International
Türkei

Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen – Acht Tote

Fährunglück vor Zypern: Kapitän festgenommen – Schiff liegt in 500 Metern Tiefe

30.08.2026, 20:5030.08.2026, 21:04

Bei einem schweren Fährunfall vor der Insel Zypern sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Die Einsatzkräfte suchten noch nach 18 Personen, sagte der Präsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, Tufan Erhürman, dem nordzyprischen Staatssender BRT. Die meisten der mehr als 250 Passagiere seien gerettet worden. Die Suche nach Vermissten werde die ganze Nacht weitergehen.

Das Schiff war nach Behördenangaben am Mittag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) gekentert. Demnach drang aus noch ungeklärten Wasser ein, und es wurde ein Notruf abgesetzt. Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Die Fähre war auf dem Weg ins südtürkische Mersin.

Kapitän festgenommen

Der Kapitän und sieben Crewmitglieder wurden festgenommen, wie der nordzyprische Ministerpräsident Ünal Üstel dem Sender BRT zufolge erklärte. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, versprach er: «Ich sage das hier ganz klar. Jeder Aspekt dieses Vorfalls wird untersucht. Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen.»

Der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli sagte dem Sender BRT, das Schiff liege in mehr als 500 Meter Tiefe auf Grund. Taucher durchsuchten das Wrack. Man hoffe, dabei auch den Schiffsdatenschreiber zu finden, der Aufschluss über die Unglücksursache geben soll.

Helikopter kreist über Menschen in Rettungswesten

Auf Bildern des Senders CNN Türk ist zu sehen, wie Menschen in Rettungswesten sich an das Schiffswrack klammern und darauf warten, in Sicherheit gebracht zu werden. Ein Helikopter kreist über ihren Köpfen. Dem Sender zufolge hatte der Kapitän noch versucht, umzukehren. Es habe sich um einen zweistöckigen Katamaran gehandelt.

Vor dem Krankenhaus in Kyrenia versammelten sich Angehörige und warteten auf Nachricht. Der Augenzeuge Efe Mültici sagte dem Sender CNN Türk, er habe sich im unteren Deck des Schiffes aufgehalten, und er berichtete von chaotischen Szenen: Die Passagiere hätten die Besatzung darauf hingewiesen, dass Wasser eindringe und gebeten, umzudrehen. Der Wellengang sei zudem sehr stark gewesen.

Chaos unter Deck

Plötzlich habe sich das Schiff zur Seite geneigt, Menschen seien panisch aufgesprungen und hätten nach Rettungswesten gesucht. Einige hätten versucht, Scheiben einzuschlagen, um herauszukommen. Ein Mann sagte, der zyprischen Tageszeitung «Zypernpost», es habe Chaos geherrscht.

Nach offiziellen nordzyprischen Angaben befanden sich insgesamt 267 Personen auf der Fähre, darunter 259 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder.

«Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, bei den Verletzten und bei allen, die diese Tragödie erleben müssen, sowie bei ihren Familien in diesen äusserst schwierigen Stunden», schrieb der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis auf der Plattform X auf Griechisch und Türkisch. Auch der türkische Präsdent Recep Tayyip Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 nahm die EU die Insel Zypern als Ganzes in die EU auf. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Schüsse am Aarauer Rave
1 / 14
Schüsse am Aarauer Rave

Am Aarauer Rave sind in der Nacht auf Sonntag, 30. August 2026, Schüsse gefallen.

quelle: keystone / michael buholzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Streit zwischen Bergführer und Alpinist eskaliert
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
4
Netanjahus Sohn muss wegen Bedrohung die USA verlassen
Israels Inlandsgeheimdienst hat bestätigt, dass ein Sohn des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wegen einer akuten Bedrohung aus den USA zurückkehren musste. «Tatsächlich bestand eine erhebliche Gefahr für Jair Netanjahu», hiess es in einer Mitteilung von Schin Bet. «Aufgrund dieser Bedrohung und nach einer Lageeinschätzung wurde entschieden, ihn gemeinsam mit seinem Sicherheitsteam dringend nach Israel zurückzubringen.»
Zur Story