Moskau spricht von Treffer auf Flamingo-Fabrik Fire Point – Ukraine trifft Raffinerien
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es sei eine Produktionsstätte getroffen worden, die Teile und Sprengköpfe für den ukrainischen Marschflugkörper FP-5 Flamingo herstelle. Ausserdem sei ein Treibstofflager vernichtet worden, das die ukrainische Armee beliefere.
Belege für diese Darstellung lieferte die russische Seite nicht. Fire Point ist mit dem Marschflugkörper Flamingo, der Langstreckendrohne FP-1 und der Mittelstreckendrohnen FP-2 einer der wichtigsten einheimischen Lieferanten der ukrainischen Armee.
Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf Telegram von Berichten über brennende Öltanks im Stadtteil Obolon. Schwerpunkt des Luftangriffs mit Raketen und Kampfdrohnen war nach ukrainischen Angaben wie schon am Donnerstag der Vorort Browary mit seinen Logistikzentren. Drei Menschen wurden nach Behördenangaben getötet, aber nicht in Browary, sondern weit ausserhalb im Dorf Puchiwka, wo eine Drohne das Wohnhaus einer Familie traf.
Ukrainische Drohnenangriffe treffen zwei Raffinerien
Das russische Militär meldet aus der Nacht einen grossangelegten Drohnenangriff der Ukraine. Bis zum Morgen seien knapp 400 Drohnen abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Bis in die Vormittagsstunden seien weitere mehr als 80 feindliche Fluggeräte geortet und unschädlich gemacht worden. Solche Militärangaben sind nicht unabhängig überprüfbar, die genannte Zahl lässt aber auf einen intensiven Angriff schliessen.
Berichten russischer und ukrainischer Telegramkanäle zufolge wurde die Ölraffinerie von Sysran an der Wolga im Gebiet Samara getroffen. Die Gebietsverwaltung bestätigte nur einen Brand in einem nicht genannten Industriebetrieb. Die Raffinerie von Sysran, Luftlinie mehr als 900 Kilometer von der Ukraine entfernt, ist schon mehrmals angegriffen und beschädigt worden.
Einen zweiten Treffer gab es demnach auf die Raffinerie von Ilski im südrussischen Gebiet Krasnodar. Die Ukraine versucht mit den systematischen Angriffen auf die russische Ölindustrie den gegnerischen Treibstoffnachschub zu stören und den Kreml von seiner Haupteinnahmequelle abzuschneiden.
Kriegsparteien schweigen zu Treffern auf Militärobjekte
Angaben zu Wirksamkeit von Angriffen und der Abwehr dieser sind in dem Krieg oft schwer verifizierbar. Insbesondere bei russischen Angaben fehlen oft verlässliche Möglichkeiten zur Überprüfung der Berichte. Die russische Armee listet seit einiger Zeit die angeblichen militärischen oder militärindustriellen Ziele ihrer Luftangriffe auf. Überprüfen lässt sich dies in den vielen Fällen ebenfalls nicht.
Wenn es solche Treffer gibt, ist es Informationspolitik der Ukraine, darüber hinwegzugehen. Aufgezählt werden Einschläge in zivile Objekte wie Wohnhäuser, Betriebe, Geschäfte oder Sozialeinrichtungen. Umgekehrt sprechen auch russische Behörden nur vage von abgestürzten Drohnenteilen in nicht näher bezeichneten Industriebetrieben, wenn es wahrnehmbare Grossbrände beispielsweise in Raffinerien gibt.
(sda/dpa/con)
