Wirbel um Yachtausflug von US-Botschafter – Milliardär will in Venedig anlegen
In Venedig gibt es Protest gegen einen Besuch des amerikanischen Botschafters. Denn Tilman Fertitta, der seinen Posten in Rom US-Präsident Donald Trump zu verdanken hat, will mit seiner 450 Millionen Dollar teuren Superyacht anreisen.
Das fünfstöckige Luxusschiff «Boardwalk» soll im Juli bei einem Fest in der Lagunenstadt anlegen. Seit der prunkvollen Hochzeit von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der ebenfalls per Yacht anreiste, gibt es aber in Venedig eine Bewegung gegen private Luxusschiffe in der Stadt.
Proteste schon gegen Bezos-Hochzeit
Ferrita wollte den Besuch als Teil einer diplomatischen Initiative durchführen, die den 250. Geburtstag der USA den Italienern nahebringen soll. Seine «Freedom 250 Tour» begann am 13. Juni in Civitavecchia und umfasst neben Venedig Stationen in Neapel, Genua, Palermo und Cefalù.
Doch nun muss er mit Störungen rechnen. Bei der Hochzeit von Bezos hatten Aktivisten damit gedroht, aufblasbare Krokodile ins Wasser zu werfen und so die Veranstalter gezwungen, den Empfang der Feierlichkeiten zu verlegen. Diese Aktion könnte wiederholt werden, soll ein Aktivist beim Vorbereitungstreffen am Samstag vorgeschlagen haben.
«Letztes Jahr haben wir die Hochzeitsfeier von Jeff Bezos und Lauren Sánchez Bezos vermasselt – dieses Jahr vermasseln wir die Rundreise des Botschafters!», sagte Stella Faye, eine 28-jährige Forscherin und Aktivistin, am Donnerstag bei einem Treffen von etwa 40 Demonstranten, berichtet der «The Guardian».
Verstellt die Yacht den Blick aufs Feuerwerk?
Die Aktivisten befürchten, dass Fertitta plant, anlässlich der «Festa del Redentore» – einer der wichtigsten Traditionen der Stadt und wohl auch ihres grössten Festes – im historischen Zentrum von Venedig anzulegen. Teil der Feierlichkeiten ist ein Feuerwerk, das unter anderem von einer provisorischen schwimmenden Brücke aus zu sehen ist, die jedes Jahr aufgebaut wird. Die Sorge der Protestler: Seine 32 Meter hohe und 117 Meter lange Yacht könnte einigen Besuchern den Blick verstellen.
Laut der Webseite der Hafenbehörde von Venedig, die Anfragen zur Anlegestelle für Yachten bearbeitet, befinden sich die zentralen Anlegeplätze für ein Boot dieser Grösse vor der Punta della Dogana – gegenüber der Redentore-Kirche – oder an der Riva dei Sette Martiri, einem beliebten Aussichtspunkt für Einheimische.
Beziehungen zwischen USA und Italien sind angespannt
«Wenn die Stadt dieser Yacht die Einfahrt nach Venedig gestatten würde, wäre das ein Schlag ins Gesicht für die Venezianer», sagte Giulia Cacopardo, eine 29-jährige Aktivistin und Kulturkoordinatorin, laut «Guardian». «In einer Stadt, in der die Lebensqualität am Boden liegt, weil es keine Wohnmöglichkeiten und nur wenige Arbeitsplätze gibt, gibt es Milliardäre, die glauben, sie könnten tun, was sie wollen. Das zeigt die Arroganz des Geldes – zu einer Feier für Bürger zu kommen, von denen man wahrscheinlich gar nichts weiss.»
Für Botschafter Fertitta, dessen Vermögen auf 12 Milliarden Dollar (9.7 Milliarden Franken) geschätzt wird und der unter anderem das NBA-Team Houston Rockets besitzt, kommt der Protest zur Unzeit. Denn die Beziehungen zwischen Italien und den USA sind gespannt.
Erst kritisierte Donald Trump die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, weil sie US-Flugzeugen im Iran-Krieg Landerechte verweigerte. Dann behauptete er, sie habe ihn um ein Selfie angefleht, was die Italienerin vehement zurückwies. «Weder ich noch Italien werden jemals flehen», sagte sie. Fertitta versuchte den Eklat herunterzuspielen und sagte am Mittwoch in einem Interview im italienischen Fernsehen, dass beide Regierungschefs am gleichen Strang ziehen würden.

