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Türkei

Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen – Acht Tote

In this frame grab from a video, passengers wearing life jackets wait atop a capsized passenger vessel to be rescued off the coast of Girne, in the Turkish-occupied northern part of Cyprus, Sunday, Au ...
Überlebende der Fähren-Havarie werden bei Girne in Nordzypern an Land gebracht.Bild: keystone

Fährunglück vor Zypern: Kapitän floh von sinkendem Schiff

30.08.2026, 20:5031.08.2026, 05:39

Bei einem schweren Fährunfall vor der Insel Zypern sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Die Einsatzkräfte suchten noch nach 18 Personen, sagte der Präsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, Tufan Erhürman, dem nordzyprischen Staatssender BRT. Die meisten der mehr als 250 Passagiere seien gerettet worden. Die Suche nach Vermissten werde die ganze Nacht weitergehen.

Das Schiff war nach Behördenangaben am Mittag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) gekentert. Demnach drang aus noch ungeklärten Wasser ein, und es wurde ein Notruf abgesetzt. Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Die Fähre war auf dem Weg ins südtürkische Mersin.

Kapitän festgenommen

Der Kapitän und sieben Crewmitglieder wurden festgenommen, wie der nordzyprische Ministerpräsident Ünal Üstel dem Sender BRT zufolge erklärte. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, versprach er: «Ich sage das hier ganz klar. Jeder Aspekt dieses Vorfalls wird untersucht. Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen.»

Der Kapitän soll von Bord geflüchtet sein, als sich das Unglück anbahnte, ausserdem hätten einige der rund 260 Schiffspassagiere von verschlossenen Türen und Fluchtwegen berichtet, sagte der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Alle Vorwürfe würden intensiv geprüft, versprach Arikli demnach.

Bei den Untersuchungen hoffen die Ermittler auf die Bergung des in einem halben Kilometer Tiefe auf dem Meeresgrund liegenden Schiffsdatenschreibers. Neben dem Kapitän des gesunkenen Katamarans wurden am Sonntagabend auch sieben Crewmitglieder festgenommen, wie die Behörden bekanntgaben. Einige gerettete Passagiere erhoben demnach schwere Vorwürfe gegen die Besatzung.

Neben den Ermittlungen der Polizei werde es eine separate Untersuchung zu dem Unglück mit mindestens acht Toten geben. Alle Ergebnisse bezüglich Betriebserlaubnis und Seetauglichkeit der Fähre sowie Sicherheitsvorkehrungen an Bord würden anschliessend öffentlich gemacht.

In 500 Metern Tiefe

Der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli sagte dem Sender BRT, das Schiff liege in mehr als 500 Meter Tiefe auf Grund. Taucher durchsuchten das Wrack. Man hoffe, dabei auch den Schiffsdatenschreiber zu finden, der Aufschluss über die Unglücksursache geben soll.

Auf Bildern des Senders CNN Türk ist zu sehen, wie Menschen in Rettungswesten sich an das Schiffswrack klammern und darauf warten, in Sicherheit gebracht zu werden. Ein Helikopter kreist über ihren Köpfen. Dem Sender zufolge hatte der Kapitän noch versucht, umzukehren. Es habe sich um einen zweistöckigen Katamaran gehandelt.

Vor dem Krankenhaus in Kyrenia versammelten sich Angehörige und warteten auf Nachricht. Der Augenzeuge Efe Mültici sagte dem Sender CNN Türk, er habe sich im unteren Deck des Schiffes aufgehalten, und er berichtete von chaotischen Szenen: Die Passagiere hätten die Besatzung darauf hingewiesen, dass Wasser eindringe und gebeten, umzudrehen. Der Wellengang sei zudem sehr stark gewesen.

Chaos unter Deck

Plötzlich habe sich das Schiff zur Seite geneigt, Menschen seien panisch aufgesprungen und hätten nach Rettungswesten gesucht. Einige hätten versucht, Scheiben einzuschlagen, um herauszukommen. Ein Mann sagte, der zyprischen Tageszeitung «Zypernpost», es habe Chaos geherrscht.

Nach offiziellen nordzyprischen Angaben befanden sich insgesamt 267 Personen auf der Fähre, darunter 259 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder.

«Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, bei den Verletzten und bei allen, die diese Tragödie erleben müssen, sowie bei ihren Familien in diesen äusserst schwierigen Stunden», schrieb der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis auf der Plattform X auf Griechisch und Türkisch. Auch der türkische Präsdent Recep Tayyip Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 nahm die EU die Insel Zypern als Ganzes in die EU auf. (sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Amseilruntertaucher
30.08.2026 21:22registriert August 2021
Taucher untersuchen das Wrack auf 500 Meter Tiefe? Hää? So ein Blödsinn!
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