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Die Demonstranten wollten die Amtseinführung von Joanikije in Cetinje verhindern.
Die Demonstranten wollten die Amtseinführung von Joanikije in Cetinje verhindern.
Bild: keystone

Heftige Unruhen in Montenegro wegen Weihe von neuem Kirchenführer

05.09.2021, 12:0005.09.2021, 15:32

Begleitet von Unruhen, Protesten und Strassenkämpfen ist am Sonntag der neue serbisch-orthodoxe Kirchenführer in Montenegro geweiht worden. 1800 Polizisten schützten die Zeremonie im Kloster der historischen Hauptstadt Cetinje. Der montenegrinische Metropolit Joanikije und sein Oberhaupt, der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije, erreichten und verliessen das Kloster im Hubschrauber.

Die Demonstranten wollten die Amtseinführung von Joanikije in Cetinje verhindern. Sie errichteten Blockaden an den Zufahrten nach Cetinje und lieferten sich vor dem Kloster Strassenschlachten mit der Polizei, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur dpa beobachtete. Die Demonstranten warfen Steine gegen die Polizisten, diese antworteten mit Tränengas. Auch die Blockaden löste die Polizei gewaltsam auf. 16 Personen wurden festgenommen oder verhaftet, sieben Polizisten verletzt, berichtete das Nachrichtenportal «vijesti.me».

Joanikije Mićović (links) neben dem Patriarch Porfirije.
Joanikije Mićović (links) neben dem Patriarch Porfirije.
Bild: keystone

Bei den Demonstranten handelte es sich um Anhänger der staatlichen Unabhängigkeit Montenegros. Das kleine Balkanland war bis 1918 unabhängig, dann Teil verschiedener jugoslawischer Staatsgebilde, ehe es 2006 den damaligen Staatenbund mit Serbien verliess und erneut unabhängig wurde.

Die Frage der Identität spaltet die montenegrinische Bevölkerung. Die Anhänger der Unabhängigkeit empfanden in der Inthronisierung des neuen Metropoliten am Schauplatz Cetinje eine Machtdemonstration des proserbischen Lagers. Die Kleinstadt in etwa 40 Kilometer Entfernung von der heutigen Hauptstadt Podgorica gilt als Hochburg der Unabhängigkeitsidee.

Bild: keystone

Zugleich sind rund 30 Prozent der Montenegriner ethnische Serben. Weit mehr Menschen bekennen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche. Ihre Spitze residiert in Serbien, sie erkennt die staatliche Identität Montenegros nicht an. (sda/dpa)

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