International
USA

Drohung an Taiwan: China hält Militärmanöver ab – USA zeigt sich besorgt

epa11657890 A Taiwan Air Force Mirage 2000 fighter jet makes an approach for landing inside the airbase in Hsinchu, Taiwan, 14 October 2024. China announced on 14 October that it will conduct the &#03 ...
Das taiwanische Verteidigungsministerium nannte die chinesische Übung eine «irrationale Provokation».Bild: keystone

Drohung an Taiwan: China hält grosses Militärmanöver ab – USA zeigen sich besorgt

14.10.2024, 09:4914.10.2024, 15:26

Als erneute Drohung Richtung Taiwan hält China eine gross angelegte Militärübung rund um die Inselrepublik ab. Das chinesische Militär sprach in einer Mitteilung von einer «ernsten Warnung» an die «separatistischen» Kräfte Taiwans.

Der chinesische staatliche Sender CCTV veröffentlichte eine Karte, die mehrere grosse rote Blöcke rund um Taiwan zeigte. In diesen Gebieten fanden die Übungen demnach statt. Am Montagabend (Ortszeit) hiess es in einer weiteren Mitteilung, dass das Manöver «erfolgreich» abgeschlossen worden sei.

Nach Angaben des taiwanische Verteidigungsministerium nahmen 125 Kampfflugzeuge, Hubschrauber oder Drohnen der Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee bis zum späten Nachmittag an der Übung teil. Zudem seien 17 Kampfschiffe des Militärs und 17 weitere Schiffe der chinesischen Küstenwache in Gewässern nahe Taiwan registriert worden. Auch der chinesische Flugzeugträger «Liaoning» wurde südöstlich von Taiwan gesichtet.

Alles, was du dazu wissen willst.

China droht Inselrepublik mit Eroberung

China betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums, obwohl dort seit Jahrzehnten stets unabhängige und demokratisch gewählte Regierungen an der Macht sind. Peking droht schon lange offen damit, die mehr als 23 Millionen Einwohner zählende Insel und das Festland notfalls auch mit militärischer Gewalt zu vereinen.

Der Druck nahm zuletzt wieder zu, nachdem im Januar mit Lai Ching-te erneut ein China-Kritiker die Präsidentschaftswahlen in Taiwan gewonnen hatte. Die Kommunistische Partei in Peking wirft Lai und seiner Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) Separatismus vor.

Rede des taiwanischen Präsidenten gilt als Auslöser

Bei den Übungen dürfte es sich um eine Reaktion auf eine Rede Lais zum taiwanischen Nationalfeiertag am 10. Oktober handeln. In der Rede hatte der Präsident vergangenen Donnerstag Taiwans Souveränität bekräftigt, aber China auch aufgefordert, mit ihm für den Frieden zu arbeiten.

Bereits vergangene Woche wurde in Taiwan gewarnt, dass China die Rede zum Anlass nehmen könnte, um erneut seine militärischen Muskeln spielen zu lassen. Die USA hatten Peking davor gewarnt, auf die Rede mit Manövern zu reagieren.

USA sehen Gefahr der Eskalation

Das Aussenministerium in Washington zeigt sich ernsthaft besorgt angesichts der Übungen. Mit militärischen Provokationen auf eine jährliche Ansprache zu reagieren sei nicht gerechtfertigt und berge die Gefahr einer Eskalation, hiess es in einer Mitteilung. Die US-Regierung forderte China auf, sich zurückzuhalten und weitere Aktionen zu vermeiden, die den Frieden und die Stabilität untergraben könnten.

Die USA folgen der Ein-China-Doktrin, die Voraussetzung für diplomatische Beziehungen zu China bildet und keine offiziellen Kontakte zu Taiwan ermöglicht. Die Vereinigten Staaten haben sich aber gesetzlich dazu verpflichtet, die Verteidigungsfähigkeit der Inselrepublik zu unterstützen, und sind ein wichtiger Verbündeter.

Schiffe und Flugzeuge aus mehreren Richtungen

Ein Sprecher des chinesischen Militärs sagte laut Mitteilung, Schiffe und Flugzeuge näherten sich Taiwan aus mehreren Richtungen. Ziel sei es unter anderem, zu üben, wichtige Häfen und Gebiete zu blockieren sowie eine «umfassende Kontrolle» zu erlangen. Auch die chinesische Küstenwache erklärte, in den Gewässern um Taiwan Inspektionen durchzuführen.

Das taiwanische Verteidigungsministerium nannte die chinesische Übung eine «irrationale Provokation» und erklärte, eigene Streitkräfte entsandt zu haben, um «konkrete Massnahmen zur Wahrung von Freiheit und Demokratie zu ergreifen». (ome/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Feuerfischer von Taiwan
1 / 14
Die Feuerfischer von Taiwan
Dass Licht auch Fische anzieht und nicht nur Insekten, machen sich Fischer in Taiwan zunutze. Nach einer alten Methode entzünden sie ein Feuer am Bug ihrer Boote und fangen damit nachts tonnenweise Sardinen.
quelle: x02605 / tyrone siu
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nancy Pelosi landet in Taiwan
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Politikwissenschaftler: «Dunkelster Moment» im Ukraine-Krieg
Nach dem Stopp des neuen US-Sanktionspakets gegen Russland durch Präsident Donald Trump sieht der Geopolitik-Experte Klemens Fischer die Ukraine in verzweifelter Lage. «Das ist garantiert der dunkelste Moment für die Ukrainer in diesem Krieg bisher», sagte der Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität Köln dem Deutschlandfunk.
Zur Story