In den USA sterben immer mehr Frauen an Eileiterschwangerschaften
In den USA ist die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Eileiterschwangerschaften in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das zeigt eine Auswertung von Gesundheitsdaten durch die US-Investigativredaktion ProPublica. Zwischen 2020 und 2025 starben fast 200 Frauen an der Komplikation. Das sind beinahe doppelt so viele wie in den sechs Jahren davor, als es insgesamt rund 100 Fälle waren.
Bei einer Eileiterschwangerschaft nistet sich der Embryo nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter ein. Da kann er nicht überleben, wächst aber trotzdem weiter, bis das Organ reisst. Die Verletzung führt zu einem lebensgefährlichen Blutverlust.
Der Anstieg der Todesfälle betreffe die ganzen USA, falle aber in Bundesstaaten mit strengen Abtreibungsverboten deutlich stärker aus als in Staaten ohne derartige Gesetze, schreibt ProPublica. Der Grund: Da eine Eileiterschwangerschaft nicht lebensfähig ist, besteht die einzige Behandlung darin, sie zu beenden. Medizinisch bedeutet das einen Schwangerschaftsabbruch, der in diesen Staaten illegal ist.
Aus Angst vor Strafe
Zwar sehen die meisten Verbotsgesetze Ausnahmen für solche Fälle vor. Berichten und Klagen zufolge zögern manche Ärztinnen und Ärzte jedoch, diese zu nutzen ‒ aus Angst, strafrechtlich belangt zu werden. Eine eindeutige Diagnose per Ultraschall ist oft erst nach Tagen möglich. Das birgt das Risiko, dass sich der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft als falsch herausstellt. Währen der Wartezeit schweben manche betroffenen Frauen in Lebensgefahr.
In texanischen Spitälern erlitten 2023 und 2024 rund 29 Prozent mehr Patientinnen einen schweren Blutverlust durch eine Eileiterschwangerschaft als noch 2018 und 2019.
Bis zum 24. Juni 2022 galt in den USA noch bundesweit das Grundsatzurteil Roe v. Wade aus dem Jahr 1973. Es garantierte Abtreibungen als verfassungsrechtlich geschütztes Recht. In allen Bundesstaaten, also auch in Texas, waren Schwangerschaftsabbrüche bis dahin somit grundsätzlich legal.
Klare Zusammenhänge
Zudem wurde die zuständige Abteilung der US-Gesundheitsbehörde durch Personal- und Budgetkürzungen stark geschwächt. Expertinnen und Experten betonen zwar, dass Abtreibungsverbote allein den bundesweiten Anstieg nicht vollständig erklären können – die Risikofaktoren sind zu wenig erforscht. Dennoch sehen viele einen klaren Zusammenhang zwischen den restriktiven Gesetzen und den verzögerten Behandlungen.
Grossbritannien reagierte auf einen ähnlichen Anstieg während der Corona-Pandemie mit gezielten Untersuchungen, besserer Aufklärung und schnelleren Notfallprotokollen. Und hatte damit Erfolg. In den USA fehlt bislang eine vergleichbare Aufarbeitung. (val)
