Satellitenbilder zeigen russische Aufrüstung an Nato-Grenze – Experten warnen
Von Nordnorwegen bis an die Grenze Litauens sollen neue Stützpunkte entstehen und bestehende Militärbasen ausgebaut werden. Das berichten der dänische Sender DR und mehrere von ihm befragte Militär- und Geheimdienstvertreter aus Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark.
Die Satellitenbilder zeigen demnach verstärkte Aktivitäten in Regionen, die im Falle einer militärischen Eskalation zwischen Russland und der Nato zu den ersten Konfliktzonen gehören würden.
Platz für zehntausende zusätzliche Soldaten
Der ehemalige finnische Geheimdienstoffizier Marko Eklund geht davon aus, dass Russland bereits Vorbereitungen trifft, um nach einem Ende des Ukraine-Kriegs grosse Truppenkontingente an die Nato-Grenze zu verlegen.
Nach seinen Angaben könnten dort künftig rund 115'000 Soldaten stationiert werden, die überwiegende Mehrheit davon Kampfsoldaten.
«Russland schafft Platz für zehntausende zusätzliche Soldaten», sagte Eklund gegenüber DR.
«Die nächsten Jahre sind die gefährlichsten»
Mehrere von DR zitierte Quellen aus Militär und Geheimdiensten sehen die kommenden Jahre als besonders kritisch an. Die nächsten ein bis drei Jahre seien die «absolut gefährlichsten», wenn es um das Risiko einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und der Nato gehe.
Der Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, Thomas Nilsson, bezeichnete die Entwicklung als ernstzunehmende Bedrohung.
«Es handelt sich sehr wohl um eine Bedrohung, die wir ernst nehmen sollten», sagte er.
Ostsee zunehmend im Fokus
Bereits heute häufen sich Zwischenfälle im Ostseeraum. Nato-Staaten melden regelmässig GPS-Störungen, aggressive Flugmanöver russischer Kampfflugzeuge und verdächtige Aktivitäten in der Nähe kritischer Infrastruktur wie Windparks, LNG-Terminals oder Militäranlagen.
Zudem beobachten die Anrainerstaaten verstärkt Cyberangriffe und Drohnenaktivitäten. Russische Militärübungen in Kaliningrad simulierten zuletzt unter anderem die Blockade der Ostsee und Angriffe auf Nato-Gebiet.
Nato sieht eigene Schwächen
Nach Angaben von DR weisen Nato-Offiziere zugleich auf erhebliche Defizite bei den europäischen Streitkräften hin. Es fehle an Personal, Drohnen, Luftstreitkräften sowie Fähigkeiten im Bereich Weltraumtechnologie.
Ein von DR zitierter Nato-Offizier sagte, Europa verfüge derzeit nicht über genügend konventionelle Streitkräfte zu Land, zu Wasser und in der Luft, um sämtliche Herausforderungen abzudecken.
Russland weist Vorwürfe zurück
Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der russische Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, bezeichnete Spekulationen über einen möglichen Angriff auf Nato-Staaten gegenüber DR als «Lüge».
Mehrere der befragten Experten betonen denn auch, dass es derzeit keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff gebe. Die militärischen Vorbereitungen für eine mögliche spätere Konfrontation seien jedoch bereits deutlich erkennbar. (mke)
