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Swiss Guards stand in front of a tapestry depicting Mother Teresa of Calcutta before a mass, celebrated by Pope Francis, for her canonisation in Saint Peter's Square at the Vatican September 4, 2016. REUTERS/Stefano Rellandini

Schweizer Gardisten in Rom, vor einem Bildnis des neusten Popstars der katholischen Kirche. Bild: STEFANO RELLANDINI/REUTERS

Du willst dich wie Mutter Teresa heiligsprechen lassen? Dann musst du diese 6 Fakten kennen

Papst Franziskus hat am Sonntag die albanische Ordensfrau vor hunderttausenden Gläubigen in Rom heiliggesprochen. Aber wie wird man eigentlich eine offiziell anerkannte Heilige respektive ein Heiliger?



In der katholischen Kirche werden Heilige und Selige wegen ihres gottergebenen Lebens schon zu Lebzeiten verehrt. Auch nach dem Tod sollen Gläubige sie durch ihr Gebet um Hilfe bitten können.

Zuerst kommt die Seligsprechung

Damit jemand einen Heiligenstatus erlangen kann, muss er zunächst seliggesprochen werden. Selige werden in der Regel nur in regionalen Gemeinschaften oder Diözesen verehrt, Heilige haben hingegen eine Bedeutung für die katholische Kirche weltweit.

In der Regel wird die Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod in die Wege geleitet. Mutter Teresa war eine Ausnahme, ihr Verfahren wurde bereits zwei Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1997 angestossen.

Johannes Paul II. sprach sie am 19. Oktober 2003 selig, schneller als sonst üblich. Manche Heiligsprechungen dauerten mehrere Jahrhunderte, da das kirchliche Verfahren zur Anerkennung über viele Instanzen geht.

Popstar der katholischen Kirche

Papst Franziskus hat am Sonntag die albanische Ordensfrau Mutter Teresa heiliggesprochen. Der Pontifex verlas in einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom die entsprechende Formel und nahm sie in das Verzeichnis der Heiligen auf. Die als «Engel der Armen» berühmt gewordene Friedensnobelpreisträgerin kann damit knapp 20 Jahre nach ihrem Tod weltweit als Heilige verehrt werden. Der Spiegel bezeichnet sie als ersten Popstar der katholischen Kirche.

Hunderttausende Pilger verfolgten bei Sonnenschein die Zeremonie auf dem Petersplatz und applaudierten. Die Heiligsprechung ist eine der schnellsten in der Geschichte der katholischen Kirche. Bereits 2003 war Mutter Teresa seliggesprochen worden.

Dennoch ist Mutter Teresa nicht unumstritten, ihre Zweifel an Gott, die nach ihrem Tod bekannt wurden, wie auch die Zustände in ihren Heimen wurden oft kritisiert. Andere werfen Mutter Teresa vor, nur die Symptome der Armut behandelt zu haben. (sda)

Man sollte vom Volk verehrt werden

Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählt, wer vom Volk verehrt wird.

epa05523263 Crowds wait to be let in for the canonization ceremony of Mother Teresa in St. Peter's Square at the Vatican, 04 September 2016. The Mother Teresa of Calcutta canonization ceremony will take place on 04 September 2016. Mother Teresa was born Agnes Gonxha Bojaxhiu on 26 August 1910 to Albanian parents in Skopje, Macedonia. She began her missionary work with the poor in Calcutta in 1948, and won the Nobel Peace Prize in 1979. Following her death in 1997 she was beatified by Pope John Paul II and given the title Blessed Teresa of Calcutta.  EPA/GIORGIO ONORATI

Campieren vor der sonntäglichen Heiligsprechung in Rom. Bild: EPA/ANSA

Der zuständige Bischof muss einen Antrag stellen

Um den offiziellen Weg zur Seligsprechung einzuläuten, muss der zuständige Bischof erst einen Antrag stellen.

Tugendhaftigkeit ist Pflicht

Dann beginnt das aufwendige Verfahren: Familienangehörige, Freunde und Zeitzeugen werden befragt, Schriftstücke ausgewertet. Ausserdem wird überprüft, ob das Leben im «Rufe der Heiligkeit» und der Tugendhaftigkeit gestanden hat.

Wer kein Märtyrer ist war, muss Wunder vorweisen

Handelt es sich nicht um einen «Märtyrer» – also jemanden, der für seinen Glauben gestorben ist –, muss ausserdem ein Wunder nachgewiesen werden.

Als Beleg werden oft medizinische Fälle herangezogen, deren Heilung auf den Kandidaten zurückgeführt wird. Der Betroffene muss nachgewiesen unheilbar krank gewesen, die Heilung medizinisch nicht erklärbar sein. Für die Heiligsprechung ist ein weiteres Wunder nötig.

A Missionaries of Charity nun greets Pope Francis upon his arrival in St. Peter's Square at the Vatican for a jubilee audience for workers and volunteers of mercy, Saturday, Sept. 3, 2016. The square hosts a ceremony Sunday expected to draw hundreds of thousands of admirers of Mother Teresa, a nun who before her death in 1997, cared for the destitute who were dying in the streets of India. (L'Osservatore Romano/Pool Photo via AP)

Bei solch wichtigen Anlässen kommt der «Chef» im Papamobil. Bild: AP/L'Osservatore Romano

Das letzte Wort hat der Papst

Für die Selig- und Heiligsprechung gibt es im Vatikan eine eigene Kongregation, die auf Grundlage aller Informationen eine Empfehlung an den Papst ausspricht. Am Schluss entscheidet er, ob jemand den Status erhält.

Papst Johannes Paul II. sprach in seiner Amtszeit 482 Menschen heilig, so viele waren in den 500 Jahren zuvor zusammen heiliggesprochen worden. Benedikt XVI. kam auf 45.

Bei Franziskus sind es inzwischen auch mehrere Hundert, darunter allerdings alle 813 Einwohner des süditalienischen Otrento, die nach einem Osmanenangriff im Jahr 1480 hingerichtet worden waren.

Die Heiligsprechung kostet ziemlich viel Geld

Eine Heiligsprechung ist auch mit immensen Kosten verbunden. Inoffizielle Schätzungen gehen von mehreren zehntausend bis mehreren hunderttausend Euro aus.

Die Kosten sind abhängig vom Umfang der Untersuchungen, der Anzahl der Gutachter, Historiker und Theologen sowie der Zeremonie. Eine Heiligsprechung mit einer Feierlichkeit auf dem Petersplatz soll laut Medienberichten unter Berufung auf US-amerikanische Geistliche rund 250'000 Dollar kosten.

epa05521451 A picture of Mother Teresa lies among rosaries for sale in a gift shop near Mother House one day ahead of canonization ceremony for Mother Teresa, in Calcutta, India, 03 September 2016. Mother Teresa of Calcutta canonization ceremony will take place on 04 September 2016 at the Vatican. Mother Teresa was born Agnes Gonxha Bojaxhiu on 26 August 1910 to Albanian parents in Skopje, Macedonia. She began her missionary work with the poor in Calcutta in 1948, and won the Nobel Peace Prize in 1979. Following her death in 1997 she was beatified by Pope John Paul II and given the title Blessed Teresa of Calcutta.  EPA/PIYAL ADHIKARY

Heiligsprechungen sind immer auch ein gutes Geschäft für Souvenir-Verkäufer. Bild: PIYAL ADHIKARY/EPA/KEYSTONE

(sda/dpa)

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