Nach brisanten Berichten: Netanjahu besuchte emiratischen Präsidenten
Nach der Veröffentlichung brisanter Berichte zum Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den emiratischen Präsidenten besucht. Netanjahu sei am Sonntag auf Einladung von Präsident Mohammed bin Sajid in die Emirate gereist, teilte sein Büro mit.
Auch die emiratische Staatsagentur WAM berichtete von dem Treffen in dem Golfstaat. Es ist das erste Mal, dass eine Reise Netanjahus in die Emirate dort offiziell bestätigt wird. Berichte über solche Besuche gab aber auch vorher schon. Die Emirate hatten Israel 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens anerkannt und haben seitdem die Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Wirtschaft und Verteidigung verstärkt.
Bericht: Netanjahu unternahm nichts – trotz Warnung
Brisant ist nun der Zeitpunkt des Besuchs: Er folgt auf die Veröffentlichung von Medienberichten, nach denen Ägypten und auch der emiratische Präsident persönlich Netanjahu vor einem bevorstehenden Hamas-Angriff gewarnt haben sollen. Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete, Netanjahu habe trotz der Warnung Mohammeds bei einem 45 Minuten langen Telefonat nichts unternommen. Netanjahus Büro hat den Bericht dementiert und eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung angekündigt.
Die US-Nachrichtenagentur AP und ein israelischer Journalist berichteten, Netanjahus Besuch in den Emiraten habe sich auch um diese Berichte gedreht. Demnach soll Netanjahu versucht haben, den emiratischen Präsidenten zu einem öffentlichen Dementi des «Haaretz»-Berichts zu bewegen, was dieser abgelehnt habe.
Druck auf Netanjahu vor Parlamentswahl steigt
Auch diese Darstellung wies Netanjahus Büro als falsch zurück. Es handle sich um «Fake News» – der Besuch habe sich nur um die Stärkung der Beziehungen beider Länder und Herausforderungen in der Region gedreht.
Netanjahu steht wegen der anstehenden Parlamentswahl in Israel unter Druck. Der Regierungschef hat die Berichte als «Teil des Wahlkampfs der Linken» dargestellt. Seine Kritiker werfen ihm hingegen vor, keine persönliche Verantwortung für das Massaker vor fast drei Jahren übernommen zu haben. (hkl/sda/dpa)
