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Hinrichtung gscheitert: Christa Pike lebt auch nach zwei Giftspritzen

Emergency vehicles arrive at Riverbend Maximum Security Institution after the execution of Christa Pike was halted Wednesday, Sept. 30, 2026, in Nashville, Tenn. (AP Photo/George Walker IV)
Tennessee  ...
Bei der Hinrichtung der Mörderin Christa Pike ist es zu Komplikationen gekommen.Bild: keystone

Hinrichtung in Tennessee scheitert: Christa Pike lebt auch nach zwei Giftspritzen noch

01.10.2026, 07:0801.10.2026, 08:45

Bei der Vollstreckung der ersten Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee ist es zu Komplikationen gekommen. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte laut Darstellung ihrer Verteidiger auch noch nach der Verabreichung zweier Giftspritzen. Zuvor hatte das Oberste US-Gericht einen Vollstreckungsstopp ausser Kraft gesetzt.

«Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche», heisst es in einem Gerichtsdokument. Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.

This photo provided by the Tennessee Department of Correction shows Christa Pike on Jan. 12, 2023. (TDOC via AP)
Christa Pike,Christa Gail Pike
Christa Pike lebt trotz zwei Giftspritzen.Bild: keystone

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren

Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüsste. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.

Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp ausser Kraft.

Kritik von Richterinnen am Entscheid

Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmässigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäss geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, «insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung». Sie bezeichnete das Vorgehen als «aussergewöhnlich».

In this image from video provided by WBIR-TV, Christa Pike cries after being sentenced to death on March 30, 1996 in Knoxville, Tenn. (WBIR-TV via AP)
Christa Pike
Pike im Jahr 1996.Bild: keystone

Mord liegt mehr als 30 Jahre zurück

Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmässigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe.

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

Eilantrag erfolgreich

In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren. (dab/sda/dpa)

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