Nach Messerattacke in Belfast: Proteste eskalieren – Bus in Brand gesetzt
Nur einen Tag nach dem blutigen Messerangriff in Nordbelfast spitzt sich die Lage weiter zu. Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 30 Jahre alten Mann aus dem Sudan. Wie die «BBC» berichtet, gingen am Dienstagabend an mehreren Orten in Nordirland Menschen auf die Strasse. Zunächst verliefen die Proteste friedlich, doch im Verlauf des Abends kam es zu erheblichen Ausschreitungen.
In Belfast blockierten Demonstranten Zufahrten zur Autobahn sowie mehrere wichtige Verkehrsachsen. Am sogenannten Freedom Corner im Osten der Stadt versammelten sich rund 200 Personen, viele davon mit Schals oder Masken vor dem Gesicht.
Busverkehr eingestellt
Die nordirische Verkehrsgesellschaft Translink stellte am Abend sämtliche Metro- und Busverbindungen in Belfast bis auf Weiteres ein. Mehrere Strassen mussten wegen Blockaden gesperrt werden, der Verkehr kam teilweise vollständig zum Erliegen.
Am späten Abend wurde in Belfast ein Bus in Brand gesetzt. Feuerwehr und Polizei rückten mitb einem Grossaufgebot aus.
Täter angeklagt
Unterdessen hat die Polizei den festgenommenen Tatverdächtigen offiziell angeklagt. Dem 30-Jährigen werden versuchter Mord, das Mitführen einer Stichwaffe in der Öffentlichkeit sowie Morddrohungen vorgeworfen. Er soll am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Belfast erscheinen.
Das Opfer der Attacke hatte bei dem Angriff schwere Verletzungen im Gesicht, an den Augen und am Rücken erlitten.
Politik ruft zur Ruhe auf
Nordirlands Regierungschefin Michelle O'Neill, ihre Stellvertreterin Emma Little-Pengelly sowie Polizeichef Jon Boutcher riefen die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Justizministerin Naomi Long appellierte an die Menschen, sich nicht von Aufrufen in sozialen Medien zu Protesten oder Gewalt verleiten zu lassen.
Die Behörden befürchten, dass die Tat als Vorwand für weitere rassistisch motivierte Proteste genutzt werden könnte. Bereits im Sommer 2024 war Grossbritannien von schweren Ausschreitungen nach mehreren Messerangriffen erschüttert worden. (mke)
