International
Spanien

Zugunglück in Spanien: Opferzahl nach Beendigung der Suche weiter offen

Zugunglück in Spanien: Opferzahl nach Beendigung der Suche weiter offen

Zwei Tage nach der Zugkatastrophe in Spanien ist die Suche nach Opfern an der Unglücksstelle rund 130 Kilometer südlich von Madrid beendet.
30.10.2026, 15:5330.10.2026, 15:53

Dennoch könne man nicht ausschliessen, dass die derzeitige Zahl von 69 Todesopfern noch steige, sagte der Regierungschef der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, vor Journalisten.

A crane operates at the site of wrecked train carriages following a collision between two trains in Urda, Spain, Friday, Oct. 30, 2026. (AP Photo/Bernat Armangue)
Spain Train Crash
Bislang wurden 69 Tote nach dem Zugunglück in Spanien geborgen.Bild: keystone

Bei den 69 Toten handele es sich um vollständig geborgene Leichen. Es gebe aber darüber hinaus noch jede Menge menschliche Teilüberreste. Deren Identifizierung sei äusserst kompliziert. «Wir schliessen deshalb nicht aus, dass es weitere Todesopfer geben könnte.»

Todesopfer aus 27 verschiedenen Ländern

Unter den Todesopfern sind nach Angaben von Ministerpräsident Pedro Sánchez Menschen aus 27 verschiedenen Ländern. Die Regierung stehe mit allen betroffenen Konsulaten in Kontakt, um diese so schnell wie möglich zu informieren, sagte er auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit García-Page.

Die Gerichtsmediziner in Toledo arbeiteten daran, die Toten so schnell wie möglich zu identifizieren. Bislang wurden nach Behördenangaben 48 Autopsien vorgenommen und 13 Leichen identifiziert. Die Familien der Identifizierten seien informiert worden. Die Behörden baten nahe Angehörige der Vermissten, DNA-Proben zur Verfügung zu stellen, um die Identifizierung zu beschleunigen.

Auch die Untersuchungen zur Ermittlung der Ursache des zweiten schweren Bahnunglücks in Spanien innerhalb von nur neun Monaten sind in vollem Gange. Bei einem ersten Bahnunglück waren im Januar bei Adamuz in Andalusien bereits 46 Menschen ums Leben gekommen. Am Mittwochmorgen kollidierten erneut zwei Hochgeschwindigkeitszüge: Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr nahe der Gemeinde Urda von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf.

Zusammenstoss bei 160 bis 200 Stundenkilometern

Die Ermittler haben inzwischen die Fahrdatenschreiber der Züge geborgen. Die Aufzeichnungsgeräte befinden sich nun in den Händen der Polizeieinheit Guardia Civil. Die Daten sollen in den kommenden Tagen ausgewertet werden, wie die unabhängige Unfalluntersuchungsbehörde AITAT mitteilte.

Nach ersten Schätzungen der Behörde ereignete sich der Zusammenstoss bei einer Geschwindigkeit zwischen 160 und 200 Kilometern pro Stunde. Die genaue Geschwindigkeit lasse sich allerdings erst anhand der Aufzeichnungen bestimmen. Die Ermittlungen befänden sich noch im frühen Stadium, hiess es.

Leitstellen-Mitarbeiter hüllt sich in Schweigen

Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle in Madrid. Von Medien veröffentlichte Mitschnitte des Funkverkehrs legen nahe, dass der Lokführer des Renfe-Zuges von einem Mitarbeiter der Leitstelle angewiesen wurde, den normalen Fahrbetrieb wieder aufzunehmen, obwohl das automatische Zugsicherungssystem nicht wieder funktionierte und der Iryo-Zug weiterhin auf der Strecke stand.

Der betroffene Mitarbeiter der Leitstelle habe von seinem Recht Gebrauch gemacht, gegenüber der zuständigen Polizeieineinheit Guardia Civil zunächst keine Aussagen zu machen, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE unter Berufung auf das Verkehrsministerium. (dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Man hat uns getötet»: Kremlkritische «Nowaja Gaseta» stellt Arbeit ein
Die von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow gegründete russische Zeitung «Nowaja Gaseta» stellt nach mehr als 30 Jahren und massivem Druck in Russland ihre Arbeit ein.
«Man hat uns getötet», lautet der Titel einer Erklärung auf der Website der Zeitung. «Die russischen Behörden und die russischen Geheimdienste zwangen die Redaktion, die Arbeit einzustellen», schrieb das Medium darin. Am 9. November mache die Redaktion das Licht aus, fahre die Server herunter und gehe. Die Zeitung gebe es dann nicht mehr.
Zur Story