Für Marta gibt es seit einiger Zeit viele letzte Male. Die Karriere des brasilianischen Fussball-Superstars neigt sich dem Ende entgegen. Im vergangenen Jahr nahm sie zum letzten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. In Australien schied sie mit der brasilianischen Mannschaft schon in der Vorrunde aus. Nach einem torlosen Unentschieden gegen Jamaika. Marta weinte damals, bewahrte aber die Fassung.
Nun, mit 38, nimmt sie zum sechsten Mal an Olympischen Spielen teil. Ein Rekord. Doch den Auftritt in Paris hatte sich die sechsmalige Weltfussballerin wohl anders vorgestellt. Am Sonntag verlor sie mit dem Team nach langer Führung in der Nachspielzeit gegen Japan (1:2). Gegen Spanien lief es am Mittwoch nicht besser. Brasilien verlor erneut (0:2). Und für Marta wurde es ein besonders hässlicher Abend.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit leistete sich einen Kung-Fu-Tritt gegen die Spanierin Olga Carmona. Kein bösartiges Vergehen, aber ein folgenschweres. Beide Spielerinnen kämpften am Strafraum um den Ball, Carmona hatte den Kopf tief, Marta das Bein hoch. Sie traf die Gegnerin mit ausgestrecktem Bein am Kopf. Wohl ohne Absicht, aber es sah nicht gut aus. Dem norwegischen Schiedsrichter Espen Eskas blieb nichts anderes übrig, als das Foul mit einem Platzverweis zu ahnden. Marta sah Rot.
Mit Tränen in den Augen ging sie zum Unparteiischen, versuchte auf ihn einzuwirken. Natürlich ohne Erfolg. Dann schlich sie aufgelöst vom Spielfeld. Später musste sie mitansehen, wie ihr Team erneut verlor. Und so war es zwar kein Horrorfoul, wie einige Medien hinterher schrieben, das sie ihrer Träume beraubte, aber es wurde ein ganz persönlicher Horror-Abend für die 38-Jährige.
Zwar qualifizierte sich Brasilien als Gruppendritter für das Viertelfinale, doch Marta dürfte nach dem üblen Tritt für mindestens zwei Spiele gesperrt werden. Damit stünde sie ihrem Team erst im Endspiel wieder zur Verfügung – falls es die Brasilianerinnen denn schaffen, ins Finale einzuziehen. Die zuletzt gezeigten Leistungen sprechen eher nicht dafür.
Für Marta muss dieser Abend wie ein Horrorfilm gewesen sein, schliesslich war sie mit grossen Hoffnungen nach Paris gereist, nach den Silbermedaillen von 2004 und 2008 vielleicht doch eine olympische Goldmedaille zu erringen. Dafür hatte sie gekämpft, hatte bei ihrem Klub Orlando Pride überzeugt und auch in der Selecao.
Dort feierte sie kürzlich ihr 200. Spiel, sie ist Brasiliens Rekordtorschütze, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Marta hat wohl für lange Zeit Massstäbe gesetzt im brasilianischen Fussball. «Sie bringt so viel mit», sagt der aktuelle Nationaltrainer Arthur Elias, «sie ist wirklich die grösste Athletin aller Zeiten».
Nun könnte diese grosse Karriere auf internationaler Ebene ein trauriges Ende gefunden haben. Marta hat bereits angekündigt, am Jahresende die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen.
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