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Experte gibt Entwarnung: «Der russische Raumfrachter wird beim Eintritt in die Atmosphäre wahrscheinlich explodieren»

Seit heute Mittag fliegt eine russischer Raumfrachter unkontrolliert auf die Erde zu. Mit einer grossen Katastrophe sei aber nicht zu rechnen, meint Professor Dr. Peter Wurz von der Universität Bern. 
29.04.2015, 15:0229.04.2015, 16:55

Ein auf dem Weg zur Internationalen Raumstation (ISS) in Schwierigkeiten geratener russischer Raumfrachter ist offenbar endgültig ausser Kontrolle. Der «Progress»-Frachter habe damit begonnen, auf die Erde zu stürzen. 

Dies sagte ein russischer Raumfahrtvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die unbemannte Sojus-Rakete hatte am Dienstag nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur die vorgesehene Umlaufbahn deutlich verfehlt. 

Ausser Kontrolle: Aufnahmen von der Bordkamera.video: youtube.com/AbraxasSteadicam

Wir haben mit Herrn Professor Dr. Peter Wurz gesprochen, er doziert an der Universität Bern und ist zuständig für Weltraumforschung und Planetologie. 

Herr Professor Dr. Peter Wurz lehrt an der Universität Bern. 
Herr Professor Dr. Peter Wurz lehrt an der Universität Bern. bild: space.unibe.ch

Wird der russische Raumfrachter auf die Erde stürzen?
Peter Wurz: Die Kommunikation mit der russischen Raumbehörde ist relativ schwierig, deshalb kann ich darüber keine endgültige Aussage machen. Sehr wahrscheinlich wird der Raumfrachter beim Eintritt in die Atmosphäre jedoch verglühen.  

Das heisst, wir müssen keine Katastrophe befürchten?
Wenn der Raumfrachter Treibstoff im Tank hat, wird es sogar zu einer regelrechten Explosion kommen. Es werden dann nur noch ganz kleine Teile auf die Erde rieseln.

Und diese Teile sind nicht gefährlich, der Raumfrachter war immerhin mit 2,7 Tonnen Material beladen?
Im schlimmsten Fall sind diese Einzelteile noch ungefähr ein Kilo schwer, wenn sie auf die Erde treffen. Mit viel Pech könnte eine Einzelperson also schon verletzt werden. Von einem grossen Einschlag, der eine ganz Stadt auslöscht, müssen wir aber keine Angst haben.

Launch of Progress M-27M on Russian Soyuz 2-1A.video: youtube.com/SpaceVids.tv

In welcher Höhe wird diese Explosion stattfinden?
Normalerweise kreisen Raumfahrzeuge
in einer Höhe von 200 bis 500 Kilometern über der Erde. Stürzt der russische Raumfrachter nun tatsächlich ab, wird sich der Treibstoff 100 Kilometern über der Erde auf bis zu 2000 Grad erhöhen, dann wird es zur Explosion kommen. 

Könnte dies Auswirkungen auf den Flugverkehr haben?
Wenn es tatsächlich so weit kommt und
der Raumfrachter explodiert über einer grösseren Stadt, dann könnte der Flugverkehr in dieser Region eingestellt werden. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu beurteilen, warten wir erst einmal ab. 

Der «Progress»-Transporter enthält rund 2,7 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS – Lebensmittel, Treibstoff, Geräte für Experimente und Sauerstoff. Die Raumfahrtbehörden Russlands (Roskomsos) und der USA (NASA) versicherten aber, die Raumfahrer hätten noch genügend Vorräte und seien nicht Gefahr. 

Die Raumfahrtbehörde widersprach Berichten, wonach sich an Bord der Progress auch eine Kopie der sowjetischen Flagge befinde, die Rotarmisten nach der Eroberung Berlins 1945 auf dem Reichstag gehisst hatten. Das «Siegesbanner» sei bereits Ende März mit einem Frachter zur ISS gebracht worden, sagte ein Sprecher. Die drei Kosmonauten auf der Raumstation wollen damit am 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland, aus dem All ihren Landsleuten gratulieren. Ein Festmahl für den Tag des Sieges sowie Geschenke und persönliche Post gehen aber wohl mit der Progress verloren. 

Die drei Kosmonauten auf der Raumstation wollen damit am 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland, aus dem All ihren Landsleuten gratulieren. Ein Festmahl für den Tag des Sieges sowie Geschenke und persönliche Post gehen aber wohl mit der Progress verloren. 

Auf der ISS arbeiten derzeit die Russen Gennadi Padalka, Michail Kornijenko und Anton Schkaplerow. Die USA sind mit den Astronauten Scott Kelly und Terry Virts vertreten, zudem ist die Italienerin Samantha Cristoforetti von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA an Bord. (cma/meg/dpa)

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