Mehrere Tote nach Schüssen in Krakau – Täter von «rechtsextremen Ideologien fasziniert»
Ein Schütze hat im Zentrum von Krakau (Krakow) in Polen sechs Menschen getötet und mindestens 16 weitere Personen verletzt. Er soll aus einem Auto herausgeschossen haben. Am Nachmittag gab der Chef der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Kleczar, das sechste Todesopfer bekannt, wie die Agentur PAP berichtete. Im Sender Polsat News fügte Kleczar hinzu, dass sich zwölf der Verletzten in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand befänden.
Bei den Toten handelte es sich nach Polizeiangaben um vier Frauen und zwei Männer. Unter den Verletzten sind zwei Polizisten. Der mutmassliche Täter sei von der Polizei angeschossen und überwältigt worden, hiess es.
Möglicherweise rechtsradikaler Hintergrund
Der Festgenommene soll nach ersten Erkenntnissen «sehr radikale Ansichten» vertreten haben. Das sagte der polnische Innenminister Marcin Kierwinski auf einer Pressekonferenz am Abend. Es gebe Anzeichen dafür, dass der 25-Jährige von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse. Laut Polizei handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger, der aus der Woiwodschaft Heiligkreuz im Südosten des Landes stammt.
Verletzte aus dem Ausland
Kierwinski sagte, unter den Verletzten seien fünf Ausländer. Von den beiden verletzten polnischen Polizisten sei einer in einem sehr kritischen Zustand. Der Beamte weise drei Schusswunden auf. «Wir beten für diesen tapferen Polizisten, für diesen Helden, dass er überleben möge», fügte der Innenminister hinzu. Auch der Täter befinde sich in einem lebensgefährlichen Zustand und werde in einem Krakauer Spital behandelt. Er werde zum zweiten Mal operiert.
Polizei geht von Einzeltäter aus
Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Man dementiere Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen zweiten Täter, schrieb die Polizei bei X. Der einzige bekannte Täter sei festgenommen und in den Händen der Polizei. Zu den Hintergründen gab es zunächst keine gesicherten Erkenntnisse. «Der Täter wurde verletzt und festgenommen», schrieb Justizminister Waldemar Zurek bereits am Nachmittag auf X. Staatsanwaltschaft und Polizei seien vor Ort, um Spuren zu sichern und die Umstände des Angriffs zu klären. «Der Staat handelt», betonte er. Er appellierte an die Öffentlichkeit, Ruhe zu bewahren. Man werde für eine strenge Bestrafung sorgen.
Drei Tote im Haus des Verdächtigen gefunden
Im Wohnhaus des mutmasslichen Schützen von Krakau sind drei Tote aufgefunden worden. Das gehe aus Aufnahmen einer Drohne hervor, sagte der polnische Regierungschef Donald Tusk bei einer Pressekonferenz des Krisenstabs. Es handele sich um zwei Frauen und einen Mann. Es seien wahrscheinlich die engsten Familienangehörigen des Verdächtigen.
Es bestand der Verdacht, dass sich Sprengsätze in dem Haus befinden könnten. Zu den Hintergründen der Tat machte Tusk keine näheren Angaben. Er betonte, dass Polizei, Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaft alles unternehmen würden, um so schnell wie möglich Informationen zu den Motiven des Schützen bekanntzugeben. Der polnische Staatsbürger stamme aus der Woiwodschaft Heiligkreuz im Südosten des Landes.
Waffen und Munition im Auto sichergestellt
Die Schüsse auf dem Grossen Ring, dem Hauptplatz der Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen, seien aus einem fahrenden Auto abgegeben worden, berichtete der Sender Polsat News unter Berufung auf die Einsatzkräfte.
Nach Polizeiangaben verwendete der mutmassliche Täter eine halbautomatische Langwaffe ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. Die Agentur PAP berichtete anhand von Fotos, dass die Waffe mit einer optischen Visierung zur präziseren Schussabgabe ausgestattet gewesen sei. Der Täter habe zudem eine Pistole bei sich geführt. Viele weitere Waffen und Munition aus seinem Auto seien sichergestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin.
Chaotische Szenen
Auf Videos in den sozialen Medien war zu sehen, dass ein Rettungshubschrauber auf dem Platz landete. «Gegen 15 Uhr begann ein Mann, der mit einem Auto auf den Marktplatz gefahren war, aus dem Fahrzeug heraus auf zufällige Personen zu schiessen», teilte die Polizei mit.
Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen: «Erst jetzt lässt das Adrenalin nach», sagte eine Person dem TV-Nachrichtensender Polsat News. «Im ersten Moment hat grosses Chaos geherrscht. Die Menschen haben begonnen, sich hektisch zu bewegen, ich habe umgestürzte Tische gesehen.» Ein anderer Zeuge sagte: «Wir haben sogar den Schützen gesehen. Wir haben uns in den hinteren Räumlichkeiten versteckt. Das ist alles so plötzlich geschehen.»
Ein weiterer Augenzeuge sagte, dass die Menschen in alle Richtungen davongelaufen seien. «Plötzlich ist ein Auto herangefahren, und ein Mann hat begonnen, aus dem Fenster des Wagens zu schiessen», berichtete er. Der Angreifer habe einen Helm oder eine Maske getragen. Sein Gesicht sei nicht zu sehen gewesen.
Krakau ist mit mehr als 800'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Grossen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum Unesco-Welterbe. (cst/sda/dpa)
