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Kein McDonald's mehr in Russland – dabei war der Start so vielversprechend

McDonald's ist anscheinend ein Gradmesser für das Verhältnis zwischen Ost und West: 1990 eröffnete die erste Filiale im damaligen Sowjetrussland. Nun hat sich die amerikanische Fast-Food-Kette definitiv aus Russland zurückgezogen. Ein Rückblick – und ein Ausblick.
17.05.2022, 13:4217.05.2022, 15:18

Nach über 30 Jahren Макдо́налдс ist Schluss mit Big Mac und Co. in Russland: Am Montag wurde bekannt, dass der amerikanische Fast-Food-Gigant McDonald's sich komplett aus Russland zurückziehen werde. Der US-Konzern wolle seine 850 Filialen in Russland an einen russischen Käufer abgeben. Dieser werde auch die 62'000 Angestellten übernehmen.

Die Filialen sind bereits seit dem 8. März geschlossen. Eine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Der Rückzug des amerikanischsten vom Amerikanischen ist ein Symbol für die Spannungen zwischen Putin und dem Westen.

Franchise-Filialen waren am vergangenen Wochenende allerdings weiterhin geöffnet und profitierten von der sprunghaft ansteigenden Popularität von McDonald's. Lange Schlangen waren vor dem Franchise-Restaurant im Moskauer Leningrader Bahnhof zu sehen.

Nach erfolgreichem Anstehen schreibt ein junger Russe genervt auf Twitter:

Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr etwa 9 Prozent oder 2 Milliarden US-Dollar seines Umsatzes in Russland und der Ukraine.

Dabei begann alles so vielversprechend.

Die McDonald's-Ikone am Puschkin-Platz

Im Jahr 1990 eröffnete nach mehreren Jahren Planung die erste Filiale der Burger-Kette in Russland – mitten auf dem Puschkin-Platz im Zentrum Moskaus. Diese Filiale sei «das Symbol für das Auftauen der Spannungen nach dem Kalten Krieg» gewesen, schreibt Reuters nostalgisch.

Denn für Millionen Menschen in der Sowjetunion sei es plötzlich möglich gewesen, amerikanische Speisen und Getränke zu probieren.

Ein CBC-Bericht über den Tag der Eröffnung:

Die Moskauer McDonald's-Filiale war die grösste Filiale weltweit zu dieser Zeit: 900 Plätze, 600 Angestellte. 35'000 hätten sich um einen Job beworben bei der Eröffnung der Filiale, schreibt die «Washington Post».

Über 30'000 Menschen sollen am Tag der Eröffnung durch die Türen gekommen sein.

Auch Boris Jelzin, der später zum ersten demokratisch gewählte Staatsoberhaupt in der Geschichte Russlands wurde, besuchte bei der Eröffnung den McDonald's am Puschkin-Platz. 1990 amtierte Jelzin noch als 1. Sekretär des Stadtkomitees von Moskau und Kandidat des Politbüros. Ein strammer Genosse im kapitalistischen Konsumtempel, also.

Boris Jelzin schüttelt bei der ersten Eröffnung eines McDonald's in Russland Hände.
Boris Jelzin schüttelt bei der ersten Eröffnung eines McDonald's in Russland Hände.Screenshot: www.boredpanda.com

Obwohl die Kosten für einen Burger um ein Vielfaches höher waren als das Tagesbudget vieler Stadtbewohner, zeugen alte Fotos davon, dass der Ansturm auf die amerikanischen Sandwiches nicht abebbte nach der Eröffnung, weiss Reuters. Stundenlang standen die Leute in der Schlange – bei Regen und Sonne.

Der McDonald's in Moskau im Februar 1992

Die Schlange war auch zwei Jahre nach der Eröffnung ziemlich lang.
Die Schlange war auch zwei Jahre nach der Eröffnung ziemlich lang.Bild: keystone/EPA/DIMA KOROTAYEV

Doch lange müssen die Russen wohl nicht auf das gelbe M auf rotem Grund verzichten, denn eine russische Fastfood-Kette hat bereits am 12. März bei der russischen Regierung eine Markenanmeldung eingereicht – das Logo sieht verdächtig nach «Макдо́налдс» aus: der kyrillische Buchstabe für den Laut «W». Darunter der Name des neuen Lokals: «Onkel Wanja»:

Bild: Screenshot www.new.fips.ru/

In Russland bestellt man einen Big Mak …

Moskau, 2009.
Moskau, 2009.Bild: Imago

… im «Mak-Awto».

Moskau, 2009.
Moskau, 2009.Bild: Imago
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Der McDonald's im olympischen Dorf – ein Hotspot

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Päule Freundt
17.05.2022 14:16registriert März 2022
Als Макдо́налдс seine erste Filiale in der Sowjetunion eröffnete, dachte man an einen Zukunftsmarkt. Nun zeigt sich, dass sich Russland wirtschaftlich rückwärts bewegt. Welcher Investor will noch in einen Markt ohne Perspektiven investieren?
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Ehringer
17.05.2022 14:11registriert Februar 2015
Einfach so eine Kleinigkeit zum ersten Tweet: Ob der "EestyFemboy" mit estischer und lettischer Flagge in seinem Namen tatsächlich ein "junger Russe" ist, wage ich zu bezweifeln ;)
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Lafayet johnson
17.05.2022 15:55registriert Juli 2020
Jetzt wollte ich gerade einen russenwitz machen, aber jemand Stalingrad 😁
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