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Iran

Heftige Angriffe, mögliche Bodenoffensive, Hormus – die Lage im Iran

Heftige Angriffe, mögliche Bodenoffensive, Strasse von Hormus – die Lage im Iran-Krieg

29.03.2026, 21:4129.03.2026, 21:53

Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen Israel und der Iran ihre heftigen gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, darunter Produktionsstätten von Raketen und Drohnen, hiess es.

Das in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA schrieb, die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn gewesen.

Huthi mit in den Krieg eingetreten

Der Iran setzte derweil seine Raketenangriffe auf Israel fort. Ein Angriff galt nach Medienberichten der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. In dem Ort hatte es bei einem Angriff vor einer Woche Dutzende Verletzte und verheerende Zerstörungen in einem Wohngebiet gegeben. Auch im Grossraum Tel Aviv sowie in Jerusalem gab es Raketenalarm. Auf Israels Norden flogen neben Raketen aus dem Iran erneut auch Geschosse aus dem Libanon.

Zudem hatten die Huthi-Miliz im Jemen Israel nach ihrem Eintritt in den Krieg an der Seite Teherans am Samstag innerhalb kurzer Zeit zweimal angegriffen – mit insgesamt drei Raketen und einer Drohne.

Pakistan bemüht sich um Deeskalation

Derweil kamen auf Einladung Pakistans die Aussenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie wollten dort über eine mögliche Deeskalation des Krieges beraten. Pakistan teilt sich eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten als Vermittler für eine mögliche Beendigung des Krieges angeboten.

Die Aussenminister sollten auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif treffen. Dieser hatte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Irans Präsidenten Massud Peseschkian «Pakistans starke Verurteilung der anhaltenden Angriffe Israels auf den Iran» bekräftigt. Zudem habe er ihn über Pakistans Bemühungen informiert, mit den USA, befreundeten Golfstaaten und weiteren islamischen Ländern einen Dialog und eine Deeskalation zu erleichtern. So tauscht Islamabad Botschaften zwischen den USA und dem Iran aus.

Bald Gespräche in Islamabad?

Der pakistanische Aussenminister, Ishaq Dar, teilte mit: «Pakistan wird es als Ehre empfinden, in den kommenden Tagen bedeutsame Gespräche zwischen den beiden Seiten auszurichten und zu ermöglichen, um eine umfassende und dauerhafte Beilegung des andauernden Konflikts zu erreichen.»

Pakistan sei sehr erfreut darüber, dass sowohl der Iran als auch die USA ihr Vertrauen in Pakistan als Vermittler bei diesen Gesprächen zum Ausdruck gebracht hätten. Auch China unterstütze uneingeschränkt Pakistans Initiative, Gespräche zwischen dem Iran und den USA zu veranstalten, hiess es weiter.

Nach Aussagen von Bundesaussenminister Johann Wadephul gibt es Vorbereitungen für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans. Auch Wadephul nannte im Deutschlandfunk Pakistan als möglichen Ort für die Gespräche. Er sprach von «ersten Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht».

Iran lässt pakistanische Schiffe durch Strasse von Hormus

Der Iran lockerte für pakistanische Schiffe seine Blockade der für die Energieversorgung wichtigen Strasse von Hormus. Der Schritt wurde von Beobachtern als vertrauensbildende Massnahme im Rahmen der Vermittlungen zur Deeskalation im Nahen Osten gesehen. Seit Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf das Land vor vier Wochen blockiert der Iran die Meerenge, über die grosse Teile des Öl- und Gastransports laufen. Die Preise für diese Energieträger sind in der Folge stark gestiegen.

Weitere US-Marines im Nahen Osten – Pläne für Bodenoffensive

Die Ankunft weiterer US-Marinekräfte mit dem amphibischen Angriffsschiff «USS Tripoli» im Nahen Osten hatte Spekulationen über einen zeitnahen Bodeneinsatz angefacht. US-Aussenminister Marco Rubio sagte nach den jüngsten G7-Gesprächen zwar, die eigenen Kriegsziele könnten ohne Bodentruppen erreicht werden. Kategorisch ausschliessen wollte er deren Einsatz aber nicht.

US-Medienberichten zufolge hat das US-Militär bereits Pläne für einen möglichen Einsatz am Boden vorbereitet. Er soll kombinierte Einsätze von Truppen der regulären Infanterie und Spezialeinheiten vorsehen, jedoch nicht als vollständige Invasion angelegt sein, wie die «Washington Post» unter Berufung auf US-Beamte berichtete. Für einen solchen Einsatz wären demnach mehrere Wochen eingeplant. Ob US-Präsident Donald Trump vorhat, die Pläne abzusegnen, war unklar.

Das israelische Militär will nach Darstellung eines Sprechers die iranische Waffenproduktion «in wenigen Tagen» weitgehend zerstört haben. Die Streitkräfte würden in diesem Zeitraum «die Angriffe auf alle wichtigen Komponenten der (iranischen) Militärindustrie abschliessen», sagte Armeesprecher Effie Defrin am Samstagabend. «Das bedeutet, dass wir den Grossteil der militärischen Produktionskapazitäten zerstören haben werden.»

Erneut Angriffe auf Golfstaaten

Unterdessen dauern die iranischen Gegenangriffe auch in anderen Ländern der Region an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden, darunter nach Angriffen auf ein Metallwerk in Abu Dhabi, bei dem es nach offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue Angriffe. In Kuwait zielten einige davon nach offiziellen Angaben auf das Umfeld des internationalen Flughafens und verursachten erhebliche Schäden am Radarsystem. (sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Lohner
29.03.2026 21:49registriert August 2025
Mit einer Bodenoffensive im Iran würde Trump den grössten Fehler seiner Amtszeit machen. Das will doch etwas heissen, bei all den Fehlern die er schon gemacht hat.
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Steibocktschingg
29.03.2026 22:18registriert Januar 2018
Der orange Pädophile hat sich komplett verschätzt bei dem Krieg und ich sehe nicht, dass der einfach so abzieht, das wäre ja eine Niederlage eingestehen. Im Gegenteil, der wird einfach noch eine Schippe drauf legen und noch eine...
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Liebu
29.03.2026 22:08registriert Oktober 2020
Alles sehr fragil und unvorhersehbar.
Vor allem mit Taco als Feldherr.
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