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Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., accompanied by Rep. Alexandria Ocasio-Cortez, D-N.Y., left, takes the stage at campaign stop at the Whittemore Center Arena at the University of New Hampshire, Monday, Feb. 10, 2020, in Durham, N.H. (AP Photo/Andrew Harnik)
Bernie Sanders,Alexandria Ocasio-Cortez

«Democratic Socialists» auf dem Vormarsch: Bernie Sanders begeistert mit Alexandria Ocasio-Cortez in New Hampshire die Massen. Bild: AP

Wir haben den Experten gefragt, wie links Sanders wirklich ist. Das ist seine Antwort

Bernie Sanders ist kein Kommunist, sagt Politologe Claude Longchamp und schätzt ein, in welcher Partei der 78-Jährige in der Schweiz wäre. Für die Qualität der US-Demokratie stellt er ein schlechtes Zeugnis aus.



Bernie Sanders ist der Mann der Stunde. Bei den Vorwahlen der Demokraten hat der 78-Jährige einen fulminanten Start hingelegt. Gestern gewann der unverwüstliche Senator aus Vermont mit rund 26 Prozent der Stimmen im Staat New Hampshire.

Laut den neuesten Umfragen ist Sanders jetzt landesweit der beliebteste Kandidat unter den demokratischen Wählenden. Trotz seines hohen Alters ist er gerade bei den Jungen äusserst populär. 49 Prozent der unter 30-Jährigen gaben ihm gestern ihre Stimme.

Sanders weiss zu mobilisieren und kann im ganzen Land auf zahlreiche Fans zählen. Auch auf Social Media ist er den anderen Kandidaten weit voraus.

Dennoch tun sich das Partei-Establishment und diverse Leitmedien schwer mit Sanders. Polit-Kommentator Van Jones meinte gestern auf CNN:

«Er spricht junge Leute, farbige Leute und Frauen an. Er hat eine unglaubliche Armee von Spendern. Wenn irgend ein anderer Kandidat diese Eigenschaften hätte, würden wir sagen: Das ist unser Mann. Aber aus irgendeinem Grund sprechen wir über alle, ausser über Bernie Sanders.»

Damit kritisierte er auch den Sender, auf dem er gerade zu sehen war.

Sanders wäre wohl in der SP

Der Grund, weshalb Sanders so stiefmütterlich behandelt wird, ist seine politische Ausrichtung. Der 78-Jährige bezeichnet sich selber als «demokratischer Sozialist» und politisiert am linken Rand der demokratischen Partei. Kritiker finden seine Position zu extrem.

Doch wie links ist Bernie Sanders wirklich? Ist er gar ein Kommunist, wie es ihm viele vorwerfen? «Nein», meint Claude Longchamp, der die Vorwahlen in den USA genau mitverfolgt. «Das ist nur Propaganda. Bernie Sanders wäre in der Schweiz zweifelsfrei in der SP

Das Wertesystem in den USA sei viel weiter rechts als etwa in der Schweiz, so der Politologe zu watson. Das Spektrum bei der demokratischen Partei sei sehr gross. «Barack Obama wäre wahrscheinlich im linken Flügel der FDP anzuordnen oder bei der GLP

Bernie Sanders habe ein sozialdemokratisches Programm, so Longchamp weiter. «Er setzt auf einen Basiswahlkampf und zählt vor allem auf die jüngere Generation.» Eine ähnliche Strategie habe er etwa beim Ständeratswahlkampf von Cédric Wermuth beobachten können, der ja gute Aussichten habe zusammen mit Mattea Meyer das Präsidium der SP zu übernehmen. «Von dem her würde er perfekt dorthin passen.»

Fährt das Partei-Establishment Sanders in die Parade?

Die klare Positionierung habe für Sanders im Vorwahlkampf Vorteile. Er könne sich so von den anderen Kandidaten abgrenzen, welche sich die Stimmen aufteilen würden, erklärt Longchamp. Dennoch bleibt der Politologe betreffend der Erfolgssaussichten von Sanders skeptisch.

«Es ist durchaus möglich, dass er am Ende die meisten Stimmen im Land sammelt, aber trotzdem nicht nominiert wird.» Grund dafür ist das komplizierte Verfahren mit Delegierten und Superdelegierten. Diese küren am Parteikonvent Mitte Juli ihren Kandidaten für das Rennen gegen Donald Trump.

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John Oliver erklärt, wie absurd das Vorwahl-System ist. Video: YouTube/LastWeekTonight

Longchamp vermutet, dass das Partei-Establishment mit den Delegierten eingreifen und einen moderateren Kandidaten bevorzugen wird. Natürlich sei auch ein Durchmarsch von Sanders nicht unmöglich, so Longchamp. «Es wäre aber etwa gleich überraschend wie die Nomination Trumps, der sich 2016 gegen das republikanische Partei-Establishment durchsetzte.»

Sanders hat im Vergleich zu den moderaten Kandidaten wie Amy Klobuchar, Pete Buttigeig oder Joe Biden einen grossen Nachteil. Diesen kann er nur aufholen, wenn er die Vorwahlen mit einem derart grossen Vorsprung gewinnt, dass die eigene Partei gar nicht mehr anders kann, als ihn zu nominieren.

«Die USA sind in Sachen Demokratie ein Entwicklungsland»

Dies enstpricht selbstredend nicht dem Prinzip von «one man, one vote», «ein Mann, eine Stimme». Longchamp stellt der US-Demokratie denn auch ein schlechtes Zeugnis aus. «Vordergründig sieht das alles schön aus», sagt der Politologe. «Aber das System ist höchst fragwürdig. Das ist nicht sauber.»

Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., with his wife Jane O'Meara Sanders, arrives to speak to supporters at a primary night election rally in Manchester, N.H., Tuesday, Feb. 11, 2020. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)
Bernie Sanders,Jane O?Meara Sanders

Bernie Sanders: Holt er am meisten Stimmen und wird am Ende doch nicht nominiert? Bild: AP

Das sei nicht erst seit dem Vorwahl-Debakel in Iowa bekannt. Longchamp zählt etwa die willkürlichen Wahlkreisverschiebungen, das «Gerrymandering», auf. Oder der mühselige Registrierungsprozess, den die Wählenden zuerst durchlaufen müssen, bevor sie an die Urne dürfen.

«Die USA sind in Sachen Demokratie ein Entwicklungsland», lautet das harte Verdikt von Longchamp. Dieser Umstand könnte Bernie Sanders zum Verhängnis werden, obschon seine dezidiert linke Politik bei den Wählenden anzukommen scheint.

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