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«Heulneger»: Offener Hass gegen Niederländerin, die vom TV in die Politik wechselte



epa05337679 A picture made available on 30 May 2016 shows Dutch television and radio presenter Sylvana Simons in Hilversum, The Netherlands, 27 May 2016. Simons will be a candidate, at the forthcoming elections for the THINK fraction in Dutch parliament.  EPA/JEROEN JUMELET

Sylvana Simons muss sich mit offenem Rassismus herumschlagen.
Bild: EPA/ANP

Eine schwarze Niederländerin wechselt vom TV in die Politik. Ihr Lohn: ein Shit-Storm. Der blanke Rassismus schockt die Niederländer. Wo ist die Toleranz geblieben?

Vom TV-Star zum Volksfeind Nummer eins

Der Fall der Niederländerin Sylvana Simons war tief und schnell. Die ehemalige Moderatorin populärer Shows will im nächsten Frühling für die neue Partei «Denk» von zwei türkischstämmigen Abgeordneten ins nationale Parlament einziehen. Die Reaktion auf die Kandidatur war heftig. Ein wahrer Shit-Storm traf die 45-Jährige. Warum? Sie ist schwarz.

epa05337678 A picture made available on 30 May 2016 shows Dutch television and radio presenter Sylvana Simons in Hilversum, The Netherlands, 27 May 2016. Simons will be a candidate, at the forthcoming elections for the THINK fraction in Dutch parliament.  EPA/JEROEN JUMELET

Bild: EPA/ANP

Simons, die als Zweijährige mit ihren Eltern aus der früheren Kolonie Surinam in die Niederlande gekommen war, ist eine starke Frau mit ebenso starken Ansichten zu Diskriminierung in den Niederlanden. Sie warf Niederländern «strukturellen Rassismus» vor.

«Heulneger» und «Affe» wurde sie beschimpft. «Geh zurück in dein eigenes Land». Auf Facebook wurde die Seite «Abschied von Sylvana» eingerichtet, um ihren Rausschmiss aus dem Land gross zu feiern. Zehntausende klickten: «Gefällt mir». Inzwischen wurde die Seite gesperrt.

Rutte kritisiert asoziales Verhalten

«Es ist widerlich und asoziales Verhalten», verurteilte Premier Mark Rutte die Attacken. Hass, Häme und Hohn waren so massiv, dass inzwischen auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Für Sylvana Simons selbst war es nicht neu. Sie kennt solche Attacken.

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Sylvana Simons vor einem Jahr über den alltäglichen Rassismus, den sie erlebt.
YouTube/RTL Late Night

Seit der Rechtspopulist Pim Fortuyn 2002 ermordet worden war, ist das öffentliche Klima vergiftet. Vor allem im Internet gingen alle Schleusen auf, und die gröbsten Beleidigungen und Hass-Attacken gegen Migranten, Schwarze und Muslime gehören zur Tagesordnung. Und nicht nur im Internet.

Der Rechtspopulist Geert Wilders lotet seit über zehn Jahren die Grenzen des Erlaubten aus. Mit Tiraden gegen den Islam und Muslime setzt er den Ton. Der Rechtsaussen mit der platinblonden Haartolle macht sich stark gegen den «Moloch Brüssel», die «Islamisierung» und die «Überfremdung» und ist daher für viele ein Held.

Längst verstecken sich die Autoren der hasserfüllten Kommentare nicht mehr hinter anonymen Internet-Identitäten. So wie der 23-jährige Donny Bonsink, der die Facebook-Aktion gegen die schwarze Politikerin startete. Manche Kommentare gingen zu weit, räumte er jetzt ein. «Aber gerade jetzt ist es wichtig, eine Faust zu machen, für die Zukunft der Niederlande.»

Dutch Parliamentarian Geert Wilders speaks at the Muhammad Art Exhibit and Contest sponsored by the American Freedom Defense Initiative in Garland, Texas in this May 3, 2015 file photo. Right-wing politician Wilders appeared in court in Amsterdam on March 18, 2016 for the start of his trial on charges of discrimination and inciting hatred against the Dutch Moroccan minority.  REUTERS/Mike Stone/Files

Rechtspopulist Geert Wilders.
Bild: MIKE STONE/REUTERS

«Rassismus sitzt tief»

Doch es ist nicht nur ein rechter Pöbel, der im Internet sein Unwesen treibt. Das erfuhr der prominente Rapper Typhoon jetzt am eigenen Leibe. Er wurde in der Hansestadt Zwolle mit seinem Auto von der Polizei gestoppt.

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Fetter Sound! «Hemel Valt» von Typhoon. YouTube/TopNotch

«Sein junges Alter und ein nagelneues Auto» waren die Gründe, räumte ein Polizeisprecher ein. «Aber auch seine Hautfarbe spielte eine Rolle.» Der schwarze Musiker ist 31 Jahre alt und trat erst vor vier Wochen vor dem Königspaar auf – und einem Millionenpublikum live im Fernsehen.

«Rassismus sitzt tief und das schon lange», kommentierte die Amsterdamer Tageszeitung «Het Parool». Schwarze Niederländer und Zuwanderer spüren das täglich: Von abfälligen Blicken in der Metro bis zur vergeblichen Jobsuche. Auch ein Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen stellte 2015 Rassismus in den Niederlanden fest.

Bild

Die niederländischen Kolonien im Pazifik 1939.
bild: wikicommons/emok

Viele Niederländer beschämt

Der Fall Simons beschämt nun viele Niederländer. Doch die meisten wollen nach Umfragen nichts vom Rassismusvorwurf wissen: Schliesslich ist die holländische Toleranz fast schon sprichwörtlich bekannt.

Seit Jahrhunderten ist das Land ein Zufluchtsort für Andersdenkende und -gläubige. Menschen aus über 180 Kulturen leben friedlich zusammen. Als erstes Land der Welt gestattete es die Homo-Ehe, erlaubte weiche Drogen und die aktive Sterbehilfe.

Die Niederlande waren lange ein Vorbildland für andere, der Trendsetter. Rassismus? Das gab es in Südafrika oder den USA – doch nicht bei uns, ist noch immer die Überzeugung der meisten weissen Niederländer. «Wir haben es immer geleugnet mit dem Hinweis auf unsere Toleranz», sagt die Professorin für Sozialgeschichte an der Universität Leiden, Marlou Schrover. «Aber so tolerant sind wir nicht.»

(sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Stachanowist 31.05.2016 16:18
    Highlight Highlight Watson könnte mal einen grösseren Artikel zu Denk schreiben, das wäre interessant. Hier ein paar Startinfos:

    - unterstützt die Repressalien gegen die Medien in der Türkei

    - duldet keine Kritik an Erdogan

    - den Genozid an den Armeniern als solchen zu benennen ist tabu

    - die Lage der Migranten in den Niederlanden setzt Denk der Lage der Juden in Nazideutschland gleich
  • Stellklaus 31.05.2016 16:08
    Highlight Highlight Mhm war das nicht die Anti-Israel pro Erdogan Partei, deren Hauptklientel Migranten sind und die irgendwelche Verschwörungstheorien von wegen systematischem Rassismus verbreiten?

    Unter anderem schlagen sie ein Register vor in welches Beamten eingetragen werden sollen welche sich zb "islamfeindlich" äussern. Zudem soll uA arabisch oder türkisch Pflichtfach in holländischen Schulen werden.

    Welt Artikel dazu: http://www.welt.de/politik/ausland/article155649010/Europa-hat-jetzt-eine-erste-reine-Migrantenpartei.html
  • simiimi 31.05.2016 15:33
    Highlight Highlight Mit ein Grund für den Shitstorm dürfte wohl auch sein, dass die Denk-Partei den Sozialmissbrauch propagiert, dem Sultan am Bosporus huldigt und den Propheten Mohammed von der Meinungsfreiheit ausgenommen sieht.
    • jogli5er 31.05.2016 16:38
      Highlight Highlight Das ist durchaus möglich, rechtfertigt für mich aber die rassistischen Bemerkungen nicht. Schlussendlich kann man mit Leuten die eine andere Position einnehmen auch diskutieren. Sollte die von Sylvana Simons eingenommene politische Position ebenfalls extremistische Züge aufweisen, so sind diese auch zu verurteilen. Allerdings auf sachlicher Ebene.
    • stiberium 31.05.2016 16:48
      Highlight Highlight Ich denke solche Entwicklungen werden wir noch mehr sehen. Irgendwann werden wir uns fragen wer wohl zuerst war, das Huhn oder das Ei. Lange wird es 'Denk' nicht geben, denk ich mal.
    • simiimi 31.05.2016 17:25
  • pulcherrima* 31.05.2016 15:09
    Highlight Highlight Es ist erschreckend , wie Rassismus und Xenophobie in Europa immer salonfähiger wird. Jeder lernt über den Faschismus in der ersten Hälfte des 20. Jh. und viele sehen den Film "die Welle" und wohl die meisten sagen selber, so etwas könnte sich nie wiederholen. Die aktuellen Strömungen in Europa scheint das Gegenteil zu beweisen.
    • Gantii 31.05.2016 16:42
      Highlight Highlight wer den film die welle gesehen hat und sagt 'sowas könnte sich nie wiederholen' hat wohl nicht viel von der aussage des filmes mitgenommen....
    • pulcherrima* 31.05.2016 17:25
      Highlight Highlight Da geb' ich dir recht, dennoch haben die meisten wohl das Gefühl, sie würden anders reagieren, wenn es zu einer tatsächlichen Situation kommen sollte.
  • Sputnik_72 31.05.2016 14:53
    Highlight Highlight Nebst der Tatsache, dass das Verhalten der Niederländer beschämed (aber typisch für die Westeuropäer) ist, werde ich aus der Karte mit den Kolonien nicht ganz schlau.
    Geht ja um Surinam und das liegt auf der anderen Seite des Globus, sprich in der Karibik.

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