Erneut attackiert Russland zivile Ziele in der Ukraine – Selenskyj appelliert an Partner
Tote nach schweren Luftangriffen
Kurz nach Mitternacht waren in der Hauptstadt Kiew laut Behördenangaben und Medienberichten Alarmsirenen und heftige Explosionen zu hören. Demnach wurde in fast allen Landesregionen Luftalarm ausgelöst. Mindestens neun Menschen wurden getötet und 46 weitere verletzt. Tausende seien gemäss Medienberichten vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen geflohen.
Angeblich setzten die Angreifer neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper können besser manövriert und wegen ihrer geringen Flughöhe nicht so leicht vom Radar der Luftabwehr erfasst werden, dafür sind ballistische Raketen aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren.
Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.
Die polnischen Streitkräfte liessen auf X verlauten, dass man «aufgrund der russischen Angriffe militärische Luftoperationen im polnischen Luftraum» durchgeführt habe. Kampfjets hätten den Einsatz aufgenommen, während «bodengestützte Luftabwehrsysteme und die Radaraufklärung in Bereitschaft versetzt» wurden, heisst es weiter. Man beobachte die Lage und stehe für eine «sofortige Reaktion» bereit.
❗️ Uwaga. W związku z aktywnością lotnictwa dalekiego zasięgu Federacji Rosyjskiej, wykonującego uderzenia na terytorium Ukrainy, rozpoczęło się operowanie lotnictwa wojskowego w polskiej przestrzeni powietrznej.
— Dowództwo Operacyjne RSZ (@DowOperSZ) July 5, 2026
Zgodnie z obowiązującymi procedurami Dowództwo Operacyjne RSZ… pic.twitter.com/mpyZr8LYI6
Zivile Einrichtungen getroffen
Wie «Kyiv Independent» berichtet, sind in Kiew mehrere zivile Einrichtungen getroffen worden. Auch zivile Infrastruktur in einem Wohnviertel war demnach Ziel der Angriffe.
Ein Plattenbau in der Hauptstadt stürzte teilweise ein, in der Mitte des Wohnblocks klaffte ein riesiges Loch – sodass die Rettungskräfte durch das Haus hindurchschauen konnten. Unter den Trümmern wurden verschüttete Menschen befürchtet.
Der Militärgouverneur der Hauptstadt Kiew, Tymur Tkatschenko, sagte in der Nacht, dass im Stadtteil Podilskyj ein Wohngebäude teilweise zerstört worden sei. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
Auch Bürgermeister Vitali Klitschko meldete in der Nacht, dass zivile Einrichtungen getroffen worden seien. Er spricht von Angriffen in den Bezirken Darnyzja sowie Holosijiw.
Selenskyj vermisst Hilfe für Flugabwehr
In einer Videobotschaft vom Sonntag appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, den Abwehrkampf seines Landes entschlossener zu unterstützen. «Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen», sagte er.
Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch bereitzustellen. «Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.»
Intelligence once again indicates that the Russians are preparing a new massive strike. This is typical of Putin: right after America’s Independence Day and before the NATO Summit in Ankara. Russia wants to bring more evil and kill people. Please stay safe and heed any air raid… pic.twitter.com/VExSG7ldZo
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) July 5, 2026
Treffen bei Nato-Gipfel geplant
Beim Gipfel in Ankara wird Selenskyj die Gelegenheit erhalten, seine Bitte um weitere Patriots direkt an US-Präsident Donald Trump zu richten. Die beiden Staatschefs treffen am Mittwoch in Ankara zusammen, um auch über Wege zur Beendigung des Kriegs zu sprechen.
Keine der beiden Kriegsparteien mache nennenswerte militärische Fortschritte, sagte ein hochrangiger US-Beamter vor Journalisten. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten und die Angriffe beider Seiten reichten jeweils weit ins andere Land. «Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen», sagte der Beamte.
Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkämen – und er sei sich sicher, dass sich der US-Präsident auch mit Putin in Verbindung setzen werde. Sowohl der Kremlchef als auch Selenskyj hatten am Wochenende mit Trump telefoniert und ihm ihre Sichtweise auf den Kriegsverlauf geschildert.
Bei dem Nato-Gipfel soll die Ukraine auch ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich in Brüssel Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in abschliessenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.
(mit Material der sda und dpa)
