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Milwaukee Ufer Michigansee

Das Seeufer in Milwaukee wurde von den sozialistischen Bürgermeistern öffentlich zugänglich gemacht. Heute ist es ein wichtiges Argument des Stadtmarketings. Bild: Shutterstock

Sozialismus in den USA? In Milwaukee hat es funktioniert

Das von deutschen Einwanderern geprägte Milwaukee ist die einzige amerikanische Stadt, in der der Sozialismus Fuss zu fassen vermochte. Bernie Sanders möchte an diese Tradition anknüpfen – doch es gibt einen wichtigen Unterschied.

johann aeschlimann, milwaukee



In Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin hält im kommenden Juli der Sozialismus Einzug. Am Konvent der Demokratischen Partei wird der Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders ein flammendes Plädoyer für sozialistische Rezepturen gegen Armut und Ungleichheit halten, sei es als nominierter Gegner von Präsident Trump oder als ehrenvoller Zweiter im Vorwahlmarathon.

Seine Anhänger werden sozialistische «Planken» in die «Plattform» nageln. So redet man in Amerika über Wahlprogramme und Inhalte: Eine Bretterbühne für die nächste Wahl, nach dem Match dem Rückbau überantwortet. Fox News und die Radiotalkshow-Hosts – Donald Trumps Abteilung für Volksaufklärung und Propaganda – werden 24/7 «Sozialismus» heulen und «Kommunismus» meinen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der alte Sanders in eine Reihe mit Lenin, Stalin und Mao gestellt würde. Nicht Kim aus Korea – den kann Trump eventuell noch brauchen.

FILE - In this July 19, 2010, file photo, a sign is seen outside the Harley-Davidson headquarters in Milwaukee. Harley-Davidson is offering free motorcycles for those who join its 2018 summer internship program. The Milwaukee-based motorcycle maker says it will teach the interns how to ride, compensate them for their work and travels, and let them keep their motorcycles. (AP Photo/Morry Gash, File)

Der Motorradhersteller Harley-Davidson ist ein Beispiel für die Industrie in Milwaukee. Bild: AP/AP

Milwaukee, am Ufer des mächtigen Michigansees gelegen, ist eine gute Wahl, von beiden Seiten her betrachtet. Aus Wisconsin kam der unselige Senator Joseph McCarthy, der in den fünfziger Jahren die Hatz gegen Kommunisten und Homosexuelle ins Absurde trieb – ein früher Pionier der Verschwörungs-, Diffamierungs- und Verzerrtaktiken, die Trumps Herrschaft kennzeichnen.

Vier links regierte Jahrzehnte

Für die andere Seite ist Milwaukee der richtige Ort, weil hier alte amerikanische Industrie zuhause ist, mit ihrem Niedergang und den Nöten der früheren Arbeiterschaft. Vor vier Jahren haben die Demokraten in Staaten wie Wisconsin die Wahl verloren, weil Hillary Clinton es versäumte, ein Wort für die Gewerkschaften zu finden, und weil sie die Abgehängten und Abgehalfterten nicht ansprach, sondern verspottete (basket of deplorables). Vor zwei Jahren gelang es in Wisconsin, den hart rechten Gouverneur Scott Walker abzuwählen, der die gewerkschaftlichen Rechte von Staatsangestellten beschnitten und den Bürgern jahrelang verheissen hatte, seine Steuererleichterungen würden Arbeitsplätze schaffen.

Milwaukee ist auch die einzige amerikanische Stadt, in der der Sozialismus in grösserem Mass Fuss zu fassen vermochte. Während mehr als vier Jahrzehnten im 20. Jahrhundert regierten hier linke Bürgermeister, Mitglieder einer Sozialistischen Partei. Auch von dieser Tradition wird am demokratischen Konvent zu hören sein – wie viel und wie präzise, ist offen. Denn der Sanders-Sozialismus macht zahlreichen Demokraten grosses Bauchweh, und der Milwaukee-Sozialismus – als sewer socialism (Kläranlagen-Sozialismus) belächelt – unterscheidet sich in einigen Punkten von der Sanders-Variante.

Die Milwaukee-Sozialisten schauten wie heute Sanders auf Europa als Modell. Das hatte mit der Herkunft zu tun: Die Stadt gehörte zu den wichtigen Destinationen der deutschen Einwanderung im 19. Jahrhundert. Zahlreiche dieser Einwanderer waren von der gescheiterten 1848er Revolution geprägt, von Karl Marx inspiriert und von der deutschen Sozialdemokratie geleitet. Alle drei roten Bürgermeister von Milwaukee stammten aus deutschen Einwandererfamilien: 1910 bis 1912 Emil Seidel, 1916 bis 1940 Daniel Hoan und 1948 bis 1960 Frank Zeidler. Mit Ausnahme der wenigen Seidel-Jahre war ihre Socialist Party eine politische Minderheit. Die roten Bürgermeister konnten sich auf keine verlässlichen Mehrheiten stützen. Sie mussten Koalitionen bilden.

Democratic presidential candidates, Sen. Bernie Sanders, I-Vt, and Hillary Clinton wait during a short break at a Democratic presidential primary debate at the University of Wisconsin-Milwaukee, Thursday, Feb. 11, 2016, in Milwaukee. (AP Photo/Morry Gash)

Bernie Sanders und Hillary Clinton während einer Fernsehdebatte im Februar 2016 in Milwaukee. Bild: AP/AP

Genauso wird es einem Präsidenten Sanders und allen anderen ergehen, wenn sie ihre Wahlplattform ernsthaft umzusetzen gedenken. Denn die parlamentarischen Mehrheiten im Kongress werden dünn sein und die Bereitschaft der demokratischen Gesetzgeber viel kleiner als diejenige des Weissen Hauses. Man kennt das aus der Vergangenheit. Der demokratische Präsident Clinton scheiterte mit seinem massiven Infrastrukturprogramm für die Städte an einem demokratisch beherrschten Kongress, und der Gesundheitsgesetzgebung des demokratischen Präsidenten Obama zog eine demokratische Kongressmehrheit die ersten Zähne.

Erfolg dank Clean Government

Wie viel Sozialismus in Sanders steckt, ist weniger klar, als er selbst behauptet. Er spricht von «Sozialdemokratie» nach europäischem Muster, ohne Rücksicht darauf, dass in Europa kaum jemand weiss, was Sozialdemokratie noch bedeuten soll. Für Sanders ist Europa ein sozialdemokratisches Paradies: Die staatlichen Universitäten gratis, das Recht auf Gesundheitsversorgung verbrieft, der Minimallohn durchgesetzt, das Recht auf Abtreibung gesichert. Auch immigration reform ist im Angebot, aber ohne Verweis auf Europa, weil Europas Linke hier nicht weiter weiss.

Wie haben es die Milwaukee-Sozialisten gemacht? Womit haben sie Wahlen gewonnen? Clean Government, sagt Aims McGuinness, Historiker an der University of Wisconsin und Biograph des letzten sozialistischen Bürgermeisters Frank Zeidler. Saubere Regierungsführung. Kampf gegen corruption – will heissen gegen die Vermischung von privaten und öffentlichen Interessen. Das ist deckungsgleich mit den Parolen von Sanders und seiner Konkurrentin Elizabeth Warren.

Kein Geld für private Gewinne

«Korruption» heisst in ihrer Sprache die Einflussnahme der starken Wirtschaftsinteressen auf Gesetzgebung und Verwaltung – die Pharmalobby, die Öl- und Gaslobby, die Rüstungsindustrie, die Banken, die Raubtiere an der Börse. Dazu die schamlose, direkte Bereicherung der Trump-Familie an Amt und Staat – die Regierungsjobs für Tochter und Schwiegersohn, die Nutzung der Trump-Anlagen mit Steuergeld, der Einsatz von Vaters Amtsbonus für das Immobiliengeschäft der Söhne.

Former Milwaukee Mayor Frank Zeidler, 92, sits for a moment before reviewing a manuscript Nov. 26, 2004, he wrote during the 1960s on annexation, hoping to get it published online. Zeidler, 93, who is considered the last Socialist to run a major American city, died late Friday, July 7, 2006, of congestive heart failure and diverticulitis, Columbus St. Mary's Hospital spokesman Gregg Hartzog said. Zeidler led Milwaukee from 1948 through 1960. (AP Photo/Milwaukee Journal Sentinel, David Joles) ** MAGS OUT **

Frank Zeidler, der letzte sozialistische Bürgermeister von Milwaukee, starb 2006 mit 93 Jahren. Bild: AP MILWAUKEE JOURNAL SENTINEL

Den Milwaukee-Sozialisten war «Korruption» das, was in Europa heute Public Private Partnership (PPP) heisst und von der Sozialdemokratie des «Dritten Wegs» gerne als Ei des Kolumbus angepriesen wurde. Eine Hand wäscht die andere, respektive: Jede Hand darf ein bisschen in den Staatssäckel greifen. Win Win, sagen sie auf beiden Seiten des Atlantiks. Milwaukee-Sozialisten machten hier den schärferen Unterschied: Keine öffentlichen Gelder für private Gewinne. «Zu jener Zeit finanzierten die Banken politische Kandidaten, die nach der Wahl teure öffentliche Projekte anschoben», erklärt Historiker McGuinness. «Diese wurden dann mit privaten Krediten bezahlt, für welche die Banken Zinsen einstrichen. Die Amtsträger wurden mit kickbacks geschmiert.»

Sorgfalt mit öffentlichen Finanzen

Milwaukee-Sozialisten dachten anders. «Bürgermeister Zeidler war strikte dagegen, Steuergelder für die Verzinsung staatlicher Schulden zu verwenden», sagt Historiker McGuinness. «Sie forderten den Abbau der Staatsschulden.» Allerdings nicht, um den Staat zu Tode zu sparen. Im Gegenteil. Es galt als unbestritten, dass der Staat aktiv werden muss, wo der Kapitalismus untätig bleibt. Die Milwaukee-Sozialisten steckten Steuergeld in Impfaktionen, in Abendschulen für Arbeiter, in Kanalisationssysteme und saubere Wasserversorgung (deshalb sewer socialists), in öffentliche Bibliotheken und Parks, aber immer unter der Maxime pay as you go: Nur so viel ausgeben, wie eingenommen werden kann. Ein Linker, der das heute fordert, steht verloren in der Landschaft.

«Die Sozialisten haben der Stadt ein anderes Gesicht gegeben», sagt Historiker McGuinness. Als Beispiele nennt er eine erweiterte, über den Kern hinausreichende Stadtplanung, die öffentlichen Bibliotheken oder das Ufer des Michigansees. Es ist öffentlich zugänglich, mit Fussweg, Rastplätzen, Sandstrand – das Werk der sozialistischen Stadtverwaltung. «Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der See von Villen gesäumt. Die Stadt hat dann mit Aufschüttungen ein neues Ufer errichtet und öffentlich zugänglich gemacht. Heute ist das ein starkes Argument des Stadtmarketings.» Möglich wurden solche Projekte durch eine Koalition aus progressiven Republikanern, liberalen Demokraten und den kleinen sozialistischen Sprengseln. Zeidler, der letzte rote Bürgermeister, bildete ein Public Enterprise Committee als tragfähige Allianz hinter seinen Stadtplanungsprojekten.

Populismus von links

Clean government bedeutete auch, was heute «Transparenz» heisst. Die Sozialisten führten moderne Buchführungspraktiken im Haushalt ein, den Bürgern wurde sichtbar gemacht, wofür ihr Steuergeld verwendet wurde. Die Sorgfalt mit den öffentlichen Finanzen zahlte sich aus. In der grossen Wirtschaftskrise der 1930er Jahre, als andere amerikanische Städte bankrott gingen, hielt sich Milwaukee über Wasser. Die Chamber of Commerce – der Zusammenschluss der Unternehmer – nannte Milwaukee 1930 die «gesündeste Grossstadt in den USA». Dies als Anerkennung des öffentlichen Gesundheitssystems. 1957 bezeichnete das Magazin «Fortune» Milwaukee als eine der beiden am besten regierten Städte des Lands.

Aims McGuinness, Historiker an der University of Wisconsin in Milwaukee

Der Historiker Aims McGuinness hat die Geschichte des Sozialismus in Milwaukee erforscht.

Sicher – die Zeiten waren damals anders. Ein grosser Teil der sozialistischen Periode in Milwaukee fiel in die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs, als der Schrecken des sowjetischen Kommunismus noch nicht allgegenwärtig war und der europäische Faschismus als existentielle Bedrohung der amerikanischen Lebensart verstanden wurde.

«Clean government war auch gegen die faschistische Idee gerichtet, der zufolge die Allmacht des Führers über dem staatlichen Regelwerk steht», sagt Historiker McGuinness. «Die Idee der Sozialisten war, dass die Bürger ihrem Staat vertrauen mussten. Die Botschaft lautete: Bei uns seid ihr und eure Steuerdollars sicher aufgehoben.» Eine weitere Parallele zur Gegenwart, die allerdings im heutigen politischen Diskurs nur ein schwaches Stimmlein findet: Was anderes zeigt das Trump-Regime als die «Allmacht des Führers über dem staatlichen Regelwerk»?

Ist Bernie Sanders die Wiederkunft der Milwaukee-Sozialisten? Nicht, wenn es um die Staatsfinanzen geht. Sanders und die meisten seiner demokratischen Mitbewerber sprechen wenig über die gigantischen Defizite, die die Trump-Administration aufhäuft, und noch weniger über die Finanzierung ihrer grossen Vorhaben. Aber in einem Punkt ist Sanders nach Milwaukee zurückgekehrt: Er ist ein «Populist». Er spricht über Politik so, dass ihn der Normalbürger versteht. Das wird heutzutage schief angesehen, beidseits des Atlantik, weil «Populismus» mit der Hetze von rechts gleichgesetzt wird. «Aber die Sprache des Populismus ist rechts und links gleichermassen verfügbar», sagt Historiker McGuinness. «Die Demokratische Partei hat sie seit den siebziger Jahren aufgegeben und sich auf die Sprache der Experten verlegt. Damit hat sie ihre tiefe Verbindung zur Arbeiterbewegung und zum kleinen Mann verloren.» Siehe Hillary Clinton.

Und heute? «Sanders und zum Teil auch Warren sprechen so, dass sie an die Arbeiterbewegung anknüpfen können. Das hat Potential. Ein Buttigieg spricht die Sprache der Experten.»

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58
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    Alle Leser-Kommentare
  • Abu Nid As Saasi 21.02.2020 16:55
    Highlight Highlight Burlington VT?
  • ben harper 21.02.2020 15:06
    Highlight Highlight Wunderbare Stadt mit den 'normalsten' Leuten, die ich in den US kennengelernt habe.
  • adi37 21.02.2020 14:43
    Highlight Highlight Immer und immer wird soziales Verhalten mit Sozialismus gleichgesetzt! Und das stimmt einfach nicht! Eine grobe Definition von Sozialismus ist vor allem die Gleichmacherei. Einige Wenige, in der "Einheitspartei", die der Meinung sind, sie wüssten was "Richtig" sei, sagen allen anderen, was sie zu tun haben! Soziales Verhalten hat seine Wirksamkeit in der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe, in gegenseitigem Respekt, und teilt die Errungenschaften!
    • Liselote Meier 21.02.2020 15:50
      Highlight Highlight Eine ziemlich Grobe und dazu noch Falsch. Wenn es eben "Unten und Oben" gibt ist es eben kein Sozialismus, weil der Sozialismus eben diesen Zustand aufheben will.
      Ein gleiches Verhältnis untereinander. Kein Herr und Knecht. Das ist Sozialismus.

    • FrancoL 21.02.2020 16:28
      Highlight Highlight Die Gleichmacherei?
      Eigenartig wie sich diese Lüge hält. Aber wer ähnliche oder gleiche Voraussetzungen als Gleichmacherei bezeichnet, ja der sollte sich zum Thema lieber nicht äussern.
      Vermutlich haben Sie auch noch nicht erkannt, dass gleiche oder ähnliche Voraussetzungen nicht zur Gleichmacherei führen, sondern zu einer klaren Diversifikation und zu ausgeglicheneren Resultaten.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 21.02.2020 23:21
      Highlight Highlight @Liselote Meier Als ob den Parteibossen gleich wären. Es gibt eben immer solche, die gleicher sind, nur im Sozialismus halt nicht durch Leistung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Liselote Meier 21.02.2020 14:10
    Highlight Highlight Hier ist ein bisschen Aufklärung von Nöten.
    Die ursprüngliche Sozialdemokratie war Revolutionär und hatte einen Sozialismus als Ziel, ausnahmslos.

    Vor dem 1. WK gab es die erste Spaltung. Ein Teil wollte nicht mehr radikal mit dem Kapitalismus brechen sondern ihn schrittweise überwinden (Reformismus), die nannten sich weithin Sozialdemokraten. Die welche den Radikalen Bruch weiterhin wollten, nannten sich von da an Kommunisten.

    Aber ein Sozialdemokrat der keinen Sozialismus als Ziel mehr hat ist kein Sozialdemokrat mehr sondern ein Sozialliberaler.

    • PC Principal 21.02.2020 15:03
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass das Wort Sozialismus völlig schwammig ist. Bedeutet es, dass alle Produktionsmittel dem Staat gehören (Ein System welches zum Scheitern verurteilt ist) oder könnte man auch eine soziale Marktwirtschaft als Sozialismus bezeichnen?

      Wikipedia hilft leider nicht weiter :(
      https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus
    • Liselote Meier 21.02.2020 15:42
      Highlight Highlight Damit ist die Beziehung untereinander gemeint. Die Form kann verschieden sein.

      In Kooperation, gemeinsame Teilhabe usw. im Gegensatz zu Herr und Knecht im Feudalismus, oder Lohnarbeiter und "Arbeitgeber" im Kapitalismus auch in der sozialen Marktwirtschaft, die ist nur sozialer durch Umverteilung, Verhältnisse aber gleich

      Der Staatskapitalismus in der DDR oder SU war nicht Sozialistisch (Kameradschaftlich) sondern erfolgte nach Befehl von oben nach Unten, Betriebsleiter wurden eingesetzt und die Menschen hatten genau so wenig in der Fabrik zu melden wie in einer kapitalistischen Fabrik.


    • PC Principal 21.02.2020 15:57
      Highlight Highlight Das heisst dass die sozialistischen Staaten gar nicht sozialistisch waren aber gewisse kapitalistische Frimen hingegen durchaus als sozialistisch bezeichnet werden können, wenn die Mitarbeiter beispielsweise auch die Eigentümer der Firma sind?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ninha 21.02.2020 12:54
    Highlight Highlight Wenn man bedenkt, wie breit gefächert die US-Demokraten sind, ist es nicht verwunderlich, dass vielen seine Politik Bauchschmerzen bereitet.

    Das wäre in etwa so, als wäre von der FDP bis zur SP alle in der selben Partei. Wehrmuth und Wasserfallen sind aus einem guten Grund nicht in der selben Partei...
  • nilson80 21.02.2020 12:37
    Highlight Highlight "Er ist ein «Populist». Er spricht über Politik so, dass ihn der Normalbürger versteht"

    Sorry, das ist nicht die Definition von "Populist". In klaren einfachen Worten Zusammenhänge oder Zustände zu beschreiben ohne sie zu verzerren oder wichtige Aspekte auszublenden (bzw. auch Dinge zu sagen die der Gegenüber nicht so gerne hört) ist kein Populismus. Ein Populist ist vielmehr wie ein Versicherungsvertreter. Er will etwas verkaufen. Will der potentielle Kunde das Produkt nicht einfach so (bspw. eine Hausratversicherung), wird er versuchen Ängste zu mobilisieren bis dieser davon überzeugt ist.
  • Steibocktschingg 21.02.2020 12:26
    Highlight Highlight Sozialismus ist immer noch die falsche Beschreibung eines relativ gemässigten Sozialdemokraten wie Sanders.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 21.02.2020 23:36
      Highlight Highlight Bernie Sanders fordert eine Vermögenssteuer für Milliardäre von 5%-8%. Ein Aktionär kann mit 8% Rendite langfristig rechnen. Wenn er davon 20% Kapitalgewinn- und Kapitalertragssteuern (-1.6%), 2% Inflation und 5% Vermögenssteuer abzieht, dann bleibt eine erwartete Rendite von -0.6% übrig und bei 8% Vermögenssteuern oder bei einem geringeren Aktienanteil entsprechend weniger. Unter Sanders lässt sich also kein Milliardenvermögen mehr aufbauen (>100% Steuer) und das macht ihn zum Sozialisten. Leistung soll sich nicht mehr lohnen!
    • Steibocktschingg 22.02.2020 03:28
      Highlight Highlight Tut mir leid, aber deine Rechnung ist einfach Käse und kreuzfalsch. Inflation und Vermögenssteuer werden ebenfalls als 0.02*8%und 0.05*8% gerechnet. Wären also immer noch 5 bis 6 % Rendite, wenn du richtig rechnen kannst, siehst du es auch. Ansonsten lerne rechnen, bevor du stänkerst.

      Ach ja, das mit "Leistung soll sich lohnen" ist der grösste Mist, den der Kapitalismus sich je ausgedacht hat. Funktioniert nachweislich nicht, es gewinnt hauptsächlich die Person, die schon am meisten hatte. Mit Leistung hat das NICHTS zu tun, sondern mehr mit dem Glück, bereits besser starten zu können.
  • Bratansauce 21.02.2020 11:43
    Highlight Highlight Sozialdemokratie nach europäischem Vorbild, von der Senator Sanders spricht, ist im Grunde einfach unsere Demokratie. Im Weltbild der USA ist die ja bereits sozialistisch..
    • P. Silie 21.02.2020 12:48
      Highlight Highlight Korrekt! In der Tat haben viele Amis Angst davor so zu werden, wie Europa.
    • ursus3000 21.02.2020 14:04
      Highlight Highlight @ P. Silie In Europa fürchten sich auch viele so zu werden wie die Amerikaner
    • MarGo 21.02.2020 14:13
      Highlight Highlight @P.Silie
      Sind wir doch ehrlich... wie viele Amis haben auch nur die geringste Ahnung davon, wie es politisch in Europa zu- und hergeht? Die allerwenigsten... die meisten sind mit ihrer eigenen Politik schon überfordert...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dominik Treier 21.02.2020 11:23
    Highlight Highlight Nun ich bin auch grundsätzlich gegen die Anhäufung von Staatsschulden, die von Links teilweise toleriert oder gar gefördert wird, was uns aber die Rechten mit ihren Forderungen nach Spar oder besser Kürzungshammer nie erwähnen; Schlussendlich ist das nur ein Symptom und zwar dessen, dass der Staat zu wenig einnimmt um die vom Volk für ihn beschlossenen Aufgaben erfüllen zu können!

    Die Linken gehen mit den Schulden nur den Weg des geringsten Widerstandes um eine höhere Steuerbelastung jener die Geld dazu haben und damit deren Widerstand vermeiden zu können, was den Staat aber auch aushungert!
    • ursus3000 21.02.2020 14:08
      Highlight Highlight Und wer macht das grösste und schönste Defizit , und das ohne Rezession ? Und die linken Demokraten dürfen wieder aufräumen wenns in die Hose geht ( Bill Clinton und Barak Obama )
    • Dominik Treier 21.02.2020 16:55
      Highlight Highlight Ich bin wie gesagt der Meinung, dass es das Geld braucht, nur finde ich es billig dafür einfach Schulden zu machen, denn damit geht man nur dem Problem einer gerechteren Besteuerung, die den Staatshaushalt auch finanzieren kann aus dem Weg und diejenigen mit viel Vermögen und Vermögenswachstum, die warscheinlich die sind, die am meisten zu wenig bezahlen, profitieren von den Schulden auch noch am Meisten, weil sie noch Zinsen erhalten wenn sie dem Staat Geld leihen, dass von Anfang an zu wenig an Steuern eingenommen wurde!
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 21.02.2020 23:50
      Highlight Highlight @ursus3000 Obama hat richtig viele Schulden gemacht und Clinton musste sparen wegen der Konstellation des Parlamentes. Beide Parteien kennen keine Budgetdisziplin.
  • Ferdinend 21.02.2020 11:13
    Highlight Highlight Bernie Sanders ist ein Sozialdemokrat. Er wird in den USA dank «Red-Scare-Taktiken» der Rechten oft als Sozialist bezeichnet aber seine Positionen sind im Vergleich zur europäischen Sozialdemokratie sogar konservativer.
    • El Vals del Obrero 21.02.2020 13:02
      Highlight Highlight Und diese Taktik wirkt offenbar sogar bis in schweizerische Medien.

      Aber das gibt es ja auch bei uns: "Das wäre ja wie DDR!!!" ist ja bei vielen Initiaven ein Standard-Totschlags-Gegenargument (zuletzt bei der Mieterinitiave).
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 21.02.2020 23:54
      Highlight Highlight @Ferdinend Wenn man Steuern von über 100% fordert (Vermögenssteuer bis 8%), dann ist dies nichts anderes als Sozialismus, auch wenn nicht alle Produktionsmittel dem Staat gehören. Leistung soll sich nach Sanders im Endeffekt nicht mehr lohnen.
    • Steibocktschingg 22.02.2020 03:29
      Highlight Highlight Raubtierkapitalist, zeige mir bitte, wo er Steuern über 100% fordert, mit Link zu seiner beglaubigen Aussage oder Forderung dazu.

      Hab nämlich das Gefühl, dass du uns verkackeiern willst, wenn ich deine kreuzfalsche Rechnung unter meinem obigen Kommentar anschaue.
    Weitere Antworten anzeigen
  • El Vals del Obrero 21.02.2020 11:12
    Highlight Highlight Schade, dass man ständig anders gemeinte Begriffe aus den USA importiert und damit für Verwirrung sorgt.

    Nach dem die Linken plötzlich als "Liberale" bezeichnet werden, sind nun Sozialdemokraten "Sozialisten".
  • insert_brain_here 21.02.2020 11:08
    Highlight Highlight Also wenn Bekämpfung von Korruption, transparente Haushaltsausgaben, Sanierung maroder öffentlicher Infrastruktur, Aufwertung des Lebensraums, Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Investitionen in die Bildung gleichbedeutend mit Sozialismus sind habe ich gerade gelernt dass ich selber radikaler Sozialist bin.
  • Auric 21.02.2020 10:56
    Highlight Highlight Hier ist eine Liste von Deutschen Städten in denen es nicht funktioniert hat
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_St%C3%A4dte_in_der_DDR
    • Fly Boy Tschoko 21.02.2020 11:19
      Highlight Highlight Wer DDR Kommunismus nicht von sozialer Marktwirtschaft unterdcheiden kann sollte lieber keinen Kommentar absetzen...
    • Albert Stpeck 21.02.2020 11:50
      Highlight Highlight @Auric
      Um ewig langen Kommentar zu vermeiden:
      www.googel.ch — Sozialdemokratie.

      Evtl. DDR ebenfalls googeln, da ich nicht weiss, wie viel Vorwissen vorhanden ist.
    • Rainbow Pony 21.02.2020 11:52
      Highlight Highlight Also bitte Auric! Es gibt ja wohl einen Unterschied zwischen dem "real existierenden Sozialismus" kombiniert mit einer autokratischen einparteien Herrschaft, wie er in der DDR praktiziert wurde und einer sozialen Marktwirftschaft / Sozialdemokratie, wie wir sie in der Nachkriegszeit bis zur grossen Zäsur 1989 erleben durften. Du schlägst hier Dinge über einen Kamm, die schlicht nicht zusammengehören und *völlig* unterschiedlich sind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Francis Begbie 21.02.2020 10:44
    Highlight Highlight Sanders ist ein Sozialdemokrat.
    • Pipikaka Man 21.02.2020 14:25
      Highlight Highlight Eigentlich ist er nur ein Mitte-Politiker. Kein Linker. In den USA ist Links=Mitte und Rechts=Rechtsextrem.
  • akaschulz 21.02.2020 10:34
    Highlight Highlight Bernie ist immer noch ein Sozialdemokrat und kein Sozialist.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 22.02.2020 00:19
      Highlight Highlight Steuern über 100% haben nichts mehr mit Sozialdemokratie zu tun. Damit sind gemässigte Linke gemeint. Sanders Vermögenssteuer von 5%-8% für Milliardäre führt zu einer Enteignung, da keine Renditen am Kapitalmarkt langfristig möglich sind, die über der Steuerlast liegen.
    • Joe "I beat the socialist" Biden 22.02.2020 02:59
      Highlight Highlight Ja, das muss er sagen, wenn er eine Chance haben will.
    • Steibocktschingg 22.02.2020 03:37
      Highlight Highlight Die einzigen, die überhaupt 8% zahlen müssten, wären die Superreichen mit einem Vermögen von mehr als 10 Milliarden. Mehr Geld als man in einem Leben sinnvoll ausgeben kann und davon etwas abzugeben ist nicht nett, aber man ist immer noch extrem reich. Reich werden kann man übrigens immer noch, für seine Leistung reich werden auch.

      Selbstverständlich muss der Lügenkapitalist aber die Hälfte der Steuerpläne Sanders' verschweigen. Hab nichts anderes erwartet von so einem Typen, der nicht mal anständig Prozentrechnen kann.

      https://berniesanders.com/issues/tax-extreme-wealth/

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