Türkei blockiert LGBTQ-Kreuzfahrt – wegen «moralischer Werte»
Ein Kreuzfahrtschiff mit rund 1900 LGBTQ-Reisenden sollte in wenigen Tagen in der Türkei anlegen. Daraus wird nun nichts. Die türkischen Behörden haben zwei geplante Stopps der «Scarlet Lady» gestrichen, wie «CNN» berichtet.
Beim Schiff handelt es sich um eine zehntägige Mittelmeerreise des US-Anbieters Atlantis Events. Das Unternehmen organisiert seit Jahrzehnten Reisen für schwule Männer und die LGBTQ-Community. Die aktuelle Route hätte am 5. Juli in Griechenland starten sollen. Danach waren unter anderem Stopps in Kuşadası an der türkischen Ägäisküste und später in Istanbul geplant.
Doch daraus wird nun nichts.
Nicht mit «moralischen Werten» vereinbar
Die Türkischen Behörden hätten den Halt untersagt, schreibt CNN. In einem Schreiben sei die Rede davon, dass das Schiff von Gruppen gechartert worden sei, deren «Verhalten» nicht mit den «moralischen Werten» und «Familienwerten» des Landes vereinbar sei. Auch der geplante Stopp in Istanbul fällt weg.
Die Route wird deshalb kurzfristig geändert. Statt in die Türkei fährt die «Scarlet Lady» nun nach Kairo in Ägypten und auf die griechische Insel Kreta. Für die Passagiere bedeutet das: keine türkische Küste, kein Istanbul, keine Ausflüge nach Ephesos.
Atlantis-Chef Rich Campbell reagierte gegenüber CNN ungewöhnlich deutlich. In 36 Jahren sei es das erste Mal, dass seinem Unternehmen aktiv mitgeteilt worden sei, man dürfe wegen der eigenen Identität nicht anlegen. Auf der Reise werden rund 1900 Passagiere erwartet, etwa 1100 davon aus den USA.
Der Fall passt in eine Entwicklung, die Menschenrechtsorganisationen seit Jahren beobachten. Homosexualität ist in der Türkei zwar nicht verboten. Von rechtlicher Gleichstellung oder einem sicheren öffentlichen Raum für LGBTQ-Menschen kann aber keine Rede sein.
Istanbul war einst bekannt für eine der grössten Pride-Veranstaltungen der Region. Seit 2015 wird der Marsch jedoch regelmässig verboten oder von der Polizei aufgelöst. Auch dieses Jahr ging die Regierung um Präsident Erdogan und seine AKP wieder gegen Pride-Teilnehmende vor. International schneidet die Türkei bei LGBTQ-Rechten entsprechend miserabel ab: Im Rainbow-Ranking von ILGA-Europe liegt das Land 2026 mit 5 Prozent fast am Ende der Liste. Nur Aserbaidschan und Russland schneiden noch schlechter ab.
