Heisses Protest-Wochenende in Frankreich – Behörden in Alarmbereitschaft
Die aktuelle Krise trifft die französische Regierung in einer politisch äusserst schwierigen Phase, rund ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen.
Präsident Emmanuel Macron fordert rigorose Strafverfolgung. Gleichzeitig prüft die Regierung, eine Erhöhung des Mindestlohns vorzuziehen, um die Lage zu beruhigen.
Ausserdem hat die Regierung angekündigt, fehlende Lehrkräfte ersetzen und Schulhäuser renovieren zu wollen.
Anschlag am Vortag
Ein mutmasslich rassistisch motivierter Terrorangriff nahe Paris verschärft die Sicherheitslage zusätzlich – ein Mann erschoss einen Menschen und verletzte fünf weitere.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez hat 70'000 Sicherheitskräfte mobilisiert. In der Hauptstadt Paris wurde nur ein einziger Marsch bewilligt und die Route stark verkürzt.
In Lyon sind Demos im Stadtzentrum komplett untersagt, in Marseille ist nur eine einzige Kundgebung zugelassen. Ladenbesitzer verrammeln ihre Schaufenster.
Wut und existenzielle Sorgen
Die Protestierenden kommen aus einem breiten Bündnis unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Die Hauptgründe sind existenzielle Sorgen sowie die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und strukturellen Reformen.
Das Bündnis vereint auch klima- und agrarpolitische Anliegen. Neben der Forderung nach konsequentem Klimaschutz machen Bauern auf ihre prekäre finanzielle Situation nach einem extremen Dürresommer aufmerksam.
Gerade bei jungen Leuten richtet sich die Wut zunehmend auch gegen empfundene staatliche Repression. Das harte Vorgehen der Polizei bei vorherigen Schülerprotesten sowie Massenfestnahmen und zum Teil schwer verletzte Jugendliche haben die Mobilisierung weiter angefacht.
Der News-Ticker
Protest gegen rechtspopulistische Partei
Behörden in Alarmbereitschaft
(sda)
Die Vorgeschichte
Bei Demos mit bis zu 800'000 Teilnehmenden eskalierte am vergangenen Wochenende die Gewalt. Die Bilanz: 1200 Festnahmen und über 150 verletzte Polizisten. Randalierer plünderten Geschäfte, setzten Autos in Brand und zerstörten das über 140 Jahre alte Rathaus in Limoges.
Die rechtspopulistische US-Regierung nutzte die dramatischen Bilder und Videos für ihren eigenen Wahlkampf. Präsident Donald Trump und Vize JD Vance machten fälschlicherweise Migranten für die Ausschreitungen verantwortlich.
(dsc)
