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Mordanklage: Sohn von Regisseur Reiner weist Schuld zurück

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Nick Reiner am 23. Februar 2026 an seiner Anklageverlesung vor dem Obersten Gerichtshof in Los Angeles, Kalifornien, USA.Bild: keystone

Mordanklage: Sohn von Regisseur Reiner weist Schuld zurück

23.02.2026, 19:4624.02.2026, 06:24

Der gewaltsame Tod von «Harry und Sally»-Regisseur Rob Reiner und seiner Ehefrau Michele kurz vor Weihnachten führte zu Bestürzung und Trauer weit über Hollywood hinaus. Nur wenige Stunden, nachdem die mit Messerstichen getöteten Eheleute in ihrem Haus in Los Angeles gefunden worden waren, nahm die Polizei deren jüngsten Sohn unter Mordverdacht in Gewahrsam. Jetzt nahm Nick Reiner erstmals öffentlich zu den Vorwürfen Stellung.

Vor Gericht in Los Angeles plädierte der wegen Mordes angeklagte 32-Jährige auf «nicht schuldig». Zur Anklageverlesung am Montag (Ortszeit) erschien er mit kurz geschorenen Haaren in einem braunen Overall. Seit seiner Verhaftung im Dezember sitzt er in Untersuchungshaft. Im Gerichtssaal war er durch eine Glasscheibe von seinem Umfeld getrennt. Pflichtverteidigerin Kimberly Greene sprach für ihren Mandanten, Reiner äusserte sich nur einmal, um eine Frage der Richterin zu beantworten. Der nächste Gerichtstermin steht Ende April an.

Reiner war nachts auf der Strasse nahe einer Tankstelle festgenommen worden, rund sechs Stunden nachdem seine getöteten Eltern in einem Schlafzimmer in ihrer Villa im Stadtteil Brentwood entdeckt wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte den 32-Jährigen Mitte Dezember wegen zweifachen vorsätzlichen Mordes angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haft, möglicherweise sogar die Todesstrafe.

Mögliche Todesstrafe

Bezirksstaatsanwalt Nathan J. Hochman bekräftigte am Montag, dass er prüfen werde, ob in diesem Fall die Todesstrafe angemessen sei. Sie würden derzeit noch auf den abschliessenden Bericht der Gerichtsmediziner warten. Angeklagte können in Kalifornien zum Tod verurteilt werden, die Vollstreckung von Todesstrafen ist in dem Bundesstaat allerdings seit Jahren ausgesetzt.

«Rob Reiner war einer der grössten Filmemacher seiner Generation», schrieb Hochman im Dezember in einer Mitteilung. Die Ermordung des Paares sei «schockierend und tragisch». «Dieser Fall ist herzzerreissend und zutiefst persönlich, nicht nur für die Reiner-Familie und deren Freunde, sondern für unsere gesamte Stadt», sagte Polizeichef Jim McDonnell damals.

Sohn Nick sprach über Drogensucht

Nick Reiner hatte in der Vergangenheit immer wieder öffentlich über seinen Kampf gegen eine Drogensucht und über psychische Probleme gesprochen. Er sei als Teenager viele Male auf Entzug gewesen und habe häufig als Obdachloser auf der Strasse gelebt, sagte er 2016 der Zeitschrift «People».

Im Jahr zuvor hatte Rob Reiner mit «Being Charlie» einen Film über die schwierige Beziehung eines 18 Jahre alten drogenabhängigen Protagonisten namens Charlie und dessen Vater gedreht. An dem Drehbuch arbeitete Sohn Nick mit. Die Arbeit an dem Film sei wie eine gemeinsame Therapie gewesen, sagte der Regisseur damals der Zeitschrift «The New Yorker». Nick Reiner soll zuletzt in einem Gästehaus auf dem Grundstück seiner Eltern gelebt haben.

Unzurechnungsfähigkeit als Prozessstrategie?

Die Umstände werfen die Frage auf, ob Reiners Anwälte dessen psychischen Zustand für die Verteidigung heranziehen werden. Sie könnten argumentieren, dass der Angeklagte zur Tatzeit unter einer schweren seelischen Störung litt und statt Gefängnis eine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung angemessen sei. Prozessbeobachter rechnen mit einem langwierigen Verfahren.

Rob Reiner, Regisseur von Filmhits wie «Harry und Sally», «Misery» und «Eine Frage der Ehre», war 78 Jahre alt. Seine Frau Michele (70) arbeitete als Fotografin und Filmproduzentin. Das seit 1989 verheiratete Paar hatte drei gemeinsame Kinder: Jake, Nick und Romy. Zudem adoptierte der Regisseur die Tochter seiner ersten Ehefrau Penny Marshall.

Der Verlust ihrer Eltern sei «schrecklich und verheerend», teilten Jake und Romy Reiner im Dezember in einer gemeinsamen Mitteilung mit. «Worte können nicht einmal ansatzweise den unvorstellbaren Schmerz beschreiben, den wir jeden Augenblick des Tages fühlen. Der schreckliche und verheerende Verlust unserer Eltern, Rob und Michele Reiner, ist etwas, das niemand jemals erleben sollte. Sie waren nicht nur unsere Eltern, sie waren unsere besten Freunde.» (sda/dpa)

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