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So frisieren sich modebewusste Italiener wegen Corona selbst



Nicht mehr erlaubt: der Besuch bei der Coiffeuse. Nun greifen Italienerinnen und Italiener zur Selbsthilfe. (Symbolbild)

Weil die Friseursalons in den Coronazeiten geschlossen bleiben müssen, legen die Italiener nun selbst die Schere an. Bild: KEYSTONE

Die Kontaktsperre in Italien bedeutet auch, dass der Besuch beim Coiffeur verboten ist. Ein Albtraum für die modebewussten Italiener, die jetzt selbst das Haar-Styling übernehmen müssen. Die Not macht erfinderisch: Die Italiener entdecken den Friseur in sich. Selbst Präsident Mattarella beschäftigt das Thema.

Nach fast einmonatiger Ausgangssperre sind Haarfärbemittel in den Regalen der Supermärkte zu begehrten Jagdtrophäen geworden. «In vielen Geschäften sind sie inzwischen schon unauffindbar», beschwert sich eine Kundin, die bis vor kurzem um nichts in der Welt den wöchentlichen Besuch bei der vertrauten Friseurin versäumt hätte und jetzt schauen muss, wie sie selber mit dem Haarefärben zurechtkommt.

«Viele Frauen trauen sich wegen ihres grauen Haaransatzes kaum noch aus dem Haus», berichtet ein junger Coiffeur, der trotz Ausgangssperre die Nachbarinnen in seinem Wohnblock in Rom frisiert.

Wenn man sein Haupthaar professionellen Händen nicht mehr anvertrauen kann, bedeutet das nicht, dass man auch schlecht frisiert herumlaufen muss. So boomen DIY-Tutorials, die Schritt für Schritt erklären, wie man seine Haare selbst tönen, färben oder stylen kann. Videos mit den besten Tipps und Tricks, wie man vor dem heimischen Spiegel das Haupthaar trimmt, sind populär wie noch nie. Junge Frauen entdecken wieder die Lockenwickler ihrer Grossmütter oder entwerfen Hochfrisuren, um die länger werdende Haarpracht zu bändigen.

So kreativ werden die Italiener in der Quarantäne

Bandanas und Tücher

Wenn der ins Auge springende graue Haaransatz das Gesamtbild zu stören beginnt, jagen manche nach getönten Schaumfestigern, Ansatzsprays oder Abdeckcremes. Kreative Frauen erfinden neue Frisuren mit Bandanas oder stylischen Tüchern im Haar. Damit kann man schick aussehen und vieles verbergen.

Wie man in den nächsten Wochen mit den wachsenden Haaren klar kommt, ist auch für Männer eine offene Frage. Die Haare selbst zuhause zu schneiden und im schlimmsten Fall auch noch allein, das steht wohl bei niemandem auf der Wunschliste. Einige Mutige legen dennoch selber Hand an – und kaufen Friseur-Equipments. Das freut die Onlinehändler. Elektrische Haarschneider und -trimmer sowie scharfe Coiffeur-Scheren sind derzeit so hoch im Kurs wie noch nie. Die Resultate der Amateur-Friseure sind nicht immer ideal und in den Weiten des Internets kursieren bereits zahlreiche lustige Bilder mit Selbstversuchen.

Das Problem des Haarschneidens beschäftigt auch Prominente, unter anderem sogar den italienischen Staatschef Sergio Mattarella. Als sich der Präsident am Freitag auf eine Ansprache im Fernsehen vorbereitete und ihn ein Mitarbeiter bei versehentlich laufender Kamera aufforderte, eine rebellische Haarsträhne zu glätten, entschuldigte sich der 78-jährige Präsident humorvoll: «Auch ich gehe ja nicht mehr zum Friseur.»

Mähnen ausser Kontrolle

«Friseure und Bäcker werden immer Arbeit haben, pflegte mein Grossvater Franco, der zwei Weltkriege überlebt hat, zu sagen», erzählt Monica Coppola, Inhaberin einer Coiffeurs-Salonkette in Rom. «Unsere Salons sind seit einem Monat geschlossen und schon nach wenigen Tagen wurden wir mit Anrufen verzweifelter Kunden überschwemmt », berichtet die Unternehmerin. Sie warnt vor improvisiertem Haarefärben und rät ihren Kundinnen stattdessen, sich jetzt besonders mit Pflegeprodukten um die Gesundheit ihrer Haare zu kümmern.

Auch im italienischen Fernsehen beginnt man, an Moderatoren ausser Kontrolle geratene Mähnen wahrzunehmen, doch die Zuschauer nehmen es gelassen. «Haare wachsen schliesslich nur circa einen Zentimeter pro Monat. Bis wir alle wirklich wie Robinson Crusoe aussehen, wird es schon noch ein wenig dauern. Hoffen wir, dass die Ausgangssperre bis dahin aufgehoben worden ist», scherzt eine Coiffeuse. (cki/sda/apa)

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Pandemie in Italien

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