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Ukraine fordert entmilitarisierte Zone in Russland – oder nicht?

Ukraine fordert entmilitarisierte Zone in Russland – oder ist das nur Russen-Propaganda?

Will die Ukraine eine entmilitarisierte Zone auf russischem Staatsgebiet? Berichten zufolge soll dies Geheimdienstchef Budanow verkündet haben. Die Quellenlage wirft Fragen auf.
19.05.2023, 13:38
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epa10547200 A handout photo made available by the Ukrainian Presidential Press Service shows Ukrainian President Volodymyr Zelensky walking through a trench at an undisclosed position of Ukrainian fro ...
Präsident Selensky in den Schützengräben.Bild: keystone
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t-online

Sollten sich die Berichte bewahrheiten, wäre es eine überraschende Forderung des ukrainischen Geheimdienstchefs: Die Ukraine wolle nach Kriegsende eine entmilitarisierte Zone einrichten, die fast 100 Kilometer in russisches Gebiet reicht.

Die britische «The Times» und die russische «Tass» berichten, dass der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes Kyrylo Budanow eine solche Zone einrichten wolle, damit zukünftige Angriffe aus Russland erschwert würden. Er habe die Äusserungen auf einem ukrainischen Youtube-Kanal verbreitet.

Eine solche Zone soll den Berichten zufolge laut Budanow nicht nur nach einem militärischen Sieg der Ukraine eingerichtet werden. Selbst wenn das russische Volk die Putin-Regierung stürzen sollte, wäre die Massnahme notwendig, wird Budanow in der «Times» zitiert. «Das sollte unser Ziel sein. Wenn sie nicht angreifen und sich in ein paar Jahren nicht dazu entschliessen, sich zu rächen, dann sollte das kein Problem sein», soll Budanow gesagt haben. Weitere Details, wie die Zone eingerichtet werden soll und wer sie überwachen soll, habe er nicht genannt.

Video: watson/Lucas Zollinger

Eine reale Forderung des ukrainischen Geheimdienstchefs oder russische Propaganda? t-online konnte das zitierte Video bislang nicht verifizieren. Interessant sind die Meldungen dennoch: Russland selbst hatte im März entmilitarisierte Pufferzonen, allerdings um die annektierten Gebiete, ins Gespräch gebracht. Nur so könne verhindert werden, dass man nicht noch weiter in ukrainisches Gebiet vordringe, hatte der ehemalige Präsident und Putin-Vertraute Dmitri Medwedew den Vorschlag begründet. Die Ukraine hatte dies abgelehnt.

Kiew verlangt die komplette Rückgabe aller russisch besetzten Gebiete, einschliesslich der Krim.

Anschläge auf Propagandisten bestätigt

Budanow habe auch bestätigt, dass der Geheimdienst Anschläge auf russische Propagandisten durchgeführt hat. «Wir haben schon einige Leute erfolgreich ins Ziel genommen. Dank der Berichterstattung in den Medien gab es Fälle, von denen jeder weiss», so der Generalmajor auf die Frage, ob ukrainische Sicherheitsdienste russische Propagandisten getötet hätten.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden mehrere prorussische Blogger und Propagandisten getötet oder verletzt. Beim jüngsten Vorfall dieser Art am 6. Mai wurde der 47-jährige Schriftsteller Zachar Prilepin, bei einem Autobombenanschlag verletzt. Sein Leibwächter kam ums Leben. Im April kam der russische Militärblogger Wladlen Tatarski bei einem Anschlag auf ein Café in St. Petersburg ums Leben. In beiden Fällen machte Russland ukrainische Täter verantwortlich.

Liquidation als Bestrafung für Kriegsverbrecher

Andere Anschläge, wie auf russische Infrastruktur und jüngst eine Bahnstrecke, seien hingegen nicht der Ukraine zuzurechnen. «Sie sind zu fast 100 Prozent durch russische Bürger verübt worden», so der 37-Jährige im Youtube-Kanal «різні люди (Verschiedene Leute)». In einem anderen Interview auf Youtube gab er dem Bericht der «Times» nach aber zu, dass eine «Minderheit der Russen» mit dem ukrainischen Geheimdienst GUR zusammenarbeite.

Sie seien «patriotisch» motiviert. Gegen Kremlchef Putin selbst gehe die Ukraine nicht vor. Er sei zwar ein legitimes Ziel, es gebe aber keine Versuche seines Landes, ihn zu töten. Seine Mitarbeiter nähmen vielmehr Personen ins Visier, die Kriegsverbrechen begangen hätten. «Diese Menschen erhalten eine wohlverdiente Bestrafung, und die angemessene Bestrafung kann nur eine Liquidation sein, und ich werde das einführen».

(t-online, wan)

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57 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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BG1984
19.05.2023 13:57registriert August 2021
Da Russland der Angreifer ist, muss die Ukraine auch kein Land hergeben für die Entmilitarisierte Zone. Das muss der Verlierer und das ist Russland.
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Scrat
19.05.2023 15:31registriert Januar 2016
Was die Forderung nach einer entmilitarisierten Zone betrifft, kann ich die Ukrainer mehr als verstehen. Eigentlich müsste ganz Russland entmilitarisiert und vom verbrecherischen Regime gesäubert werden - allerdings gehören dieses und auch die Blogger vor ein Kriegstribunal, wo sie ein faires Verfahren und gerechtes Urteil bekommen.
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hgehjvkoohgfdthj
19.05.2023 14:06registriert März 2020
Budanow ist ein kreativer Typ. Die Idee einer Pufferzone auf russischem Staatsgebiet ist top. Die Liquidierung von russischen Faschisten und Kriegsverbrechern hat er aber dem Mossad abgeschaut. Alle in Putins Umfeld, die Dreck am Stecken haben, dürfen sich auch nach dem Krieg nicht in Sicherheit wiegen und müssen jederzeit mit Entführung und Tod rechnen. Find ich super.
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