International
Lateinamerika

Haitianischer Präsident im eigenen Haus erschossen

epa09210257 Haitian President Jovenel Moise takes part in the official Flag Day celebration ceremony in Port-au-Prince, Haiti, 18 May 2021. The President of Haiti, Jovenel Moise, called all the forces ...
Bild: keystone

«Unmenschlich und barbarisch» – Haitianischer Präsident im eigenen Haus erschossen

07.07.2021, 12:3307.07.2021, 13:59

Der haitianische Präsident Jovenel Moïse ist in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in seiner Residenz überfallen und tödlich verletzt worden. Seine Ehefrau Martine Moïse sei bei dem Angriff verletzt worden, teilte die Regierung der Karibikrepublik mit. Die Angreifer hätten Spanisch gesprochen, hiess es in der Mitteilung weiter.

Ex-Premierminister Claude Joseph verurteilte den Angriff als «hasserfüllt, unmenschlich und barbarisch» und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle.

«Es werden alle Massnahmen ergriffen, um den Fortbestand des Staates zu gewährleisten und die Nation zu schützen», hiess es in der Mitteilung weiter. «Die Demokratie und die Republik werden obsiegen.» Joseph war bis Dienstag Regierungschef, bevor er von Ariel Henry abgelöst wurde.

Haiti steckt in einer tiefen politischen Krise. Da eine für Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen Moïse ausgefallen war, hat Haiti seit Beginn der neuen Legislaturperiode im Januar 2020 kein Parlament mehr. Moïse regierte seither per Dekret.

Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Proteste gegen Moïse haben es in den vergangenen Jahren immer wieder lahmgelegt. Ihm wurden Korruption und Verbindungen zu gewalttätigen Banden vorgeworfen. Kämpfe solcher Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Port-au-Prince trieben nach UN-Zahlen seit Anfang Juni fast 15 000 Menschen in die Flucht.

Rund 4,4 Millionen der gut 11 Millionen Haitianerinnen und Haitianer brauchen demnach humanitäre Hilfe. Zudem nahmen die Corona-Neuinfektionen und Todesfälle zuletzt deutlich zu. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Krawalle nach Wahlverschiebung: Ein Wochenende der Gewalt in Haiti
1 / 28
Krawalle nach Wahlverschiebung: Ein Wochenende der Gewalt in Haiti
Nach der Verschiebung der Stichwahl um das Präsidentenamt kam es am Wochenende in Haiti zu Demonstrationen gegen die Regierung. Offiziell wurde die Verschiebung mit der Befürchtung gewaltsamer Ausschreitungen begründet.
quelle: epa/efe / orlando barria
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hurrikan «Irma» hinterlässt ein Bild der Zerstörung
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Richter stellen Trumps Eingriff in Kaliforniens Wahl infrage
Die Trump-Regierung will in Kalifornien mehr als 20'000 Briefwahlstimmen mutmasslicher Nichtbürger separat behandeln lassen. Ein Berufungsgericht zeigte sich laut CNN jedoch deutlich skeptisch.
Die US-Regierung versucht, in die laufende Auszählung der Zwischenwahlen in Kalifornien einzugreifen. Das Justizministerium verlangt, dass mehr als 20'000 Briefwahlstimmen von Personen, die es für mögliche Nichtbürger hält, zunächst ausgesondert werden.
Zur Story