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Die USA haben zum dritten Mal binnen einer Woche die Todesstrafe vollstreckt. (Symbolbild)

Eine Hinrichtungsbank in den USA. Bild: sda

Wegen Komplikationen mit Giftspritze: Arizona will Häftlinge mit Nazi-Gas hinrichten

Der US-Bundesstaat Arizona hat Zyklon B gekauft, um einen Kindermörder hinzurichten. Das Gas wurde von den Nazis im Zweiten Weltkrieg genutzt, um Juden zu ermorden.



Der US-Bundesstaat Arizona will seine Gaskammer für zum Tode verurteilte Häftlinge wieder in Betrieb nehmen. Dafür wurden Bestandteile des Gases Zyklon B gekauft – ein Gift, mit dem die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Millionen von Juden ermordeten.

Wie die «Jerusalem Post» berichtet, wurde die Gaskammer in Arizona bereits auf seine Betriebsfähigkeit untersucht. In den vergangenen Monaten hatte der republikanische Bundesstaat die Ausführungen der Todesstrafe überarbeitet.

Der erste Häftling, der durch Zyklon B sterben soll, ist der 65-jährige Frank Atwood, der 1984 wegen Mordes an einem Kind verurteilt worden war.

FILE - This undated file photo provided by the Arizona Department of Corrections shows Frank Atwood, who was sentenced to death in the 1984 killing of 8-year-old Vicki Lynn Hoskinson in Pima County. The Arizona Supreme Court has set a deadline of July 21, 2021, for prosecutors to request a warrant that would trigger Atwood's execution. Atwood is among the first death row prisoners in Arizona to be eyed for execution since 2014. (Arizona Department of Corrections via AP, File)

Frank Atwood. Bild: keystone

Zu viele Komplikationen mit der Giftspritze

Atwood soll mithilfe von Gas hingerichtet werden, weil es 2014 bei der Exekution des Mörders Joseph Woods zu Komplikationen kam. Anstatt der berechneten 10 Minuten dauerte Woods Todeskampf deren 117. Es mussten ihm 15 Dosen verabreicht werden, bis er dem Gift erlag. Beobachter berichteten, dass er noch lange geröchelt und nach Luft gerungen habe. Es war die bis anhin letzte Hinrichtung in Arizona.

Die letzte Hinrichtung mit Gas wurde in Arizona im Jahr 1999 durchgeführt, als der Deutsche Walter LeGrand wegen eines bewaffneten Raubüberfalls in der Gaskammer sterben musste. Zeugenberichten zufolge dauerte die Prozedur 18 Minuten. Dabei soll LeGrand heftig gehustet haben.

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quelle: henryhargreaves.com / henryhargreaves.com
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Arizona ist nicht der einzige Bundesstaat, in dem Häftlinge (wieder) mit Gas hingerichtet werden. Fünf andere Bundesstaaten erlauben dies ebenfalls. Seit der Wiederaufnahme der Todesstrafe 1977 wurden elf Menschen in den USA in der Gaskammer getötet. Und dies, obwohl 1994 eine Richterin in San Francisco den Tod durch die Gaskammer als «grausame und aussergewöhnliche Bestrafung» und somit für verfassungswidrig erklärte. Bei ihrem Urteil stützte sich die Richterin auf Auschwitz-Überlebende, die berichteten, dass Hingerichtete in den Gaskammern minutenlang geschrien hätten.

«Er will nicht gefoltert werden»

Nichtsdestotrotz soll nun Frank Atwood in der Gaskammer sterben. Sein Anwalt Joseph Perkovich sagte dazu: «Frank Atwood ist bereit zu sterben. Er ist ein Mann griechisch-orthodoxen Glaubens und bereitet sich auf diesen Moment vor. Aber er will nicht gefoltert werden und einer verpfuschten Hinrichtung ausgeliefert sein.»

Atwoods Anwälte wollen indes ganz verhindern, dass ihr Klient hingerichtet wird. Sie argumentieren, dass die Anstrengungen Arizonas, ein Hinrichtungsdatum für Atwood zu finden, widerrechtlich seien. Dies, weil noch eine Untersuchung laufe.

Cyanwasserstoff, auch als Blausäure bekannt, ist der Hauptwirkstoff von Zyklon B, ein im Jahr 1922 von der Firma Degesch hergestelltes Biozid. Beim Menschen wird dieses Gas vorwiegend durch Einatmen wirksam.

Bei der Exekution durch Gas wird der Verurteilte in einer luftdichten Kammer auf einem Stuhl festgeschnallt. Unter dem Stuhl befindet sich ein Eimer mit Schwefelsäure, in den per Hebelwirkung Zyankali (das Kaliumsalz der Blausäure) geworfen wird. Es bildet sich hochgiftige Blausäure. Beim Menschen führt es nach wenigen Atemzügen dazu, dass die Zellatmung der Körperzellen zum Stillstand kommt. (dfr)

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