International
Ukraine

Gedenktag zum Blutsonntag in Polen

Polen gedenkt Opfer von ukrainischem Massaker im Zweiten Weltkrieg

11.07.2026, 17:4511.07.2026, 17:45

Überschattet von einem Geschichtsstreit mit der Ukraine hat Polen den «Gedenktag für die Opfer des Massakers von Wolhynien und anderer Verbrechen ukrainischer Nationalisten» begangen. Der nationalkonservative Präsident Karol Nawrocki sagte bei einer Gedenkveranstaltung in Radruz an der Grenze zur Ukraine: «Wir weigern uns, die 120'000 Polen – Zivilisten, Frauen und Kinder, die von ukrainischen Nationalisten brutal ermordet wurden – in Vergessenheit geraten zu lassen.»

Am 11. Juli 1943 griffen Partisanen der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) in Wolhynien und Ostgalizien (heute Westukraine) mehr als 100 polnische Dörfer an. Die Massaker kosteten bis 1945 Zehntausenden Polen und Juden das Leben. Der sogenannte Blutsonntag, an den der Gedenktag in Polen erinnert, bildete den Höhepunkt einer Welle von Morden an der polnischen und jüdischen Zivilbevölkerung.

Wolhynien-Massaker spaltet die Verbündeten

Dass die damaligen Täter in der Ukraine heute noch als Helden verehrt werden, weil sie später gegen die Sowjetunion kämpften, sorgt seit Wochen für neue Unstimmigkeiten zwischen den beiden engen Verbündeten. Polens Präsident Nawrocki hatte im Juni seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj den höchsten Orden Polens aberkannt. Anlass dafür war gewesen, dass Selenskyj einer Armee-Einheit den Beinamen «Helden der UPA» als besondere Ehrung verlieh.

In Polen sorgte die Verklärung der UPA als «Helden» für Empörung. In der Ukraine hingegen rief die Aberkennung des Ordens Unmut hervor. Mehrere ukrainische Politiker gaben aus Verärgerung ebenfalls ihre polnischen Auszeichnungen zurück.

Tusk: Erinnerung darf nicht dem Hass dienen

Ministerpräsident Donald Tusk kündigte in einer Videobotschaft auf der Plattform X die Errichtung einer Gedenkmauer mit einer «ewigen Flamme» an. Die Mauer solle die Namen aller identifizierten Opfer der Kriege des 20. Jahrhunderts in der Ukraine tragen, sagte der Regierungschef. «Die Ermordeten dürfen nicht namenlos bleiben», forderte Tusk und versprach: «Die Republik Polen wird keinen von ihnen vergessen». Zugleich mahnte Tusk aber auch: «Die Erinnerung darf nicht dem Hass dienen». (sda/dpa)

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