Flugzeugabsturz in Florida: Das sind die neuen Erkenntnisse
Was ist passiert?
Ein Privatflugzeug ist am Sonntagmittag im Bezirk Palm Beach County nahe von Mar-a-Lago mit hoher Geschwindigkeit in ein Wohngebiet gestürzt und hat einen tiefen Krater hinterlassen. Neun Personen waren an Bord des Learjets, ihre Identität war zunächst nicht bekannt. Der Flieger war vom Flughafen Austin-Bergstrom International in Texas gestartet und hatte Kurs auf die Bahamas genommen. Dort sollte er am Flughafen North Eleuthera landen.
Wie Gouverneur Ron DeSantis später bekannt gab, lagen Trümmerteile weit um die Absturzstelle verteilt. Das Gebiet ist abgesperrt, damit die Ermittlungen zur Ursache vorangehen können.
Die Opfer
Am Boden wurde ein Mann in einem Fahrzeug am Bein verletzt. Zu den neun Flugzeuginsassen gab es noch keine offizielle Bestätigung, da zunächst DNA-Proben gesammelt werden müssen. Bereits am Montag vermeldete jedoch die New York Post, dass eines der Opfer eine 20-jährige Co-Pilotin war. Sie hatte ihren Pilotenschein mit 17 Jahren noch während der High School gemacht. Später wurde bekannt, dass mit ihr eine junge vierköpfige Familie sowie zwei Freunde der Familie und das Kindermädchen im Flugzeug sassen.
Beim Vater der Familie soll es sich um einen Multimillionär und Tech-Unternehmer handeln. Sein Bruder bestätigt dies gegenüber der «Post». Er war gemeinsam mit seiner Frau, der vierjährigen Tochter und dem zweijährigen Sohn auf dem Weg auf die Bahamas. Auch die beiden Freunde und das Kindermädchen flogen mit.
Beim Piloten handelte es sich laut der «Post» um einen 55-jährigen Mann. Wie die Arbeitgeberin gegenüber der New York Times erklärt, sei er ein erfahrener Pilot gewesen. Er soll während des Absturzes Gebete ins Funkmikrofon gesprochen haben, die Aufnahmen kursierten am Montag im Netz.
Der Absturz
Die Maschine flog auf rund 35'000 Fuss (knapp 11 Kilometer) Höhe, bevor die Crew einen Mayday-Funkspruch absetzte und von Eisbildung und leichten Turbulenzen sprach. Noch ist nicht klar, ob das Flugzeug zuvor durch eine Gewitterzelle geflogen war. Laut der Crew im Cockpit bestand jedoch noch kein unmittelbarer Notfall, sie sprach von leichtem, klarem Eis.
Die Bedingungen führten jedoch dazu, dass das Flugzeug von der Flughöhe abwich. Wenig später fragte die Crew bei der Flugsicherung nach, ob sie auf rund 11'300 Meter steigen könnte, berichtet ABC News. Nur 30 Sekunden später ging das Flugzeug in den Sinkflug, worauf die Co-Pilotin einen Mayday-Funkspruch absetzte. Sie sprach davon, dass sie zu schnell seien und mit einer Geschwindigkeit von 6000 Metern pro Minute sinken würden. Obwohl laut der Ermittler nicht alles verständlich war, wurde klar, dass im Cockpit eine Warnung ertönte.
Die Ursache
Noch ist die genaue Absturzursache der 22-jährigen Maschine unklar. Die von der Co-Pilotin erwähnten Turbulenzen und die Eisbildung könnten einen Hinweis liefern. Sie sprach laut Medienberichten auch von Regen. Die Ermittler des National Transportation Safety Board (NTSB) erklärten zudem, dass der Privatjet durch ein Gebiet mit Temperaturen um die minus 45 Grad geflogen war.
Ausserdem erklärten die Ermittler, dass das Flugzeug wohl bereits in der Luft begonnen hatte, auseinanderzubrechen. Deshalb lagen die Trümmer wohl auch in einem Umkreis von rund 800 Metern verstreut. Bestätigt ist das aber noch nicht.
Offene Fragen
Wer das Flugzeug kurz vor dem Absturz tatsächlich geflogen hatte – also der 55-jährige Pilot oder die 20-jährige Co-Pilotin – ist noch nicht klar. Die Funksprüche während des Absturzes deuten jedoch auf den Piloten hin.
Die NTSB-Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Frage, ob es einen Stimmrekorder und einen Flugdatenschreiber an Bord gegeben hatte. Laut der Unterlagen müsste es zumindest ersteren gegeben haben. Die Aufnahmen können helfen, die Absturzursache zu klären.
Zunächst müssen allerdings noch immer die Trümmer eingesammelt werden. Wegen des grossen Gebietes dauert das seine Zeit, noch sind nicht alle Teile gefunden.
Weiter werden auch die Wetterdaten genauer angeschaut. Diese könnten weitere Hinweise liefern. So kann beispielsweise Eisbildung am Flugzeug die aerodynamischen Verhältnisse stören. Wie MeteoSchweiz in einem Dokument zum Thema schreibt, können dadurch Auftrieb, Schwerpunkt, Sensoren und bewegliche Teile beeinträchtigt werden. Eine Vereisung kann demnach bei Temperaturen zwischen null und minus 40 Grad auftreten. Bei tieferen Temperaturen sei die Luft zu trocken. Der von der Co-Pilotin erwähnte Regen könnte deshalb noch eine grosse Rolle spielen. Je grösser die Tropfen, desto stärker die Vereisung, schreibt MeteoSchweiz.
