International
UNO

Afghanistan: Taliban fordern Suspendierung von NGO-Mitarbeiterinnen

Taliban fordern Suspendierung von NGO-Mitarbeiterinnen in Afghanistan

25.12.2022, 09:5925.12.2022, 09:59

Ein Arbeitsverbot für Frauen bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Afghanistan hat international Besorgnis ausgelöst. UN-Generalsekretär António Guterres sei «zutiefst beunruhigt» über die angebliche Anordnung der radikalislamischen Taliban, teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Samstag (Ortszeit) in New York mit. Das Schweizer Aussendepartement sei schockiert, teilte es mit.

epa10376714 An Afghan girl watches the speech of Taliban's minister for higher education, Nida Muhammad Nadeem, on a television in Kabul, Afghanistan, 22 December 2022. Nida Muhammad said in a te ...
Ein afghanisches Mädchen verfolgt eine Fernsehansprache des Bildungsministers Nida Muhammad Nadeem.Bild: keystone

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) evaluiere die Folgen für die humanitären Bemühungen, schrieb es am Samstagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. «Wir fordern die Taliban auf, den Entscheid zu überdenken», hiess es vom EDA weiter.

«Diese Entscheidung wird die Arbeit zahlreicher Organisationen untergraben, die im ganzen Land den Schwächsten helfen, vor allem Frauen und Mädchen», liess Guterres mitteilen. Die Vereinten Nationen und ihre Partner, einschliesslich nationaler und internationaler NGOs, unterstützten derzeit mehr als 28 Millionen Afghanen, die für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhingen.

Der UN-Generalsekretär betone erneut das Recht aller Frauen, Teil der berufstätigen Bevölkerung zu sein und so zum Gemeinwohl beizutragen, so der Sprecher weiter.

epa10306555 A handout photo made available by the press service of the Russian Foreign Affairs Ministry shows United Nations (UN) Secretary-General Antonio Guterres attending a meeting with Russian fo ...
UN-Generalsekretär Antonio Guterres.Bild: keystone

Zuvor hatte das afghanische Wirtschaftsministerium am Samstag in einem Schreiben gefordert, Mitarbeiterinnen aller nationalen und internationalen NGOs bis auf Weiteres von ihrer Arbeit zu suspendieren. Grund dafür sei, dass die Frauen die Vorschriften der Taliban-Führung in Bezug auf das Tragen eines Hidschabs, also eines Kopftuchs, nicht einhielten. Komme eine Organisation dieser Anordnung nicht nach, werde ihre Lizenz entzogen, hiess es in dem Schreiben.

US-Aussenminister Antony Blinken äusserte sich am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter «zutiefst besorgt». Dieses Verbot für Frauen werde die Versorgung mit humanitärer Hilfe in Afghanistan durcheinanderbringen. «Frauen spielen bei humanitären Hilfsaktionen weltweit eine zentrale Rolle», so Blinken. Eine solche Entscheidung könnte verheerende Folgen für die Menschen in Afghanistan haben.

Die Europäische Union verurteile das jüngste Verbot der Taliban aufs Schärfste, twitterte EU-Kommissionssprecherin Nabila Massrali in der Nacht zum Sonntag. Es handle sich um einen «klaren Bruch humanitärer Grundsätze». Die EU bewerte derzeit den Einfluss, den das Verbot auf seine Hilfe für Afghanistan haben werde.

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Islamisten Frauenrechte in Afghanistan massiv eingeschränkt. Viele Frauen durften nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen zurückkehren. Mädchen und Frauen sind mittlerweile vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Am Dienstag haben die Taliban Frauen von allen Hochschulen verbannt. Frauen, die für ihre Rechte protestierten, wurden in der Vergangenheit immer wieder, teils auch über mehrere Wochen, festgehalten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Zwangsräumung: Spanische Seniorin Maricarmen darf in Wohnung zurück
Nach Protesten gegen ihre Zwangsräumung darf eine 87-Jährige in Madrid in ihre Wohnung zurückkehren. Vertreter von Maricarmen Abascal erreichten am Montagabend eine entsprechende Einigung mit dem Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört, wie die spanische Tageszeitung «El País» unter Berufung auf die beteiligten Parteien und die Vermittler in dem Fall berichtete. Die Seniorin dürfe unter neuen Mietbedingungen zurückkehren, hiess es demnach. Ihre Miete werde in etwa dem Betrag entsprechen, den sie bisher gezahlt habe: rund 500 Euro für Miete, Nebenkosten und Hausgeld. Dem Bericht zufolge steht Abascals Bestätigung, dass sie die Bedingungen akzeptiert, noch aus.
Zur Story