moralische Stütze sein, und ohne Not keinen Einfluss nehmen.
  • Petoman 12.01.2020 20:49
    Highlight Highlight Erinnert ein bisschen an „Operation Ajax“...
  • Do not lie to mE 12.01.2020 19:05
    Highlight Highlight Iranische Studenten weigern sich, über die amerikanische und israelische Flagge zu laufen und chanten "Schamlos" zu den provozierend Regimeschurken auf den Flaggen und fordern einen Regimewechsel
    Play Icon
    • Ueli der Knecht 13.01.2020 21:13
      Highlight Highlight World War 3 News hat immerhin schon
      25 Abonnenten und rund 7'000 Views.

      Die meisten Iraner respektieren alle Flaggen der Welt, Do not lie to mE. Aber so wie es hier in der Schweiz rechtsradikale Leute gibt, gibt es auch im Iran Fantatiker.

      Dich zähle ich auch zu diesen Fanatikern. Wärst du im Iran geboren und würdest du im Iran leben, dann würdest du amerikanische und israelische Flaggen verbrennen. Insofern sehe ich keine grossen Unterschiede zwischen den hiesigen Leitkultur-Patriotisch-Orientierten-Fehlentwicklugen und den dortigen Fanatikern. Charakterlich seid ihr aus dem gleichen Holz.
  • Glenn Quagmire 12.01.2020 18:09
    Highlight Highlight Bestellen die ihre Fahnen jeweils im Internet? Die brauchen ja mehrere Schiffscontainer pro Jahr.

    Eventuell eröffne ich im Nahen Osten einige Läden und verkaufe Fahnen und Feuerzeuge.
    Benutzer Bildabspielen
  • Clife 12.01.2020 17:08
    Highlight Highlight Hunderte ist eine enorme Minderheit. Ich glaube die demonstrieren eher gegen einen Krieg als gegen die Regierung.
    • Do not lie to mE 12.01.2020 17:33
      Highlight Highlight @ Clife bitte schauen Sie auf Twitter "#IranProtests"
      Protestors are chanting "Death to the dictator”
      People are chanting: the mullahs must leave Iran. "We do not want the Islamic Republic."
      They’re chanting: “Shame on Khamenei”

      Wir müssen die friedliche Revolution unterstützen und das iranisch Volk von der Unterjochung befreien. Eine Religion hat keine Gesetze zu bestimmen. Eine Religion hat keine Menschen im Namen eines Gottes zu ermorden, verstümmeln oder auszupeitschen. Eine Religion hat nicht das Recht Frauen, Homosexualität oder Ungläubige zu unterdrücken oder zu ermorden.
      "Free Iran"
    • Silent_Revolution 12.01.2020 19:11
      Highlight Highlight "Wir müssen die friedliche Revolution unterstützen und das iranische Volk von der Unterjochung befreien"

      "Eine Religion hat nicht das Recht Frauen, Homosexualität oder Ungläubige zu unterdrücken oder zu ermorden."

      Komischerweise wird dieselbe Religion unter weit brutalerer Autorität andernorts von uns massiv unterstützt.

      Das ist einfach nur Kriegspropaganda auf tiefstem Niveau und soll aufs Neue darstellen, dass der Westen bestrebt sei, das von der angeblichen Unterdrückung gezeichnete Volk vom bösen Herrscher zu befreien.

      Alles was wir befreien werden, ist die nächste Öllieferung.
    • Do not lie to mE 12.01.2020 20:05
      Highlight Highlight 1) Im Gegensatz zu Ihnen, vermute ich, dass Sie noch nie von Ueli als rechtsextremer, islamophobe und Hetzer verunglimpft wurden (Verbot des politischen Islams), als SA Kriegspropagandist muss ich gestehen ist neu. Aber Sie haben durchaus Recht, SA ist eine „brutale Autorität“ wobei die Ideologie die genau gleiche ist und ich nicht abwägen möchte welches Terror Regime das schlimmer ist.
    Weitere Antworten anzeigen

Die Stunde der starken Männer: So nutzen Staatschefs die Krise für ihre Zwecke

In der Coronakrise greifen Regierungschefs zu Kriegsrhetorik und bauen ihre Macht aus. Auf die Spitze treibt es der Ungar Viktor Orban.

Die Coronakrise verschiebt die Macht zur Exekutive. Handeln statt Diskutieren, lautet das Gebot der Stunde. In etlichen europäischen Ländern haben die Regierungen deshalb den Ausnahmezustand ausgerufen und Gesetze im Eiltempo erlassen. Die Gewaltenteilung ist eingeschränkt, Parlamente können ihre Kontrollfunktion nicht mehr ausüben.

Doch nirgends nimmt sich die Regierung so viel heraus wie in Ungarn. Mit Hilfe seiner Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedete Ministerpräsident Viktor Orban am Montag …

Artikel lesen
Link zum Artikel