Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien: Über 100 Tote
Die Zahl der Toten bei dem schweren Erdbeben in Kolumbien steigt weiter - inzwischen auf mehr als 100. Es wurden bisher 111 Todesfälle sowie 87 Verletzte gemeldet, wie Präsident Abelardo de la Espriella bei einem Krisentreffen mitteilte.
Allein in der schwer getroffenen Stadt Pereira westlich der Hauptstadt Bogotá wurden 47 Todesopfer registriert, wie Polizeichef Óscar Leonel Ochoa in einem Interview des Radiosenders Caracol Radio sagte. Auch aus anderen Landesteilen wurden zahlreiche Opfer registriert. Zudem wurden nach Angaben von de la Espriella Schäden an mehr als 1.500 Wohnhäusern sowie 61 eingestürzten Gebäuden gemeldet. Er kündigte an, künftig alle zwei bis drei Stunden über die Entwicklung der Lage zu informieren.
Recuento de videos del momento del terremoto de 7.4Mw en #Chocó, #Colombia. El evento ha provocado daños en Manizales, Pereira, Armenia, Cali y varios poblados cercanos que hasta el momento siguen incomunicados. pic.twitter.com/ndhjfRW2Cc
— IIGEA A.C. (@IIGEAac) August 10, 2026
Tote und schwere Schäden
Im Departamento Valle del Cauca kamen nach Angaben der Gouverneurin Dilian Francisca Toro mindestens 27 Menschen ums Leben, darunter 3 Kinder. Die Zahl schliesst die Hauptstadt Cali nicht mit ein.
Im Departamento Chocó meldete die Regionalregierung vorläufig 4 Tote und 69 Verletzte. In mehreren Gemeinden wurden Schäden an Wohnhäusern, Gebäuden sowie öffentlicher und privater Infrastruktur festgestellt. Auch Stromversorgung, Telefonie und andere Kommunikationsverbindungen waren demnach beeinträchtigt. Die Behörden betonten, dass die Zahlen noch steigen könnten. Die Schäden werden erst noch weiter aufgenommen.
In Manizales wurden drei Tote und Hunderte Verletzte gemeldet. Dort stürzten nach Angaben des Bürgermeisters Jorge Rojas zehn bis zwölf Gebäude ein, weitere Häuser wurden schwer beschädigt. Auch ein Turm der dortigen Kathedrale sei beschädigt worden. In Cali meldete der Bürgermeister mehr als 20 eingestürzte Gebäude, in denen Menschen eingeschlossen sein sollen.
In der Hauptstadt des westkolumbianischen Departamentos Chocó, Quibdó, herrschte nach dem Beben und mehreren Nachbeben zeitweilig Panik. Die Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba berichtete von Verletzten und schweren Gebäudeschäden.
Epizentrum im Westen Kolumbiens
Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó in einer Tiefe von 96 Kilometern, wie der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Der US-amerikanische Geologische Dienst (USGS) verortete es in 107 Kilometern Tiefe.
Die Erschütterungen waren unter anderem in Bogotá, Medellín, Cali, Popayán, Armenia, Pereira und Manizales zu spüren. Videos in den sozialen Netzwerken zeigten zerstörte Gebäude und Menschen, die vor Panik auf die Strasse liefen. Auch mehrere Flughäfen waren betroffen. In den Nachbarländern Venezuela, Ecuador und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.
Regierung aktiviert Krisenstab
Der erst kürzlich vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella ordnete an, dass ein gemeinsamer Krisenstab in San José del Palmar eingerichtet werde. Das Gremium soll unter anderem die Hilfe für Betroffene koordinieren. Zudem forderte der Präsident einen detaillierten Bericht über die Lage und den dringendsten Hilfsbedarf.
Zahlreiche Länder boten Hilfe an. «Brasilien steht Kolumbien weiterhin zur Verfügung, um die notwendige Unterstützung zu leisten», sagte zum Beispiel Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
De la Espriella kündigte an, persönlich nach Pereira zu reisen. Kurz nach dem Hauptbeben registrierte der Kolumbianische Geologische Dienst zudem ein Nachbeben der Stärke 4,6 im ebenfalls im Departamento Chocó gelegenen Nóvita. (hkl/sda/dpa)
