International
Rassismus

FPÖ provoziert mit «Ratten-Gedicht» – Kanzler Kurz: «abscheulich»

FPÖ zieht mit «Ratten-Gedicht» über Migranten her – Kanzler Kurz: «abscheulich»

22.04.2019, 16:0922.04.2019, 16:09

In Österreich deutet sich erneut Streit zwischen den Koalitionsparteien ÖVP und FPÖ an. Die rechte FPÖ hat zu Ostern in Braunau in Oberösterreich ein Parteiblatt verteilt, in dem in einem Gedicht Menschen mit Ratten verglichen und über Migranten hergezogen wird.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) reagierte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA empört. «Die getätigte Wortwahl ist abscheulich, menschenverachtend sowie zutiefst rassistisch und hat in Oberösterreich und im ganzen Land nichts verloren», sagte Kurz der APA.

«Es braucht sofort und unmissverständlich eine Distanzierung und Klarstellung durch die FPÖ Oberösterreich.» Oberösterreichs Landeschef Thomas Stelzer (ÖVP), der in dem Bundesland mit der FPÖ zusammenarbeitet, bezeichnete das Gedicht als «widerlich».

Im Gedicht «... die Stadtratte (Nagetier mit Kanalisationshintergrund)» heisst es unter anderem:

«So, wie wir hier unten leben,/ müssen and're Ratten eben,/ die als Gäst' oder Migranten,/ auch die, die wir noch gar nicht kannten,/ die Art zu leben mit uns teilen!/ Oder rasch von dannen eilen!» An anderen Stellen wird in dem Gedicht vor einer Vermischung von Kulturen gewarnt, ebenfalls beklagt werden Willkommenskultur und Investitionen für Integrationsmassnahmen.

Der laut Impressum verantwortliche Braunauer FPÖ-Stadtrat Hubert Esterbauer sagte der österreichischen Tageszeitung «Der Standard», dass er das Gedicht nicht selbst verfasst habe. Der Vergleich mit Ratten sei heikel und problematisch, räumte Esterbauer demnach ein.

Die ÖVP-FPÖ-Koalition in Wien war im ersten Jahr ihres Bestehens vor allem durch demonstrative Geschlossenheit aufgefallen. Zuletzt sorgten aber bereits Verbindungen zwischen der FPÖ und den «Identitären» für Ärger. Kanzler Kurz forderte damals, dass sein Koalitionspartner sämtliche Verbindung zu der Bewegung kappen solle. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Marion Maréchal-Le Pen: Nachwuchsstar der Rechtsextremen in Frankreich
1 / 8
Marion Maréchal-Le Pen: Nachwuchsstar der Rechtsextremen in Frankreich
Marion Maréchal-Le Pen ist Frankreichs jüngste Abgeordnete und der Nachwuchsstar der Rechtsextremen.
quelle: x00222 / robert pratta
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Wahnsinn»: Reaktionen auf Trumps Verteidigung der «Alt Right»
Video: watson
Gen-Z-Proteste: Das Feindbild Merz eint eine Jugend ohne Hoffnung
Wie in Frankreich demonstrieren nun auch in Deutschland Schüler und Studenten. Vor allem das Gefühl der Perspektivlosigkeit treibt sie auf die Strasse. Vereinzelt kommt es zu Krawallen.
Pariser Zustände vor Augen, haben sich viele Ladengeschäfte auf dem Berliner Kurfürstendamm auf das Schlimmste eingestellt: Vernagelte Schaufenster sieht, wer am Samstag über den Prachtboulevard im Westen der deutschen Hauptstadt läuft; vor allem im Hochpreissegment, bei Rolex, Yves Saint Laurent oder Hermès, befürchtet man offenbar Plünderungen.
Zur Story