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Eine verletzte palästinensische Frau wird von Helfern in Sicherheit gebracht.
Eine verletzte palästinensische Frau wird von Helfern in Sicherheit gebracht.Bild: keystone

Hunderte Verletzte bei Eskalation auf Tempelberg – Schweiz ruft zu Deeskalation auf

09.05.2021, 05:4709.05.2021, 14:18

Die Lage in Jerusalems Altstadt hat sich am Wochenende gefährlich zugespitzt: Bei heftigen Zusammenstössen mit israelischen Sicherheitskräften wurden seit Freitagabend nach Angaben von Sanitätern etwa 300 Palästinenser verletzt. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen wiederholten sich auch in der Nacht zum Sonntag. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Schweiz besorgt über Eskalation
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat sich besorgt über die Gewalteskalation in Jerusalem gezeigt. Es rief die Konfliktparteien zur Beilegung der Spannung auf. «Die Gewalteskalation im Nahen Osten, namentlich die Zusammenstösse auf dem Tempelberg in Jerusalem, die in den vergangenen Tagen zu zahlreichen Verletzten führten, ist sehr beunruhigend», schrieb das EDA am Sonntag in einer Mitteilung. Das Aussendepartement rief alle Parteien auf, sich unverzüglich für eine Entspannung der Lage einzusetzen und auf Provokationen zu verzichten. Die Vertreibung von palästinensischen Familien aus Scheich Dscharrah und weiteren Vierteln in Ost-Jerusalem sei nicht konform mit dem humanitären Völkerrecht und heize die Spannungen zusätzlich an.

Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Ein israelischer Polizeisprecher sagte am Sonntag, es sei sowohl am Damaskustor – einem der Eingänge zur Altstadt – als auch im Bereich des Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) zu Konfrontationen gekommen. Auf dem Tempelberg versammelten sich am Samstagabend mehr als 90'000 gläubige Muslime zum Feiertag Lailat al-Kadr (Nacht der Bestimmung). An dem Tag wurde nach der Überlieferung der Koran an den Propheten Mohammed übergeben.

Laut der Zeitung «Haaretz» war die Lage eskaliert, nachdem dort am Abend Zehntausende Muslime für das Samstagsgebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Al-Aksa-Moschee zusammengeströmt waren. Das sogenannte Nahost-Quartett aus USA, Russland, EU und Vereinten Nationen zeigte sich «tief besorgt» über die inzwischen «täglichen Auseinandersetzungen und Gewaltakte».

Die israelische Grenzpolizei im Einsatz.
Die israelische Grenzpolizei im Einsatz.Bild: keystone

Laut dem palästinensischen Rettungsdienst Roter Halbmond seien 64 Palästinenser – darunter mehrere Kinder – durch Polizeigewalt verletzt worden, hiess es bei «Haaretz». In Ost-Jerusalem kam es den Berichten zufolge zu ähnlichen Zusammenstössen, bei denen auch Barrikaden und Wachposten der Einsatzkräfte in Brand gesetzt wurden.

Bereits in der Nacht davor war die Lage rund um die Altstadt und das Viertel Scheich Dscharrah eskaliert, besonders brisant war die Situation auch hier am Tempelberg. Von mehr als 200 Verletzten war danach die Rede, die Polizei sprach von knapp 20 Sicherheitskräften, die im Einsatz verletzt worden seien.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von grösster Bedeutung, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind wütend, weil die israelische Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern. Ausserdem drohen einigen palästinensischen Familien Wohnungsräumungen durch israelische Behörden, was die Spannungen zusätzlich verschärft. Am Samstagabend wurde zudem erneut eine Rakete aus dem Gazastreifen über die Grenze nach Israel geschossen, woraufhin die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben einen militärischen Posten der islamistischen Hamas attackierte, die in dem abgeschotteten Küstengebiet herrscht.

«Wir sind alarmiert aufgrund der provokanten Stellungnahmen mancher politischer Gruppen, der Attacken mit Raketen und Brandballons aus dem Gazastreifen auf Israel wie auch aufgrund der Angriffe auf palästinensisches Ackerland im Westjordanland», hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung der Gesandten des Nahost-Quartetts. Auch die Zwangsräumungen seien «sehr besorgniserregend». Die israelische Seite solle während des Ramadans besondere Zurückhaltung walten lassen und «alle Schritte vermeiden, die die Lage weiter eskalieren könnten».

Israel hatte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und treibt dort seitdem Siedlungsprojekte voran. Die Palästinenser fordern die Gebiete hingegen für einen eigenen Staat – mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die EU vertritt wie zahlreiche andere internationale Akteure die Auffassung, dass die israelischen Siedlungen nach dem Völkerrecht illegal sind und ein Hindernis für den Frieden darstellen. (sda/dpa)

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Proteste nach US-Botschafts-Eröffnung in Jerusalem
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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno S.1988
09.05.2021 11:30registriert Juli 2016
Man zeigt sich tief besorgt. Das ist unsere Version von "thoughts and prayers".
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Unicron
09.05.2021 13:00registriert November 2016
Religionen....
Die schlagen sich die Köpfe ein weil sie jeweils an ein anderes übermächtiges Wesen glauben.
Ersetzt Judentum mit "Marvel" und Islam mit "DC" und es wird einem klar wie sinnlos das ganze ist.
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Donny Drumpf
09.05.2021 09:38registriert November 2019
Laut dem Koran ist Jerusalem gar nicht so heilig, viel mehr verehrte Mohammed bevor er durchdrehte die Juden und die Menschen des Buches. Mekka und Medina sind heilige Stätten, bei Jerusalem geht es viel mehr um Macht. Davon ausgehend, dass viele radiale Islamisten im nahen Osten Israel von der Karte getilgt haben möchten, gibt es kaum eine grössere genugtuung als auf den Grundmauern des "feindlichen" Tempels ein Heiligtum zu errichten.
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