Norwegens König Harald V. ist tot – Trauerzug durch Oslo
Der norwegische König Harald V. ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das berichtet der Königspalast. «Mit grosser Trauer müssen wir verkünden, dass Ihre Majestät König Harald verschieden ist.» Demnach sei der König am Freitagmorgen um 6.35 Uhr friedlich im Spital von Oslo gestorben.
Tausende Menschen haben den gestorbenen norwegischen König Harald V. auf dessen letzter Reise zum Königsschloss in Oslo begleitet. Der Sarg mit dem Monarchen wurde in einem aus mehreren Fahrzeugen bestehenden Trauerzug vom Reichskrankenhaus, in dem der beliebte König am Morgen gestorben war, in Richtung des Schlosses im Zentrum der norwegischen Hauptstadt gefahren.
Die Strassen auf Haralds Weg waren trotz strömenden Regens voll von Menschen, die mit Regenschirmen und teils auch norwegischen Flaggen in der Hand von ihm Abschied nahmen. Der neue König Haakon VIII., seine Frau Königin Mette-Marit und die weiteren engsten Angehörigen des gestorbenen Staatsoberhauptes folgten dem Wagen mit dem Sarg in weiteren Fahrzeugen.
Der Sarg mit Haralds Leichnam soll später in der Schlosskapelle aufgebahrt werden. Bürgerinnen und Bürger können dann bis zur Beisetzung Abschied von ihrem langjährigen Monarchen nehmen.
Allseits beliebt
König Harald V. wurde 89 Jahre alt. Am Freitagmorgen noch hatten norwegische Medien davon berichtet, dass Königin Sonja gegen 7.40 Uhr im Spital eintraf, um erneut an seinem Krankenbett zu weilen. Sie hatte am Donnerstag bereits rund zehn Stunden dort verbracht.
Norwegens Bevölkerung sorgte sich in den vergangenen Tagen um ihren König. Tausende hatten sich vor dem Schlossplatz in Oslo versammelt.
Harald V. war der am längsten regierende Monarch Europas. Er hatte das Amt 1991 nach dem Tod seines Vaters übernommen. Nun geht der Thron an Kronprinz Haakon, der mit Mette-Marit Tjessem Hoiby verheiratet ist. Er war in der Sekunde des Todes Haralds zum König geworden. In Norwegen gilt: «Kongen er død – Leve Kongen» – Der König ist tot – Es lebe der König. Der offizielle Name des neuen Monarchen: König Haakon VIII. Haakon traf am Mittag beim Schloss ein.
Er wird am kommenden Dienstag seinen Eid auf die Verfassung ablegen, sagte Parlamentspräsident Masud Gharahkhani dem Sender NRK. Ein solcher Eid ist für den neuen Monarchen Pflicht und findet im Storting, dem norwegischen Parlament nicht weit entfernt vom Königsschloss, statt. Nach Parlamentsangaben wird Haakon den Eid am Dienstag um 13.00 Uhr ablegen und auch eine kurze Ansprache halten. Die norwegische Bevölkerung kann dabei live im Fernsehen zusehen.
Am Nachmittag folgte die Meldung: Die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit (53) ist die neue Königin von Norwegen. Die Rolle der Ehefrau des neuen Königs Haakon (53) geht aus der offiziellen Liste des Königshauses hervor, die im Internet veröffentlicht wurde. Die gemeinsame Tochter Ingrid Alexandra (22) führt den Titel der Kronprinzessin als erste Thronfolgerin.
Haakon und Mette-Marit hatten am 25. August Silberhochzeit gefeiert; beide waren in den vergangenen Jahren durch schwierige Zeiten gegangen. Mette-Marit leidet an der unheilbaren Krankheit Lungenfibrose, bei der das Lungengewebe vernarbt. 2018 hatte sie die Erkrankung in einem viel beachteten Fernseh-Interview selbst öffentlich gemacht. In der Öffentlichkeit musste die neue Königin daher kürzertreten, sie zeigte sich in diesem Jahr auch mit Atemgerät. Mitte Juni bekam sie schliesslich eine neue Lunge.
Volk unter Schock
«Er war ein grossartiger König», sagte eine Norwegerin der Deutschen Presse-Agentur auf dem Schlossplatz. «Es ist eine harte Zeit für alle.» Eine andere Passantin sprach von einem «Schock». Sie habe die Nachricht am Morgen im Bus aus dem Radio erfahren – und angefangen, zu weinen. Darauf sei niemand vorbereitet, sagte sie.
Schnell bekundeten auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie die benachbarten Monarchien ihr Beileid. «Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens», sagte etwa der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. «Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen.»
Auch Erling Haaland trauert
Fussball-Star Erling Haaland hat sich von König Harald V. von Norwegen verabschiedet. Auf Instagram hat der 26-Jährige ein offizielles Porträtfoto vom gestorbenen Monarchen geteilt - in Galauniform, mit Orden und Schärpe. Dazu schrieb der frühere Dortmunder: «Ruhe in Frieden, König Harald. Danke für alles, was du für Norwegen getan hast. Es war eine Ehre, Dich kennenzulernen.»
Der in England bei Manchester City spielende Haaland traf König Harald V. erst vor rund einem Monat in Oslo. Nach der erfolgreichen WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada hatte der mit 89 Jahren gestorbene König die Norweger im Palast getroffen.
Parmelin kondoliert
Bundespräsident Guy Parmelin hat dem norwegischen Königshaus und der Bevölkerung des skandinavischen Landes sein Beileid ausgesprochen. Er sei «tief betrübt» über den Tod des Königs, schrieb Parmelin am Freitag auf X. Harald V. werde «für seine standhafte Führung und seinen hingebungsvollen Dienst an seinem Land in Erinnerung bleiben», schrieb der Bundespräsident weiter.
Greatly saddened by the passing of HM #KingHarald. On behalf of the Federal Council and the Swiss people, I extend my most heartfelt condolences to the Royal Family and the people of Norway. He will be remembered for his steadfast leadership and devoted service to his country.
— Guy Parmelin (@ParmelinG) August 28, 2026
Seit Tagen im Spital
Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut – war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschliessend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.
Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Ausserdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit seiner Frau, Königin Sonja, wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer. Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.
Beim Volk beliebt
Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art – und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler und Wintersportler.
Seine grosse Liebe Sonja heiratete Harald schon 1968 – obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Kronprinz Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin. Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet.
Skandale rund um die Königsfamilie
Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Nach dem Tod des Königs wird die 53-Jährige laut Aussagen von Verfassungsrechtlern nicht automatisch Königin – die Entscheidung über ihre Rolle obliegt dem neuen König Haakon.
Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Viele Norweger sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zu einer Königin hat. (sda/dpa/vro)
