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FILE - This Oct. 28, 1936 file photo shows Benito Mussolini, second from left, flanked by Nazis officers on the occasion of the celebration of the fourteenth anniversary of Italian Fascism. Not since Benito Mussolini’s ignominious fall after failed attempts at making Italy a colonial power that gave Hitler the upper hand in their axis, has the executed former dictator’s image carried such currency.  (AP Photo, File)

Benito Mussolini (2. von links) schwärmte schon 1936 von einer «Achse Berlin-Rom». Bild: AP/AP

Deutsche Kriegsverbrechen in Italien: Als Wehrmacht und SS in Fivizzano wüteten

Deutschland und Italien waren zunächst Verbündete im Zweiten Weltkrieg. 1943 besetzten Wehrmacht und SS schliesslich Teile des Landes. Und begingen Gräueltaten an Zivilisten und Kriegsgefangenen.

Marc Lüpke / t-online



Die Zahl Fünf geht am 24. März 1944 als tödliche Ziffer in die Geschichte Italiens ein. Immer wieder führten SS-Leute an diesem Tag kleine Gruppen von italienischen Männern in die Ardeatinischen Höhlen im Süden der Hauptstadt Rom – zu jeweils fünf Personen. Im Inneren mussten sich die gefesselten Männer hinknien, dann schossen ihnen die SS-Leute ins Genick.

Stundenlang zog sich das Töten hin, am Ende waren 335 Italiener tot. Die Deutschen nannten es Vergeltung für einen vorangegangenen Anschlag auf die Besatzungsmacht, die Römer bezeichneten es wahrheitsgemäss als Massaker.

Es ist die bis heute bekannteste Bluttat, die Wehrmacht und SS während des Zweiten Weltkriegs in Italien begangen haben. Aber bei Weitem nicht die einzige.

«Schweine- und Lumpenvolk»

Als Verbündete kämpften das Deutsche Reich und Italien zunächst im Zweiten Weltkrieg, bereits 1936 hatte der italienische Diktator Benito Mussolini von der «Achse Berlin-Rom» geschwärmt. Genau wie Deutschlands Despot Adolf Hitler träumte Mussolini von einem grossitalienischen Herrschaftsbereich, einem Imperium, das wie das nationalsozialistische Reich durch Krieg und Zerstörung errichtet werden sollte.

FILE - File photo dated Sept. 28, 1938 showing Italian dictator Benito Mussolini, at left in foreground, and  Nazi leader Adolf Hitler, at right, taken just before the four power conference in Munich, Germany. As a gesture of friendship, Hitler met  Mussolini with his car at the Italo-German frontier. Benito Mussolini was a fierce anti-Semite, who proudly said that his hatred for Jews preceded Adolf Hitler's and vowed to

Mussolini und Hitler in München 1938. Bild: AP

Dieser Traum scheiterte im Juli 1943. Alliierte Truppen landeten auf Sizilien, Mussolini wurde vom Grossen Faschistischen Rat entmachtet. Am 8. September, fünf Tage nachdem britische Truppen einen Brückenkopf auf dem italienischen Festland errichtet hatten, verkündete dann sein Nachfolger Pietro Badoglio einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Später erklärte Italien dem Deutschen Reich den Krieg.

Die auf dem italienischen Festland verstärkten Truppen der Wehrmacht besetzten daraufhin Rom, Mussolini errichtete von Hitlers Gnaden ein Marionettenregime, derweil die Deutschen mit der Entwaffnung der italienischen Armee begannen. Das Bild der deutschen Landser von ihren einstigen Waffenkameraden hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst gewandelt. Als «Verräter», als «Schweine- und Lumpenvolk» bezeichneten sie die Italiener teils, «fast so schlimm wie die Juden».

Massaker im Ionischen Meer

Mit gnadenloser Härte gingen die Deutschen daraufhin oftmals gegen die italienischen Soldaten vor. Auf der griechischen Insel Kefalonia, von deutschen wie italienischen Truppen besetzt, gerieten beide Seiten im September 1943 in Kampfhandlungen. «Wegen des gemeinen und verräterischen Verhaltens auf Kephalonia keine ital. Gefangenen machen zu lassen», ordnete das Oberkommando der Wehrmacht an. Ein klares Kriegsverbrechen.

Zu Tausenden massakrierten deutsche Soldaten in der Folge wehrlose Italiener, die die Waffen gestreckt hatten. «Alles, was vor die Mündung kommt, wird umgelegt», schrieb ein Landser in sein Tagebuch. Auch Antonio Gandin, der italienische Befehlshaber auf Kefalonia, der einst von den Deutschen mit dem Eisernen Kreuz dekoriert worden war, überlebte das Morden mit mehr als 5'000 seiner Männer nicht.

Es ist nur ein Beispiel für derartige Verbrechen durch Deutsche an den Soldaten des einstigen Verbündeten.

Einer Gruppe von etwa 600'000 anderen italienischen Soldaten war von Hitler ein anderes Schicksal zugedacht. Ihnen wurde nicht der Status als Kriegsgefangene zugestanden, stattdessen wurden sie als «Militärinternierte» vor allem nach Deutschland gebracht. Und dort als Zwangsarbeiter missbraucht. Tausende starben.

Entfesselte Gewalt

Auch in Italien selbst kam es zu einer Entgrenzung der Gewalt. Die Partisanenbewegung erhielt mehr und mehr Zulauf im Kampf gegen die Besatzer, diese griffen auf das brutalste Mittel zurück: den Terror gegen die Zivilbevölkerung. Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen ist so nur eines von vielen:

A photo of a young girl and a young boy, one from Italy and one from Germany, laying flowers on the remains of the steps of the altar of the church of San Martino - where Nazi troops burst in and shot the priest before herding dozens of women and children into the cemetery and killing them, Wednesday, 17 April 2002 as on the background German president Johannes Rau, Marzabotto mayor Andrea De Maria (with tricolour ribbon) and Italian president Carlo Azeglio Ciampi, pay homage to the victims of the

Kinder legen bei einer Gedenkfeier im Jahr 2002 in Marzabotto Blumen auf die Gräber. Bild: EPA

Die Liste liesse sich fortsetzen. So etwa mit der Gemeinde Fivizzano in der Toskana. Im August 1944 wütete der SS-Offizier Walter Reder mit Männern von der berüchtigten 16. SS-Panzergrenadier-Division in der Gegend. Die Einheit hatte bereits in Sant’Anna di Stazzema und Marzabotto gemordet. Reder ist ein Beispiel für die Brutalität der Deutschen einerseits, für die Gefühlskälte bei ihrem Vorgehen andererseits. So nahm Reder mit seinen Offizierskollegen am 19. August ein Mahl in einem Gasthaus in einem Dorf Fivizzanos zu sich, derweil seine Untergebenen die Bewohner der umliegenden Ortschaft drangsalierten. Nach Ende des Essens gab Reder den Befehl zur Ermordung der Wehrlosen.

Ungesühnte Schuld

Die nationalsozialistische Herrschaft in Italien endete endgültig erst am 2. Mai 1945. An diesem Tag stellten die dortigen deutschen Verbände die Kampfhandlungen ein. Die wenigsten Täter mussten sich in der Nachkriegszeit ihren Taten stellen.

Die Bundesrepublik Deutschland galt bald als wichtiger Verbündeter im Kalten Krieg, die Ahndung in Italien begangener Verbrechen galt als zweitrangig. Nur wenige Täter wie Walter Reder wurden belangt. 1994 kam es dann zum Skandal. In Rom wurde im Sitz der italienischen Militärjustiz der sogenannte Schrank der Schande entdeckt. Darin waren jahrzehntelang Akten zu deutschen Kriegsverbrechen unter Verschluss gehalten worden. Dies löste immerhin einige Prozesse aus.

(file) Former Nazi officer Erich Priebke (C) is escorted by paramilitary carabineers as he arrives in Rome's military court for his trial on war crimes charges, May 13. Photo: Massimo Capodanno (zu dpa:

Erich Priebke: Der ehemalige SS-Offizier wurde 1998 wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen verurteilt. Bild: epa ansa

Ebenso wichtig wie Gerechtigkeit ist es bis heute für viele Überlebende der begangenen Massaker, dass die Opfer nicht vergessen werden. Auch aus diesem Grund reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem 25. August nach Fivizzano. Als Aussenminister hatte er 2009 eine deutsch-italienische Historikerkommission zur Untersuchung der deutsch-italienischen Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. 

2012 waren die Ergebnisse publiziert worden; und sie sind schockierend. Zwischen dem 8. September 1943 und dem 8. Mai 1945 haben demnach jeden Tag 165 Italiener ihr Leben infolge des Konflikts mit den Deutschen verloren, so die Rechnung eines Historikers. Italiener, die als reguläre Soldaten oder als Partisanen im Kampf gegen die Deutschen umgekommen waren, sind in dieser Zahl nicht einmal einberechnet.

Der berühmteste Wachmann der Welt entschuldigt sich

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DemonCore 26.08.2019 12:25
    Highlight Highlight Weder die Entscheidung an der Seite Deutschlands in den Krieg einzutreten noch die Entscheidung die Seite zu wechseln, vor der endgültigen Niederlage wurde demokratisch getroffen. Italien hätte seine Katastrophe nur verhindern können wenn Mussolini und seine Volksverhetzung frühzeitig gestoppt worden wäre. Deshalb muss man Nationalismus und Populismus gleich von Anfang radikal bekämpfen: Es ist innert kürzester Zeit zu spät und Millionen von Menschen leiden für Jahrzehnte. Das ist die Leistung des Nationalismus.
  • banda69 25.08.2019 22:42
    Highlight Highlight Eine schreckliche und grauenvolle Zeit... und trotzdem gibts heutzutage rechtspopulistische Parteien, die Nazi-Bildwelten für ihre Parteipropaganda verwenden.
  • Paedu87 25.08.2019 21:17
    Highlight Highlight Darf man die politische Entscheidung der Kapitulation in Frage stellen ohne dass einem unterstellt wird die Gräultaten zu rechtfertigen? Was dachten die Italiener was passieren wird?

    Solche Geschichten zeigen, dass Krieg eine Einbahnstrasse ist aus welcher man nur als Sieger oder Verlierer rauskommt. Oder man bleibt irgendwie stecken wie die USA im nahen Osten... Man kann aber sicher nicht einfach aufhören wenn man keine Lust mehr hat. Daher nie wieder!
    • α Virginis 25.08.2019 21:49
      Highlight Highlight In einem Krieg gibt es nur Verlierer, egal, welche Seite die Oberhand gewinnt... Leider...
    • _kokolorix 26.08.2019 00:00
      Highlight Highlight Selbst der unbestrittene Sieger USA hat letztlich den 2. WK verloren. Seit damals werden die USA von ihrer Rüstungsindustrie beherrscht und sind permanent in an sich sinnlose Kriege verwickelt welche US Bürger das Leben kosten. Der nominelle Verlierer Deutschland hingegen hat, zumindest im Westen fast nur profitiert
  • TimK 25.08.2019 20:34
    Highlight Highlight Schon unglaublich wenn man bedenkt das es Leute gibt, beispielsweise in Chemnitz, die diese Zeit zurück wünschen. Man kann gar nicht soviel essen wie man kotzen möchte.
    • _kokolorix 26.08.2019 00:04
      Highlight Highlight So unglaublich ist das nicht. Die Menschen haben sich nicht grundsätzlich geändert. Es gab damals viele Menschen die ohne wirkliche Notwendigkeit brutaler als nötig gemordet haben und nur ganz wenige welche dagegen Wiederstand leisteten.
      Daran hat sich nichts geändert, nur waren die Rahmenbedingungen bis vor wenigen Jahren gegen die Schlächter. Jetzt nicht mehr...
  • Müllli 25.08.2019 18:21
    Highlight Highlight Hat sich bis in die heutige Zeit nichts geändert. Kriegsverbrechen sind an der Tagesordnung und die Schuldigen werden für Ihre begangenen Verbrechen nicht zur Rechenschaft gezogen.
    • DomKi 26.08.2019 00:03
      Highlight Highlight Da gibt es auch viele junge Schweizer querbeet, die sich nach einem Führer sehnen. Da gab es mal einen Artikel um WWW.
  • Focke 25.08.2019 14:04
    Highlight Highlight wer sich mit dem teufel einlässt, dem wiedrfährt nichts gutes.
    • trudat 25.08.2019 19:04
      Highlight Highlight Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, so verändert sich nicht der Teufel, der Teufel verändert dich.
  • purpletrain 25.08.2019 13:14
    Highlight Highlight Die Bildunterschrift müsste angepasst werden
    • purpletrain 25.08.2019 17:42
      Highlight Highlight Wurde nun offenbar korrigiert👍
  • TingelTangel 25.08.2019 12:32
    Highlight Highlight Darum umso unverständlicher das Heute noch an Raststätten und Supermärkten Wein und Bier verkauft wird mit dem Konterfei von Hitler oder Mussolini.
  • Michaka 25.08.2019 12:28
    Highlight Highlight Hat der Autor Linksrechtsschwierigkeiten oder weiss er tatsächlich nicht, wie Benito Mussolini aussieht?!
    • SaraSera 25.08.2019 16:04
      Highlight Highlight @Michaka: Ist korrigiert. Merci!
  • FrancoL 25.08.2019 12:26
    Highlight Highlight "Die Bundesrepublik Deutschland galt bald als wichtiger Verbündeter im Kalten Krieg, die Ahndung in Italien begangener Verbrechen galt als zweitrangig."

    Wieso sollten denn die Italiener etwas ahnden, wenn sie in ihren Reihen das praktisch nie getan haben?

    Italien hat seine faschistische Geschichte und viele inneritalienischen Gräueltaten nicht aufgearbeitet.
    Dabei wäre es kein Problem gewesen, man kannte viele Täter und doch lies man die meisten unbehelligt.

    Dies prägt LEIDER auch noch die Politik bis heute.
    • rodolofo 25.08.2019 14:19
      Highlight Highlight Na gut, aber trotzdem hätte man diesen deutschen Kriegsverbrechern den Prozess machen müssen, wie auch den italienischen Kriegsverbrechern!
      Aber alles lag damals in Schutt und Asche.
      Die Justiz arbeitet bekanntlich ausführlich und teuer...
      Man wollte vorwärts schauen und die grauenhaften Erlebnisse des 2.Weltkrieges hinter sich lassen und verdrängen.
      Als mein deutscher Vater das erste Mal vom Krieg erzählte, hörte es sich an, wie wenn er aus einem Bud Spencer-Film erzählt hätte. Das wirkte wenig glaubwürdig auf mich.
      Er spielte uns etwas vor, und rannte eigentlich vor sich selbst davon...
    • El Vals del Obrero 25.08.2019 15:14
      Highlight Highlight Dito auch in Spanien.
    • Banzai 25.08.2019 15:43
      Highlight Highlight Mag sein, dass Italien die eigene faschistische Vergangenheit nie öffentlich aufgearbeitet hat, aber wenn dir lieber FrancoL, bei der Lektüre eines Artikels über deutsche Gräueltaten in Italien nicht besseres in den Sinn kommt, als mit dem Finger auf die Opfer zu zeigen, dann ist das schlichtweg Apologie des Nazismus. Ein solcher Beitrag gehört gelöscht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DemonCore 25.08.2019 12:12
    Highlight Highlight 1 Interessant und bedrückend. Leider ist es so dass nur die absolute Minderheit der Kriegsverbrechen aus dem 2. WK verfolgt wurde. Auch in Deutschland fanden hunderte von Massaker, widerrechtliche Erschiessungen und Schauprozesse statt, gegen Ausländer aber auch gegen Deutsche, die nie aufgearbeitet wurden. Teilweise kam es zu Anklagen, die dann aber im Sand verliefen. In vielen Ländern, die mit dem faschistischen Deutschland kooperierten (Rumänien, Ungarn, Vichy-Frankreich, Franco-Spanien, Kroatien, Bulgarien) fand überhaupt keine Aufarbeitung statt. Auch aus diesen Ländern kam KZ Personal.
  • DemonCore 25.08.2019 12:11
    Highlight Highlight 2 Von der Aufarbeitung italienischer Kriegsverbrechen, u.a. dem Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten in Äthiopien, den Massakern die zusammen mit dt. Truppen an Griechen verübt wurden, usw. habe ich auch noch nie etwas gelesen. Ganz düster sieht es aus mit den Gräueltaten, die die Japaner in ganz China, Korea und im pazifischen Raum begingen. Die Massenvergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee im Zuge der Niederwerfung Deutschlands 1945 und auch noch nach dem Sieg wurden ebenfalls kaum justiziell verfolgt.

    Ich finde es etwas seltsam, ausschliesslich die dt. Verbrechen hervorzuheben.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 25.08.2019 12:06
    Highlight Highlight Schrecklich ist das immer noch gerne von der sauberen Wehrmacht schwadroniert wird :(
    • _kokolorix 26.08.2019 00:16
      Highlight Highlight Schrecklich ist vor allem, dass nach wie vor suggeriert wird eine Armee im Krieg könne sich je sauber verhalten. Jede Armee, jedes Landes hat im Kriegsfall brutale Racheakte an mehr oder wenig unbeteiligten Zivilisten begangen. Selbst die indianischen Freiheitskämpfer gegen die unmenschliche Gewalt der kapitalistischen US Armee folterten und töteten weisse Kinder. Das soll aber in keinster Weise die abscheulichen Verbrechen der europäischen Eindringlinge rechtfertigen

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