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Trump mitverantwortlich für Pittsburgh-Massaker

epa07125302 US President Donald J. Trump speaks to the Future Farmers of America convention at the Banker's Life Fieldhouse in Indianapolis, Indiana, USA, 27 October 2018. Trump has been criss-cr ...
Trump geht trotz des Pittsburgh-Attentats weiter auf Wahlkampftour.  Bild: EPA/EPA

Nach Pittsburgh-Massaker: Kritiker sagen, warum Trump an der Gewalt mitschuldig ist

28.10.2018, 16:3428.10.2018, 17:31
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Kurz vor den Kongresswahlen zur Amtshalbzeit von Donald Trump erleben die USA eine dramatische Eskalation der politischen Gewalt. Auf die an prominente Gegner des Präsidenten adressierten Briefbomben folgt am Samstag der Anschlag auf eine Synagoge mit elf Toten.

In der finalen Wahlkampfphase rückt damit die Debatte um die Ursachen der Hassverbrechen und Trumps Verantwortung für die Verrohung des politischen Klimas weiter in den Vordergrund.

Der Präsident selbst beklagt nach dem von einem mutmasslichen Judenhasser verübten Schusswaffenüberfall auf die Lebensbaum-Synagoge in Pittsburgh die vergiftete Stimmung im Land. Für den Antisemitismus und andere Formen des Hasses dürfe es «keine Toleranz» geben.

Anschlag auf Synagoge in Pittsburgh

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Anschlag auf Synagoge in Pittsburgh
Einsatzkräfte riegeln nach dem Attentat das Gebiet um die Synagoge in Pittsburgh ab.
quelle: ap/ap / keith srakocic
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Kurzzeitig überlegt Trump auch, eine Wahlkampfpause einzulegen – reist dann aber doch zu einer Versammlung im Bundesstaat Illinois. Dort streicht er dann trotz seiner Ankündigung, den «Ton» zu dämpfen, die aggressive Rhetorik keineswegs komplett aus seinem Repertoire. Seine Kritiker bezeichnet er etwa als «sehr dumme Leute».

Anschlag auf Synagoge: Opfer zwischen 54 und 97 Jahre alt
Die Polizei hat neue Details zum Massaker bekannt gegeben. Die Opfer waren nach Behördenangaben zwischen 54 und 97 Jahre alt. Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den 46-jährigen Robert Bowers aus Pittsburgh. Bowers habe in dem jüdischen Gotteshaus in Pittsburgh «Äusserungen zu einem Genozid» getätigt, sagte Scott Brady, Staatsanwalt für den Westen des Bundesstaats Pennsylvania, am Sonntag. Sein Plan sei es gewesen, «Juden zu töten».

Ausserhalb des Trump-Lagers mehren sich derweil die Stimmen, die in den Gewalttaten die Früchte eines Zorns sehen, den auch der Präsident mit seiner diffamierenden Rhetorik angeheizt hat.

Unter Trump herrsche ein Klima, «in dem die Gefühle weisser Nationalisten und anderer Hassgruppen nicht mehr unterdrückt werden», schreibt etwa Karen Tumulty, eine Kolumnistin der «Washington Post». Trump sei der «Hauptverantwortliche» für das Klima, das solche Taten hervorbringe, konstatiert auch David Rothkopf, ein Ex-Regierungsmitarbeiter unter Präsident Bill Clinton, in der israelischen Zeitung «Haaretz».

In this Oct. 27, 2018 photo, Rabbi Eli Wilansky lights a candle after a mass shooting at Tree of Life Synagogue in Pittsburgh's Squirrel Hill neighborhood. Robert Bowers, the suspect in Saturday& ...
Trauer vor der Synagoge in Pittsburgh. Bild: AP/Pittsburgh Post-Gazette

Die Motivlage bei dem am Freitag gefassten mutmasslichen Briefbomber und dem direkt nach dem Blutbad in Pittsburgh festgenommenen Mann lässt sich aber nur sehr bedingt auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Der 56-jährige Cesar Sayoc aus Florida, der die mindestens 13 Sprengsätze unter anderen an Hillary Clinton und Ex-Präsident Barack Obama versendet haben soll, ist offenkundig ein fanatischer Trump-Fan. Er nahm an Trump-Veranstaltungen teil, schüttete in Onlinenetzwerken seinen Hass auf dessen Gegner aus und kleisterte seinen Lieferwagen mit Pro-Trump-Aufklebern zu.

Synagogen-Attentäter kein Trump-Fan

Der mutmassliche Synagogen-Attentäter Robert Bowers scheint hingegen keineswegs ein Anhänger des Präsidenten zu sein. Über die Onlineplattform «Gab» soll er nicht nur antisemitische Hetze verbreitet haben – sondern auch Kritik an Trump. Der Präsident sei von Juden «umgeben», zitiert der Sender CNN eine Anmerkung des als Bowers identifizierten Autors.

Gemeint ist damit vermutlich unter anderen die Trump-Familie. Jared Kushner, der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, ist orthodoxer Jude. Seine Tochter Ivanka hat den Glauben ihres Mannes angenommen.

Andererseits hat Trump aber immer wieder Signale ausgesendet, die von der rechtsextremen Szene als Ermunterung verstanden werden konnten. Dazu gehört seine Skandal-Äusserung zum rechtsextremen Aufmarsch im Sommer 2017 in Charlottesville, unter den Teilnehmern seien «sehr feine Leute» gewesen.

Verstörende Parallelen

Rosie Villano, left, and Chai Smith, both Carnegie Mellon of Oakland, hold candles during an interfaith vigil outside of Sixth Presbyterian Church, Saturday, Oct, 27, 2018, in the Squirrel Hill sectio ...
Bild: AP/Pittsburgh Post-Gazette

Die Statistiken zeigen jedenfalls, dass seit Trumps Amtsantritt die politisch motivierten Delikte in den USA deutlich zugenommen haben. Nach Recherchen von Hochschulforschern stieg 2017 die Zahl der «Hassverbrechen» in den grössten Städten um 12 Prozent.

Die Zahl der spezifisch antisemitischen «Vorfälle» nahm laut der US-Organisation Anti-Defamation League zwischen 2016 und 2017 sprunghaft um 57 Prozent zu. Im Fall des Synagogen-Attentäters Bowers gibt es aber Indizien, dass ihn nicht nur Hass auf Juden, sondern auch auf Immigranten antrieb.

In seinen mutmasslichen Onlinebeiträgen wird gegen die jüdische Flüchtlingshilfsorganisation Hias agitiert und ihr vorgeworfen, den derzeitigen Flüchtlingstreck aus Zentralamerika zu finanzieren. Immigranten beschimpft der Autor als «Eindringlinge, die unsere Leute töten».

Es sind verstörende Parallelen zur Rhetorik des Präsidenten, der illegal Zugewanderte pauschal als Sicherheitsbedrohung verunglimpft – und den Flüchtlingsmarsch als «Angriff auf unser Land» angeprangert hat. (sda/afp)

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linus Luchs
28.10.2018 21:09registriert Juli 2014
Gedanken und Worte bereiten Taten vor. Trumps Gedanken und Worte sind immer wieder durchdrungen von hoher Aggression und totaler Respektlosigkeit. Er heizt vorsätzlich die Stimmung an und verschiebt die Hemmschwelle immer weiter nach unten. So ist er sehr wohl der Hauptgrund, weshalb politisch motivierte Gewalttaten in den USA zunehmen. Und auch über die US-Grenze hinaus hat seine Unbeherrschtheit eine gefährliche Vorbildfunktion.
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iisebahnerin
28.10.2018 17:08registriert Mai 2018
Ausser Erschütterung und blankem Entsetzen bleibt mir nur eine Feststellung: Die Saat scheint aufzugehen.....
Wo führt das bloss hin? 😱
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