Du willst dich wie Mutter Teresa heiligsprechen lassen? Dann musst du diese 6 Fakten kennen
In der katholischen Kirche werden Heilige und Selige wegen ihres gottergebenen Lebens schon zu Lebzeiten verehrt. Auch nach dem Tod sollen Gläubige sie durch ihr Gebet um Hilfe bitten können.
Zuerst kommt die Seligsprechung
Damit jemand einen Heiligenstatus erlangen kann, muss er zunächst seliggesprochen werden. Selige werden in der Regel nur in regionalen Gemeinschaften oder Diözesen verehrt, Heilige haben hingegen eine Bedeutung für die katholische Kirche weltweit.
In der Regel wird die Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod in die Wege geleitet. Mutter Teresa war eine Ausnahme, ihr Verfahren wurde bereits zwei Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1997 angestossen.
Johannes Paul II. sprach sie am 19. Oktober 2003 selig, schneller als sonst üblich. Manche Heiligsprechungen dauerten mehrere Jahrhunderte, da das kirchliche Verfahren zur Anerkennung über viele Instanzen geht.
Hunderttausende Pilger verfolgten bei Sonnenschein die Zeremonie auf dem Petersplatz und applaudierten. Die Heiligsprechung ist eine der schnellsten in der Geschichte der katholischen Kirche. Bereits 2003 war Mutter Teresa seliggesprochen worden.
Dennoch ist Mutter Teresa nicht unumstritten, ihre Zweifel an Gott, die nach ihrem Tod bekannt wurden, wie auch die Zustände in ihren Heimen wurden oft kritisiert. Andere werfen Mutter Teresa vor, nur die Symptome der Armut behandelt zu haben. (sda)
Man sollte vom Volk verehrt werden
Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählt, wer vom Volk verehrt wird.
Der zuständige Bischof muss einen Antrag stellen
Um den offiziellen Weg zur Seligsprechung einzuläuten, muss der zuständige Bischof erst einen Antrag stellen.
Tugendhaftigkeit ist Pflicht
Dann beginnt das aufwendige Verfahren: Familienangehörige, Freunde und Zeitzeugen werden befragt, Schriftstücke ausgewertet. Ausserdem wird überprüft, ob das Leben im «Rufe der Heiligkeit» und der Tugendhaftigkeit gestanden hat.
Wer kein Märtyrer ist war, muss Wunder vorweisen
Handelt es sich nicht um einen «Märtyrer» – also jemanden, der für seinen Glauben gestorben ist –, muss ausserdem ein Wunder nachgewiesen werden.
Als Beleg werden oft medizinische Fälle herangezogen, deren Heilung auf den Kandidaten zurückgeführt wird. Der Betroffene muss nachgewiesen unheilbar krank gewesen, die Heilung medizinisch nicht erklärbar sein. Für die Heiligsprechung ist ein weiteres Wunder nötig.
Das letzte Wort hat der Papst
Für die Selig- und Heiligsprechung gibt es im Vatikan eine eigene Kongregation, die auf Grundlage aller Informationen eine Empfehlung an den Papst ausspricht. Am Schluss entscheidet er, ob jemand den Status erhält.
Papst Johannes Paul II. sprach in seiner Amtszeit 482 Menschen heilig, so viele waren in den 500 Jahren zuvor zusammen heiliggesprochen worden. Benedikt XVI. kam auf 45.
Bei Franziskus sind es inzwischen auch mehrere Hundert, darunter allerdings alle 813 Einwohner des süditalienischen Otrento, die nach einem Osmanenangriff im Jahr 1480 hingerichtet worden waren.
Die Heiligsprechung kostet ziemlich viel Geld
Eine Heiligsprechung ist auch mit immensen Kosten verbunden. Inoffizielle Schätzungen gehen von mehreren zehntausend bis mehreren hunderttausend Euro aus.
Die Kosten sind abhängig vom Umfang der Untersuchungen, der Anzahl der Gutachter, Historiker und Theologen sowie der Zeremonie. Eine Heiligsprechung mit einer Feierlichkeit auf dem Petersplatz soll laut Medienberichten unter Berufung auf US-amerikanische Geistliche rund 250'000 Dollar kosten.
(sda/dpa)
