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Vor Nato-Gipfel: Kanada bestellt U-Boote in Deutschland

epa12456322 The German Navy diesel-electric attack submarine U32 (Type 212A) surfaces near Harstad, Norway, 15 October 2025. The German Navy is conducting its largest annual 'Missile Firing Exerc ...
Ein deutsches U-Boot. (Symbolbild)Bild: keystone

Vor Nato-Gipfel: Kanada bestellt U-Boote in Deutschland

06.07.2026, 22:4507.07.2026, 02:04

Kanada setzt bei der Erneuerung seiner U-Boot-Flotte auf eine milliardenschwere Kooperation mit Deutschland und Norwegen. Dazu soll der Kieler Marineschiffbauer TKMS bis zu zwölf U-Boote liefern, wie Premierminister Mark Carney in Halifax vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel in Ankara sagte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüsste die Entscheidung: «Dies ist ein grosses, strategisches Vorhaben, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet.» Die kanadische Regierung setze damit vor dem Nato-Treffen ein starkes Zeichen der transatlantischen Zusammenarbeit.

Für TKMS ist es der grösste U-Boot-Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Kanada erhält von der Werft U-Boote des Typs 212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung entwickelt. Die Buchstaben «CD» stehen dabei für das gemeinsame Design («Common Design»). Diese Baugleichheit soll die Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen, der sich nun Kanada als dritter grosser Partner anschliesst.

«Mittelmächte wie Kanada streben durch Partnerschaften mit gleichgesinnten Staaten nach grösserer strategischer Autonomie», sagte Carney. Er verwies darauf, dass sein Land über die längste Küstenlinie der Welt verfüge und maritime Fähigkeiten wichtig seien: «Nirgendwo wird dies deutlicher als auf unseren Meeren und in der Arktis. Die Arktis wird zunehmend zu einem zentralen Faktor für die Sicherheit Nordamerikas und der Nato-Westflanke.» Er erwarte 6 bis 18 Monate Verhandlungen über den Vertrag.

Sweat beads on the face of Canada Prime Minister Mark Carney as he attends the Canada Day National noon ceremony at LeBreton Flats in Ottawa amid a heat warning, on Wednesday, July 1, 2026. (Justin Ta ...
Der kanadische Premierminister Mark Carney.Bild: keystone

Die zukünftige U-Boot-Flotte der drei Nationen sei wesentlicher Pfeiler in der Strategie der Nato zur Sicherung des hohen Nordens und sichtbarer Beitrag zur Lastenteilung im Bündnis, teilte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit. Er sprach von einem Meilenstein und erklärte: «Gemeinsam werden wir die weltweit grösste und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen.» Aussenminister Johann Wadephul (CDU) schrieb, Kanada habe «damit ein starkes Signal des Zusammenhalts im transatlantischen Bündnis abgegeben».

Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis ist aber seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäussertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern.

Kanada verfügt aktuell über vier U-Boote, die laut Regierungsangaben noch bis Mitte 2030 in Betrieb sein sollen. Aktuell ist nur eines davon einsatzbereit. TKMS habe angeboten, U-Boote aus den deutschen und norwegischen Aufträgen umzuwidmen, so dass die ersten vier U-Boote bereits bis 2034 geliefert werden könnten, sagte der Premierminister.

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Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius.Bild: keystone

Vor der Entscheidung gab es harten Wettbewerb

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte das Rüstungsunternehmen TKMS im Wettbewerb mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean sein Werben intensiviert und diverse Kooperationen mit kanadischen Unternehmen verkündet, um die eigenen Chancen zu erhöhen.

In Südkorea wurde die Entscheidung für den deutschen Bieter auch als strategische Wahl interpretiert. «Trotz aller Anstrengungen (...) konnten wir die Barriere, die das Nato-Bündnis darstellt, nicht überwinden», erklärte Hanwha Ocean in einer ersten Stellungnahme. Südkorea ist kein vollwertiges Nato-Mitglied, gilt jedoch als wichtiges Partnerland der Militärallianz im Indopazifik. Präsident Lee Jae Myung nimmt in Ankara erstmals seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr persönlich an einem Nato-Gipfel teil.

TKMS-Chef Oliver Burkard sprach am Abend von einem wichtigen Tag für Kanada, Deutschland und Norwegen. Nach Unternehmensangaben soll während der Projektlaufzeit in ganz Kanada eine wirtschaftliche Gesamtaktivität in Höhe von 167 Milliarden kanadischen Dollar (entspricht mehr als 100 Milliarden Euro) generiert werden. TKMS rechnet damit, das erste U-Boot der 212CD-Klasse bis 2033 auszuliefern.

Zum genauen Auftragsvolumen machten weder Kanada noch TKMS Angaben. Es dürfte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber allein für die U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Carney nannte es das «grösste Beschaffungsvorhaben in der kanadischen Geschichte».

Boote sollen in Kiel und Wismar gebaut werden

TKMS zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber angedeutet, dass eine erste Auslieferung früher erfolgen könnte.

Die Produktion werde komplett in Deutschland stattfinden, kündigte TKMS-Chef Oliver Burkhard an. Die High-Tech-Boote will die Werft sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Dort will das Unternehmen bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 9.100 Beschäftigte, darunter rund 3.300 in Kiel. Weiterer Standort neben Kiel und Wismar ist Itajaí in Brasilien.

Die Auftragsbücher des Unternehmens waren bereits vor dem Rekordauftrag aus Übersee gut gefüllt. Die Werft profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rüstungsgütern. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres - von Oktober 2025 bis März 2026 - erreichte der Auftragsbestand 20,6 Milliarden Euro. Das war bereits ein neuer Höchstwert. Schon damit war TKMS bis in die 2040er Jahre hinein ausgelastet.

Neue U-Boot-Klasse mit besseren Sensoren

Durch die Bestellung erhöht sich die Zahl der Aufträge für die neue Klasse 212CD auf 24. Für Deutschland und Norwegen baut die Werft bereits jeweils sechs U-Boote.

Deutschland nutzt aktuell sechs U-Boote der Vorgängerklasse 212A, die 56 Meter lang sind. Die neuen U-Boote werden dagegen etwa 72 Meter lang sein. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung möglicher Gegner unter und auf dem Wasser. Die Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt.

Umsatz wächst bei TKMS - grosse Investitionen

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz bei TKMS nach Firmenangaben um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, weil Aufträge nach Plan erfüllt worden seien. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern nahm bereinigt um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro zu. Unter dem Strich verdiente TKMS 27 Millionen Euro, was einem Rückgang um 41 Prozent entsprach. Der Gewinnrückgang ergibt sich aus Investitionen in den Ausbau des Unternehmens, etwa für Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb. (sda/dpa)

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