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Polnischer Freiheitsheld liest Trump die Leviten

epa10890186 Polish former President Lech Walesa attends the ceremonial handing over to him of the Resolution of the Polish Senate on the 40th anniversary of the awarding of the Nobel Peace Prize to Le ...
Lech Wałęsa bei einer Veranstaltung im polnischen Krakau.Bild: EPA PAP

«Wir sind schockiert»: Polnischer Freiheitsheld liest Trump die Leviten

Polens Freiheitsikone Lech Wałęsa schaltet sich in den Streit zwischen Trump und Selenskyj ein. In einem Brief an den US-Präsidenten erhebt er schwere Vorwürfe.
04.03.2025, 10:2304.03.2025, 11:07
Christoph Cöln / t-online
Ein Artikel von
t-online

Auf der ganzen Welt hat der öffentlich ausgetragene Streit Donald Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für Bestürzung gesorgt. Auch in Polen. Nun hat der frühere polnische Präsident Lech Wałęsa Trump einen Brief geschrieben, in dem er sein «Entsetzen» über den Vorfall im Weissen Haus ausdrückt.

«Wir haben Ihr Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Entsetzen und Abscheu verfolgt», heisst es in dem Brief, der von 39 ehemaligen polnischen politischen Gefangenen unterzeichnet wurde und den Wałęsa auf Facebook veröffentlichte.

Offenbar fühlte Wałęsa sich angesichts der Bilder von dem Streitgespräch, das am Freitag im Weissen Haus stattgefunden hatte, an düstere Zeiten erinnert. So vergleicht er die Atmosphäre während des Eklats zwischen Trump, US-Vize-Präsident J. D. Vance und Selenskyj mit der «vor kommunistischen Gerichten» oder bei Verhören durch den kommunistischen Geheimdienst. «Wir sind schockiert, dass Sie Präsident Wolodymyr Selenskyj auf die gleiche Weise behandelt haben».

Der frühere Anführer der Gewerkschaft Solidarność und Friedensnobelpreisträger Wałęsa spielte beim Ende des Kommunismus eine entscheidende Rolle. Er war es, der mit anderen Oppositionellen immer wieder die Danziger Werften bestreikte, eine Gewerkschaft gründete, dafür interniert und unter Hausarrest gestellt wurde, und der letztlich entscheidend dabei half, das kommunistische Regime in Warschau in die Knie zu zwingen – trotz der tödlichen Bedrohung durch die Sowjetherrscher in Moskau und deren Besatzungstruppen in Polen.

Wałęsa: «Diese Garantien sind bedingungslos»

Wałęsa weiss also, wovon er spricht, wenn er den Freiheitskampf der Ukrainer preist. «Wir finden Ihre Erwartung von Respekt und Dankbarkeit für die materielle Hilfe der USA für die Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland beleidigend», schreiben Wałęsa und rund 40 weitere ehemalige Gegner des Kommunismus. Die Dankbarkeit gebühre «den heldenhaften ukrainischen Soldaten, die ihr Blut vergossen haben, um die Werte der freien Welt zu verteidigen».

Die Unterzeichnenden fordern die USA auf, die Sicherheitsgarantien einzuhalten, die sie der Ukraine 1994 nach dem Zerfall der Sowjetunion gegeben haben. «Diese Garantien sind bedingungslos. Darin findet sich kein Wort darüber, dass diese Hilfe als wirtschaftlicher Austausch zu behandeln sei», heisst es mit Blick auf das Budapester Memorandum. Darin haben die USA, Russland und Grossbritannien der Ukraine, Belarus und Kasachstan ihre Souveränität in den bestehenden Grenzen garantiert. Im Gegenzug gaben die drei früheren Sowjetrepubliken die auf ihrem Gebiet stationierten sowjetischen Atomwaffen an Russland.

Der 81-jährige Wałęsa war bei den ersten demokratischen Wahlen in Polen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Staatspräsidenten gewählt worden. Seine Präsidentschaft (1990 bis 1995) gilt als mässig erfolgreich, auch waren vor einigen Jahren Vorwürfe einer mutmasslichen Tätigkeit für den kommunistischen Geheimdienst laut geworden. Wałęsa hat diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist er ein treuer Verbündeter und Unterstützer des Nachbarlandes.

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